The Exorcism of Emily Rose (2005)
Der Exorzismus von Emily Rose
The Exorcism of Emily Rose (2005) Der Exorzismus von Emily Rose
Oder: Auf Teufel komm raus amerikanisiert
Im tiefsten Bibelgürtel der USA ging eine Teufelsaustreibung an der Studentin Emily Rose (Jennifer Carpenter) schief. Für den Tod der jungen Frau muss sich der Priester Richard Moore (Tom Wilkinson) vor Gericht verantworten. Die Diözese wünscht sich Staranwältin Erin Bruner (Laura Linney) als Verteidigerin. Bruner willigt ein, obwohl sie als Agnostikerin nicht an Gott und Teufel glaubt. Sie weiss aber, dass sie nach dem erfolgreichen Prozess endlich Partner in ihrer Kanzlei werden wird.
Vor Gericht wir Emilys Fall wieder aufgerollt. Die Staatsanwaltschaft unter der Leitung von Ethan Thomas (Cambell Scott) will mit verschiedenen Fachleuten den Beweis erbringen, dass Emily an Epilepsie erkrankt ist und eine medizinische Behandlung sie hätte heilen können. Bruner hingegen ist seit dem Prozess selber mit dunklen Mächten konfrontiert und muss einen Weg finden, die Existenz des "Bösen", an das Emily und ihr Pfarrer glaubten, auch der Jury zweifelsfrei vermitteln zu können.
Kinofilm-Rating
The Exorcism of Emily Rose kam in den USA nicht an Halloween in die Kinos. Der Grund könnte darin liegen, dass es nicht einfach ein weiterer Teenie-Schocker ist, sondern ein Gerichtsfilm mit einer reiferen Anwältin im Zentrum. Auf die Schockmomente muss deshalb nicht verzichtet werden. In Rückblenden sieht Emily Rose schreckliche Fratzen, liegt verkrüppelt rum und flucht auf lateinisch, deutsch und aramäisch. Aber eigentlich dreht sich der Film um den ewigen Kampf vom Glauben gegen die Wissenschaft.
Basierend auf einer realen Begebenheit, die sich in Deutschland in den Siebziger Jahren abgespielt hat, stehen sich vor Gericht zwei Darstellungsweisen des Falls gegenüber: Die rationale psychologische Deutung und die Deutung einer damönischen Besessenheit. Ziemlich alle Argumente für und wider, die auch den echten Todesfall als Theorien begleiteten, werden vorgetragen. Gewohnt hervorragend verkörpert Laura Linney die ehrgeizige Verteidigerin. Campbell Scott als unterkühlter juristischer Gegner und Tom Wilkinson als standhaft überzeugter Geistlicher stehen ihr schauspielerisch in nichts nach. Es wird faktisch korrekt argumentiert und auf juristische Gepflogenheiten wertgelegt. Der Film ist so um Nüchternheit bemüht, dass sogar Linneys Kostüme nur in verschiedenen Grautönen gehalten werden dürfen. Alles deutet darauf hin, dass man einen Film für ein intelligentes, erwachsenes Publikum machen will.
Dieses Vorhaben beisst sich aber mit dem Vorgehen. Zwar wird vor dem Film darauf verzichtet, ein "Based on a true Story" einzublenden. Die Website zum Film schwafelt aber trotzdem bedrohlich von der Möglichkeit, dass ein Mädchen wie Emily Rose auch deine Schwester oder Nachbarin sein könnte. Nichts gegen eine Amerikanisierung eines interessanten Stoffes. "Der Exorzismus der Anneliese Michel" wäre als Titel sicher weniger geeignet gewesen, auch wenn er den Namen der Betroffenen wahrheitsgetreu wiedergegeben hätte. Dieser Film verkauft sein Publikum aber für blöd, indem er am Ende sogar mit Texttafeln über den weiteren Lebensverlauf seiner fiktiven Figuren informiert, als ob es sich um ein Biopic handeln würde.
Als Anschauungsmaterial für Exorzismus-Freaks eignet sich The Exorcism of Emily Rose allemal. Jennifer Carpenter ist eine coole Besessene und mit der Verschiebung der Geisterstunde um drei Stunden, gibt's sogar noch die eine oder andere Neuigkeit in einem thematisch doch ziemlich ausgelaugten Genre. Die Szenen vor Gericht werden reine Horrorfreaks wohl eher abtörnen. Mal sehen was der Deutsche Hans-Christian Schmid aus dem Stoff machen wird. Sein Film Requiem, der auch auf dem Fall der Anneliese Michel basiert, kommt 2006 in die Kinos. Und zwar schon im Frühling und sicher nicht an Halloween.
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