Familia (2005)

Familia (2005)

Oder: Wie erziehe ich meine Kinder?

Familia

"Magst mich noch?"

Michèle (Sylvie Moreau) lebt mit ihrer 14-jährigen Tochter Marguerite (Mylène St-Sauveur) in Québec und arbeitet als Aerobictrainerin. Während Marguerite schon mächtig einen auf Party macht und erst früh morgens nach Hause kommt, treibt sich ihre Mutter in Spielsalons herum und verprasst all das verdiente Geld. Als der Freund und Arbeitgeber von Michèle ihr den Geldhahn zudrehen will, beschliesst sie ihn auf der Stelle zu verlassen. Mit Marguerite macht sie sich auf den Weg nach Carlifornien zu ihrer Schwester Chloé (Hélène Florent).

Familia

"Mein erstes Mal soll perfekt sein, mit viel Liebe."

Nach einem ersten kurzen Zwischenhalt bei der Mutter von Michèle, machen sich die beiden schon wieder auf den Weg. Denn der momentane Lebenspartner der Mutter wollte die finanzielle Notlage seiner Stieftochter ausnutzen und bot ihr Geld für Sex an. Sie suchen bei der Jugendfreundin Janine (Macha Grenon) Unterschlupf und hoffen von ihr etwas Geld zu erhalten für die Weiterreise. Trotz anfänglicher Skepsis gewährt ihnen Janine Asyl und gibt sich alle Mühe den beiden Mittellosen aus der Patsche zu helfen. Gabrielle (Juliette Gosselin), die Tochter von Janine, und Marguerite kommen sich nach anfänglichen Berührungsängsten schnell näher und werden gute Freundinnen.

Familia

"Hausarrest, ab sofort!"

Doch der Lebensstil der beiden Familien ist sehr verschieden und so kommt es schon bald zu Spannungen. Janine, die immer alles im Griff haben will, bekommt den Eindruck, dass die Anwesenheit der Gäste einen schlechten Einfluss auf ihre Tochter haben könnte. Zudem verdächtigt sie ihren Mann einer Affäre, was sie auch nicht gerade besser stimmt. Michèle schätzt zwar die Gastfreundschaft und Hilfe ihrer Freundin, kann aber ihrer Spielsucht trotzdem nicht widerstehen. Schliesslich kommt es zum Eklat und Janine wirft ihre Gäste aus dem Haus...


Kinofilm-Rating

In Familia geht es um Erziehung, Teenager-Rebellion, allein erziehende Mütter, fremdgehende Männer und komplizierte Verwandtschaften. Doch im Vordergrund steht der Konflikt der beiden Mütter um die korrekte Erziehung ihrer Töchter. Die beiden Familien könnten nicht verschiedener sein: Michèle, allein erziehende Mutter, die in den Tag hinein lebt, all ihr Geld verspielt und ihrer Tochter sehr viel Spielraum lässt. Auf der anderen Seite Janine, mit scheinbar perfekter Familie, die immer alles kontrollieren will, einen guten Job hat und Gabrielle regelrecht rumdiktiert.

"Wie kann ich eine gute Mutter sein?" Erziehung kann man nirgends lernen, man versucht es nach Wissen und Gewissen so gut wie möglich hinzukriegen. Man versucht sich an die Fehler der eigenen Eltern zu erinnern, um nicht dieselben bei den eigenen Kindern zu machen. Dafür macht man andere Fehler. Soll man viel Freiraum lassen und auf das Vertrauen zählen oder ist vollständige Kontrolle doch die bessere Variante? Es gibt bei beiden Versionen Vor- und Nachteile, daher wird es wohl auch nie die ideale Lösung in der Frage der Erziehung geben.

Die Männer kommen im Film gar nicht gut weg: Sie lassen junge Mütter stehen um eine neue Familie zu gründen, machen Mädchen mit Drogen willig und betrügen ihre Familie mit einer anderen Frau. Die Vaterfigur scheint für die Regisseurin und Drehbuchautorin Louise Archambault in der Erziehung eines Kindes eine untergeordnete Rolle zu spielen. Ausser dass sich die Kinder freuen, wenn sie ab und zu Daddy sehen, sieht man von der männlichen Seite her eigentlich nur Schlechtes. Es bleibt zu hoffen, dass es in Kanada auch noch vernünftige Männer gibt.

Die Kinder ihrerseits sehen in den verschiedenen Erziehungsmethoden eine Chance und tauschen Erfahrungen aus, im ersten Moment zum grossen Ärger ihrer Mütter. Diese müssen dann auch mal merken, dass sie ihre Kinder nicht nach dem Idealbild in ihrem Kopf heranzüchten können. Früher oder später entwickelt jedes Kind seine eigene, individuelle Meinung und will dass diese respektiert wird. Schliesslich macht genau diese Tatsache die Individualität von uns Menschen aus.

Ein sehr interessanter Film, der die Erziehungsproblematik auf den Punkt bringt. Ein schwieriges und sehr ernst zu nehmendes Problem wird dem Zuschauer anschaulich und auf eine unterhaltende Art und Weise dargestellt. Das ist natürlich auch den glanzvollen Leistungen der Schauspielerinnen anzurechnen. Halt schade, dass die Männer so schlecht abschneiden.

5.2 Sterne
5.2 Sterne (4 Bewertungen) | 1 Kommentar

5.55.5
10.08.2005 / pj