Dreamer: Inspired by a true Story (2005)

Dreamer - Ein Traum wird wahr

Dreamer: Inspired by a true Story (2005) Dreamer - Ein Traum wird wahr

Oder: Rivalen der Rennbahn Reloaded

Dreamer: Inspired by a true Story

Da häng ich nun...

Ausgerechnet an jenem Tag als Ben (Kurt Russell) seine kleine Tochter Cale (Dakota Fanning) zum ersten Mal an ein Pferderennen mitnimmt, passiert das Unglück: Die Stute Soñador, eben noch an zweitvorderster Stelle im Rennen, überschlägt sich und bleibt mit gebrochenem Bein auf der Bahn liegen. Das Pferd soll noch an Ort und Stelle eingeschläfert werden. Ben wehrt sich dagegen und kann das Pferd retten, verliert dafür aber seinen Job als Rennpferdetrainer.

Dreamer: Inspired by a true Story

Ätsch! Unser Pferd ...

Vater und Tochter nehmen das verletzte Tier mit auf den heimatlichen Hof, um es dort gesund zu pflegen. Das Anwesen der Cranes war einst ein stolzes Vollblüter-Gestüt, doch die Stallungen stehen - sehr zu Cales bedauern - seit Jahren leer. Umso glücklicher ist das Mädchen darüber, dass mit Soñador nun endlich wieder ein Vierbeiner auf der Farm eingezogen ist. Unter der fürsorglichen Pflege von Vater und Tochter erholt sich die Stute zusehends.

Dreamer: Inspired by a true Story

... war schneller als euer lahmer Gaul!

Während für Cale mit dem Einzug des Pferdes eine überglückliche Zeit angebrochen ist, kämpft ihr Vater mit Geldsorgen; der Verlust seiner Stelle belastet die onehin schon prekäre finanzielle Lage der Familie schwer. Als sich zeigt, dass Soñador vollkommen genesen und fit ist, beschliessen Ben und Cale, die Stute wieder auf die Rennbahn zu schicken. Geht es nach Cale, soll es aber nicht einfach irgendein Rennen sein, sondern der renommierte Breeder's Cup, bei dem nur die allerbesten Pferde mitlaufen dürfen.

Cale nimmt mit Feuereifer das Trainig der Stute auf. Doch Ben weiss, dass ihnen neben der schwierigen Qualifikation auch noch eine andere Hürde bevorsteht: Das Startgeld für das Rennen beträgt 120'000 Dollar...


Kinofilm-Rating

Um mit dem Positiven einzusteigen: Dreamer: Inspired by a true Story ist ein Segen für alle besorgten Mamis und Papis, die einen Kinobesuch mit ihren Jüngsten planen. Der Film hält, was er verspricht und bietet eine zu hundert Prozent kind- und familiengerechte Story: keine Gewalt, keine Kraftausdrücke, kein Sex, unverdächtige Hauptdarsteller, eine klare Trennung von Gut und Böse sowie eine leicht erkennbare, positiv-orientierte Moral von der Geschicht': Hab' Vertrauen und das Gute wird siegen! Dazu ein hübsches Pferd im Mittelpunkt. Ein porentief reiner Familienfilm, den man seinen kleinen Sprösslingen gefahrlos vorsetzen kann.

Ausser den Jüngsten wird allerdings kaum jemand an John Gatins' Dreamer viel Gefallen finden. Kein Wunder: Der Film ist furchtbar steril, ohne jedwelche Ecken und Kanten und in etwa so anspruchsvoll wie ein Wendy-Comic. Die Geschichte folgt dem Schema "Familienfilm" in beängstigender Präzision und reiht die einzelnen Bausteine (die Guten, die Bösen, das Unrecht der Bösen an den Guten, die letzte grosse Hürde vor dem Happy-End, das Happy-End) brav aneinander. Das Resultat ist entsprechend stereotyp und geradezu unglaublich hervorsehbar. Und eine Story, die in leicht veränderter Form schon tausend Mal gezeigt wurde, lockt nun halt wirklich niemand mehr hinter dem Ofen hervor.

Zwei kleine Highlights gibt es immerhin dennoch: Das ist zum einen Dakota Fanning (War of the Worlds), deren wuschelköpfige, entschlossene Cale man einfach liebhaben muss. Zum anderen ist es Freddy Rodriguez (demnächst in Poseidon), der den dickbäuchigen Jockey Manolin zu einem sympathischen, freundlichen Tolpatsch macht. Fanning und Rodriguez sind es, die auch dem über zwölfjährigen Zuschauer wenigstens ein paar wenige witzige Momente bescheren und dem Film etwas Charme verleihen. Daneben bleibt der Routinier Kurt Russell (Vanilla Sky) vollkommen farblos, von seiner Filmgattin Elisabeth Shue (Mysterious Skin) ganz zu schweigen.

Die "wahre Geschichte", worauf der Film gemäss Untertitel basiert, ist übrigens jene der Stute "Mariah's Storm". Das vielversprechende Jungpferd brach sich 1993 in einem Rennen das Bein - und feierte entgegen allen Erwartungen ein Jahr später ein phänomenales Comeback. Regisseur und Drehbuchautor John Gatins, bis anhin vorrangig für Drehbücher im Bereich Basketball (Coach Carter) und Baseball (Hardball) zuständig, war davon so beeindruckt, dass er sich entschloss, eine Pferdegeschichte zu schreiben. Das Presseheft zitiert ihn mit der Äusserung: "Ich scherze immer, dass diesem Film sehr umfangreiche Recherchen vorangegangen sind, weil ich seit so vielen Jahren ein grosser Fan von Pferderennen bin". Der Witz sitzt, wenn auch ungewollt: In Sachen Recherchen zum Thema Pferd wurde bei Dreamer nämlich wirklich einiges verpasst - oder man wollte die Kenntnisse einfach nicht umsetzen. Tatsache ist:

Als Pferdefilm ist Dreamer einfach Quatsch. Dass gewisse Details vollkommen uneralistisch sind - beispielsweise die vom Film vorgeschlagene Therapie, ein Pferd liegenderweise in eine achtstündige Vollnarkose zu versetzen und dannach wochenlang ein Meter über dem Boden schweben zu lassen; eine Rosskur, die in der Realität kaum ein Pferd überstehen wird - mag ja noch angehen und stört vermutlich nur jene, die sich mit der Materie etwas eingehender befasst haben. Die total vermenschlichte Darstellung des Vierbeiners (apportiert Gegenstände, frisst Kuchen, teilt seinem Trainer mit, dass es unbedingt das Rennen laufen will etc.) nervt aber unglaublich. Bezeichnenderweise wurden gemäss Presseheft für die Dreharbeiten denn auch sage und schreibe sieben (!) Tiere gebraucht, um die Stute Soñador mit all ihren Tricks und Fähigkeiten darzustellen. Witziges Detail: Die drei zur Hauptsache eingesetzten Pferde waren alles männliche Tiere...

So ist John Gatins' Pferde- und Familiengeschichte insgesamt eine herzlich uninspirierende Angelegenheit und in gewissen Belangen fast schon ärgerlich (siehe vorangehender Abschnitt). Der Film mag eine gewisse Berechtigung als Hochglanz-Familienfilm haben, kann ausserhalb dieser Zielgruppe aufgrund seiner vorhersehbaren, sterilen Geschichte aber kaum jemandem empfohlen werden. Schade.

2.9 Sterne
2.9 Sterne (13 Bewertungen) | 8 Kommentare

2.5 Sterne2.5 von 0.0-6.0
30.03.2006 / rs