Infos zu Exit (2005)
Exit heisst der Dokumentarfilm von Fernand Melgar, der von der gleichnamigen Organisation erzählt, die Menschen Freitodhilfe anbietet. Auf der Homepage von der Organisation wird Hermann Hesse zitiert: "Was den freiwilligen Tod betrifft: Ich sehe in ihm weder eine Sünde noch eine Feigheit. Aber ich halte den Gedanken, dass dieser Ausweg uns offen steht, für eine gute Hilfe im Bestehen des Lebens und all seiner Bedrängnisse."
Die gesamte Inhaltsangabe aufklappen
Ist die Wahl unseres Todes nicht unsere allerletzte Freiheit? Diese Frage stellen sich die Begleiter und Begleiterinnen in dem zum besten Dokumentarfilm des Jahres gekrönten Schweizerfilm. Sterbehilfe zu leisten bedeutet für die Begleitpersonen zuhören, am Bett von todkranken Menschen sitzen und wenn die Zeit dazu gekommen ist, den Todestrank mischen. Die Protagonisten des Films sind Freiwillige, die zwei bis zu sechs Patienten parallel auf ihrem Weg begleiten.

Im Film lernen wir eine Patientin im mittleren Alter kennen, ihr Ausdruck ist der einer alten Frau, ihr Körper fühle sich auch so an, berichtet sie. Sie sei fest entschlossen ihrem Leben ein Ende zu bereiten. Die Schmerzen sind unerträglich, ihre Krankheit unheilbar. Die Richtlinien für Sterbehilfe sind streng. Geduldig werden die Regeln am Infotelefon von Exit immer wieder erklärt. Eine Frau fleht im Off um Hilfe, ihr Selbstmordversuch sei misslungen, sie leide seit Jahren an schwersten Depressionen. Mit bestimmter Stimme erklärt die Exit-Frau am Telefon, dass ihr bei einer psychischen Krankheit auf gar keinen Fall geholfen werden kann. Die Finger der Frau zittern leicht, sie legt den Hörer auf und hebt ihn sofort wieder ab beim nächsten Klingezeichen. Eine Stimme bitte um Unterlagen. Er sei todkrank und bald bereit zu sterben. "Ob er Mitglied sei?" erkundigt sich die Frau. Exit, 1980 in der Westschweiz gegründet, zählt heute 10'000 Mitglieder im Alter von 21 bis 103 Jahren.

Ein junger Mann erklärt in Anwesenheit seiner Mutter, dass er nie im Leben Selbstmord begehen könnte. Klar, hätte er genügend Schmerzmittel und Medikamente zu Hause, doch das würde er seiner Mutter nie antun. Nach langen Gesprächen seien sie beide nun aber bereit für den Freitod durch Exit. Eine andere Patientin muss vor ihrer Erlösung einen Brief von Exit selber verfassen. Der Brief muss abgeschrieben werden, auch wenn ihre Finger so schwach sind, dass das Schreiben mehrmals unterbrochen werden muss, und jeder Strich eine unglaubliche Anstrengung bedeutet. Doch die Frau ist überzeugt. Mit Humor erkämpft sie sich ihr Ticket in den Tod. Geduldig sitzt eine unserer Protagonistinnen daneben und macht auf das nicht korrekt geschriebene "R" aufmerksam. Sie sei bis zu ihrer Pensionierung Lehrerin gewesen und habe gewisse Angewohnheiten nie abgelegt. Sie lacht und sitzt geduldig weitere Stunden neben der Patientin.
Schnitt. Der Nebel verhüllt die Landschaft und zwei Gestalten, die auf der Suche nach der Sonne sind. Es ist dieselbe Sterbebegleiterin, die wir neben Sterbebetten und beim Abhören ihres Telefonbeantworters, der voll von lebensmüden Klagen ist, kennen gelernt haben. Sie wird begleitet von einer Frau, die diese Volontierarbeit noch nicht lange macht. Die beiden spazieren durch die gespenstige Landschaft und reden über Leben und Tod, über Fragen der Patienten und eigene Zweifel.
Die Kamera folgt ihnen, überholt sie und verliert sie plötzlich fast ganz im Nebel. Diese Szene verleiht dem Film eine wunderbare Stimmung. Nach den bewegten Einstellungen in den Zimmern der Kranken, die nach Verständnis und Zustimmung der Begleiterinnen verlangen, wird hier der Rhythmus gebrochen und wir tauchen in die Gefühlswelt der zwei lebensfrohen Frauen ein.
Eine dritte Bildebene bereichert den Film. Plötzlich sind wir in den Räumen der Generalversammlung von Exit, in Komitee- und Vorstandssitzungen. Hier wird dem Zuschauer bewusst gemacht, wie beschränkt die Möglichkeiten von Exit sind durch die wenigen Freiwilligen. Die Diskussion über das Trinkrohr, welches die Einnahme des tödlichen Giftes erleichtern sollte, zeigt auf eine witzige Art die Probleme und Schwierigkeiten der Technik auf.
Eine Szene in Japan erweitert den kulturellen und moralischen Horizont. Hier wird die Offenheit des Schweizer Gesetzes neidisch bestaunt.
Text: OutNow.CH (romana)
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Film-Infos
Englischer Titel: Exit: The Right to Die
Drehort: Schweiz 2005
Genre: Dokumentation
Laufzeit: 75 Minuten
Kinostart: 09.02.2006
Verleih: JMH Productions
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