L'Enfant (2005)
L'Enfant (2005)
Oder: Baby's Day Out
Bruno (Jérémie Renier) und seine Freundin Sonia (Déborah François) sind soeben Eltern geworden. Das blutjunge Paar lebt von der Wohlfahrt und hält sich mit Kleinkriminalität über Wasser. "Geld muss man nicht horten, es findet sich immer wieder neues", ist die Devise des 20-Jährigen. Er sendet Halbwüchsige aus, die für ihn stehlen und vermietet auch mal seine Wohnung für eine Woche, um an Bares zu kommen. Dass sein Zweitdomizil, ein Container am Fluss, nicht unbedingt der beste Ort für ein Neugeborenes sein kann, merkt er nicht. Mit seinem Sohn Jimmy ist er überfordert. Als sich die Möglichkeit gibt, ihn gegen Geld zur Adoption freizugeben, denkt er nicht lange nach. Ein neues Kind ist schnell gezeugt, versucht er Sonia zu überzeugen. Doch seine Freundin erleidet einen Schock und benachrichtigt im Spital die Polizei...
Kinofilm-Rating
Die Belgier Jean Pierre und Luc Dardenne drehten ihre letzten vier Filme vor ihrer Haustüre in der Kleinstadt Seraing. Sie kennen die Gegend gut und casten oft ortsansässige Laien. Authentizität ist ihnen das wichtigste. Sie erreichen diese mit Tricks, lassen die Schauspieler so lange proben, dass sie zu müde werden für ihre Mätzchen. Musik kommt in ihren Filmen nur vor, wenn auch in der Handlung ein Radio läuft. Ihre Geschichten handeln von Aussenseitern und spielen überall und nirgends in der westlichen Industriegesellschaft.
Mit L'Enfant gewannen die Brüder schon zum zweiten Mal die goldene Palme von Cannes. Das passiert selten und ist ein Beweis dafür, dass sich die Dardennes auf der Höhe ihres Könnens befinden. Michael Hanekes Caché - ein anderer hochgelobter Film anlässlich der diesjährigen Festivals in Südfrankreich, der ohne Musik auskam - schafft es nie, die selbe intensive Suspense zu erzeugen wie L'Enfant. Im Bangen um das Baby schnürt es einem mehrmals den Hals zu. Kleinste Details wie das Zubereiten eines Instant-Kaffees kreieren eine packende Glaubhaftigkeit. Wenn sich Jérémie Renier und Deborah François auf der Leinwand knuddeln, nimmt man ihnen die Verliebtheit ab. Es leuchten aber gleichzeitig auch die Warnlampen: Diese jungen Eltern sind ja selber noch Kinder.
L'Enfant ist ein Film, der all die lobenden Worte auf seinem Flugblatt auch verdient hat. "Meister des minimalistischen Realismus". "Intensiv und überwältigend". Beides kann man ohne weiters so stehen lassen. Sogar die Caritas Zürich hat sich bereit erklärt, im Umfeld dieses Filmes zu werben.
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4.6 Sterne (20 Bewertungen) | 2 Kommentare


