Edmond (2005)

Edmond (2005)

Oder: Get IN or get OUT!

Edmond

Verführung pur

Edmond Burke (William H. Macy) mag nicht mehr. Zu lange hat er ein eintöniges Leben gelebt, sich Gesetzen unterworfen und seiner Frau was vorgespielt. Überhaupt, die zieht ihn schon seit langem weder intellektuell noch sexuell so richtig an. Und ihr gehts wohl genau so. Drum zieht Edmond einen finalen Strich. Er wirft seiner Frau seine Gefühlslage an den Kopf und macht sich auf ins Nachtleben von Los Angeles. Eine Wahrsagerin legt ihm die Karten und lässt ihn mit wunderlichen Worten wie "You're not where you belong" verwirrt zurück.

In einer Bar trifft er einen scheinbar Gleichgesinnten. Der gibt ihm einen ziemlich guten Rat: "You have to get laid". Edmond nimmt sich das zu Herzen und will eine Frau poppen. Endlich frei sein und machen was er will. Doch bereits im ersten Schuppen gibts Probleme. Die dort arbeitende Dame (Denise Richards) verlangt einen Drink, der viel zu viel kostet. Edmond weigert sich bei diesem Machtspielchen mit zu mischen und fliegt raus. Der Preis für Sex ist nicht verhandelbar.

Edmond

Wie geht die Denkerpose nochmal?

Auch beim nächsten Etablissement hauts nicht hin. Die Stripperin (Bai Ling) macht ihn zwar heiss, will ihn aber nicht körperlich erleichtern. Ausserdem will sie ihm das Retourgeld nicht geben. Das kanns doch nicht sein. Edmond sucht weiter und landet in einem Club für Gentlemen. Allerdings läufts auch mit der Dame dort (Mena Suvari) ein bisschen verkehrt. Als Edmond dann auch noch ausgeraubt wird, hat er definitiv die Schnauze voll.

In einem Pfandladen versetzt er seinen Ehering, um Geld für eine Nutte zu kriegen. Doch als sein Blick auf ein Messer mit Schlagring-Griff fällt, weiss er, dass so etwas bei seiner Suche nach Freiheit und Selbstbehauptung viel nützlicher sein kann. Und Edmond hat noch einiges vor. In dieser Nacht in Los Angeles.


Kinofilm-Rating

Basierend auf einem Ein-Akter der Theaterwelt, hat sich Regisseur Stuart Gordon einen Schauspieler für die Rolle des Edmond geschnappt, der besser nicht passen könnte. Das Allerweltsgesicht William H. Macy, der mit Filmen wie Fargo oder Boogie Nights zum Kultstar avancierte, passt perfekt in die Rolle des eigentlich anständigen Mannes, dem eine Mischung zwischen American Psycho und Falling Down widerfährt.

Der Anfang macht Angst. Und zwar in dem Sinn, dass es gemächlich zu und her geht. Es ertönen Jazzklänge, die Neonlichter leuchten und man befürchtet einen langwierigen, tiefsinnigen und den Intellekt fordernden Film vor sich zu haben. Glücklicherweise ändert sich das Bild jedoch sofort, als die Figuren ihre Plätze einnehmen. William H. Macy reisst diesen Film an sich und steuert ihn zielsicher durch die Geschichte, die eigentlich gar keine richtige ist. Ein Mann sucht seine Bestimmung in einer Nacht, in der er auf diverse Arten der käuflichen Liebe stösst. Ende.

Neben dem wirklich genialen Hauptdarsteller tummelt sich eine Vielzahl von bekannten Namen in Edmond. Denise Richards (Starship Troopers), Mena Suvari (American Beauty) oder Julia Stiles (The Bourne Identity) versuchen alles in ihrer Macht stehende, unseren Edmond zu beglücken. Und sogar der Re-Animator und Star Trek-Dauergast Jeffrey Combs mischelt mit. Klasse Cast.

Fazit: Edmond ist ein kleiner, erstaunlich kurzer (knapp 80 Minuten), aber herrlich hinterfragender Film geworden, der sich damit beschäftigt, was denn eigentlich mit einem Menschen passieren kann, wenn er einfach genug hat vom stieren Leben. Der Ausbruch der Figur, die gewonnene Freiheit mit der er nichts anzufangen weiss und die sich ändernden Machtverhältnisse führen zu einem schönen Ende, das überrascht und ein sich Gedanken machendes Publikum zurücklässt. Ein wahrer Geheimtipp, dieser Edmond.

4.4 Sterne
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09.02.2007 / muri