Everything Is Illuminated (2005)
Everything Is Illuminated (2005)
Oder: Frodo goes Ukraine
Jonathan (Elijah Wood) ist Jude. Ausserdem ist er Vegetarier, hat Angst vor Hunden und hat immer ein Plastiksäcklein dabei, mit dem er diverse Gegenstände sammeln kann. Diese Sammlungen sind schon fast fanatisch und haben meist mit seiner eigenen Familie zu tun. Man weiss ja schliesslich nie, wann man irgendwas mal wieder braucht. Als seine Oma stirbt, wird er von ihr, vor ihrem Ableben versteht sich, in die Ukraine geschickt, um den Wurzeln der Familie auf den Grund zu gehen und die Frau zu finden, die damals im Krieg seinen Grossvater gerettet hat.
Der junge Mann im Anzug und mit starker Brille macht sich also auf ins Land des Unbekannten, wo er auf Alex (Eugene Hutz) trifft, der ihm als Dolmetscher und Fremdenführer helfen soll, Antworten auf so viele Fragen zu finden. Alex ist sehr angetan von der amerikanischen Lebensweise, vergöttert Michael Jackson und mag Hip-Hop. Ausserdem hat er viele Fragen, bezüglich dem Leben in den Vereinigten Staaten.
Zusammen mit Alex' Grossvater, der vorgibt blind zu sein, aber dann doch mit dem Auto fährt und dessen "Seeing Eye Bitch" (aka. Blindenhund) macht sich das ungleiche Trio auf, ein Land zu befahren, das sogar den Einheimischen fremd ist. Auf der Suche nach der eigenen Vergangenheit entwickelt sich eine Reise, die keiner dieser Personen je vergessen wird und die vor Skurrilitiät, besonderen und neuen Eindrücken und gesellschaftlichen Gegensätzen nur so strotzt.
Als das Ziel, ein kleines Ort im Nirgendwo, erreicht wird, müssen alle feststellen, dass die jeweils eigene Vergangenheit viel mehr mit derjenigen der anderen Reisegenossen gemein hat, als man das je annehmen konnte.
Kinofilm-Rating
Everything is illuminated ist ein Film voller Poesie. Mit nostalgischen, manchmal melancholischen Landschaftsbildern, originalgetreuer Musik und nicht zu letzt authentisch wirkenden Schauspielern schafft der Film eine Atmosphäre und Frische, die man selten im Kino erlebt. Zwar verlangt der Film mit seinen langen Einstellungen und dialoglosen Sequenzen einiges an Geduld vom Publikum, doch hat man sich einmal auf die Erzählung eingelassen, eröffnet sie sich einem in ihrer ganzen Schönheit. Unbeschreiblich, wie erfüllend etwa die endlosen Sonnenblumenfelder aus den Weiten der Ukraine wirken, nachdem sich die krude Truppe durch die Provinz gekämpft hat. Bevor dieser endlich die "Illumination" widerfährt und sich ihnen die Klärung der Vergangenheit offenbart, erleben die drei Männer und ihr geistig behinderter Hund eine beinahe traumartig erlebte Odyssee. Sie stossen auf aggressive Bauarbeiter, einen ukrainischen Geissenpeter und auf viel Verständnislosigkeit gegenüber Vegetariern. Immer spielt der Film dabei gekonnt mit Klischees und Erwartungen, wobei es ihm stets gelingt, aufs Neue zu überraschen.
Auch das Aufeinandertreffen von dem westlichen Publikum grösstenteils unbekannten Schauspielern aus der Ukraine mit einer Grösse wie Elijah Wood gibt dem Film eine besonders herzliche Note. Die konsequente Zweisprachigkeit des Films und den daraus resultierenden witzigen Verständigungsproblemen machen den Film authentisch und bilden einen schönen Kontrast zur Verträumtheit des Films. Genau diese Mischung ist es auch, welche der äusserst sentimentalen Geschichte oftmals hilft, nicht in kitschige Gefilde abzudriften. Und auch wenn ihr das nicht immer gelingt und der Mond ein paar Mal zu oft über die Leinwand wandert - bei Liev Schreibers Werk handelt es sich um einen grossartigen Film, der wunderbar zur fantastischen Kulisse der Biennale passt.
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4.8 Sterne (46 Bewertungen) | 2 Kommentare



