Don't Come Knocking (2005)
Don't Come Knocking (2005)
Oder: Herr Sutter jagt den Coward Howard
Ein Western soll gedreht werden, aber der Hauptdarsteller Howard (Sam Shepard) ist unauffindbar. Die Hauptdarstellerin fährt dem Regisseur an den Karren, dass sie nicht mehr mit einem Stand-In spielen will, und die Herren von der Versicherung toben, weil die Kosten für den Dreh in jedem Fall gedeckt werden müssen. Der überperfekte Kopfgeldjäger Sutter (Tim Roth) wird deshalb damit beauftragt, den flüchtigen Schauspieler ausfindig zu machen.
Zur selben Zeit stirbt die Mutter der jungen Sky (Sarah Polley). Sie lässt ihre Mutter kremieren und trägt sie fortan in einer blauen Urne an den Ort ihrer letzten Bestimmung.
Howard ist unterdessen schon ziemlich weit auf seiner Flucht. Zuerst zu Pferd dann im Mietauto und zum Schluss per Überlandbus, gelangt er bis nach Las Vegas zu seiner Mutter (Eva Marie-Saint), die er schon seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Bei ihr sinniert er über dem Ordner mit den gesammelten Zeitungsschnipseln über sein Leben, das von Frauengeschichten und Drogen geprägt war. Nach einer durchzechten Nacht in den Casinos, die mit einer Verhaftung endet, erzählt ihm seine Mutter von einem Kind, das Howard vor langer Zeit gezeugt haben soll. Howard denkt zu wissen, wer die Mutter sein könnte und macht sich im Cadillac seines Vaters auf ins Städtchen Butte in Montana. Im M&M Café trifft Howard auf seine längst verflossene Liebe Doreen (Jessica Lange) mit ihrem singenden Sohn Earl (Gabriel Mann). Auch Sky hat sich in Butte eingefunden...
Kinofilm-Rating
Mehrmals hat Wim Wenders bei seinem Aufenthalt in Locarno betont, dass es sich bei Don't come knocking um einen deutschen Film handelt. Eine seltsame Aussage zu einem Film über den uramerikanischsten aller Berufe, den des Westernhelden. Noch dazu wenn der amerikanische Westen so eingefangen wird, als sei er heute noch wild. Eine bunte Gegend mit klaren Farben. Wäre Wenders zu meiner Primarlehrerin ins Zeichnen gegangen, wäre er für Don't Come Knocking geradewegs vor die Tür gesetzt worden. Sie war immer dagegen, die Farben direkt aus dem Malkasten zu nehmen. Aber genau so kräftig leuchtet die Szenerie in diesem Film. Die gestochen scharfen Cinemascope-Bilder gehören zu den Stärken des Films. Sogar einem debil blinkenden Lichtermeer eines Casinos in Las Vegas kann Wenders was Schönes abgewinnen.
Die absurde Flucht vom Set und das Dasein von Sam Shepard als Filmstar, der, wo immer er auftaucht, von Groupies umschwärmt wird, kontrastiert wunderbar mit Tim Roths verkniffenem Kopfgeldjäger. Sie sind die beiden witzigen Männerfiguren im Film, der mit Gabriel Mann auch eine unsäglich dämliche Darstellung eines Mannes anzubieten hat. Die Hosen an haben aber in Don't come knocking sowieso die Frauen. Man muss einfach darüber hinwegsehen, dass Jessica Lange ein bisschen zu geliftet aussieht, für eine abgehalfterte Servierdüse aus Montana und Sarah Polley, so sehr ich sie mag, etwas mondkalbhaft mit ihrer toten Mutter in der Urne unter dem Arm durch den Film stolziert. Aber sie sagen den Männern schlussendlich, wo's langgeht. Schön für einen Regisseur, der sich selber nicht als "Frauen"-Regisseur bezeichen will. Ein klassischer Autorenfilmer ist Wender aber ohne Zweifel. Und darin liegt auch das grosse Problem bei Don't come knocking. Nach dem wirklich flotten Beginn, wird's gegen Ende, wenn sich der Antiheld Howard seiner Vergangenheit stellt, immer zähflüssiger.
Vergleiche mit Paris Texas, dem Gewinner der Goldenen Palme im Cannes aus dem Jahre 1984 müssen anderswo gegooglet werden. Dem Vernehmen nach sollen Ähnlichkeiten zu diesem Film bestehen, bei dem Wim Wenders schon einmal mit Sam Shepard zusammengearbeitet hat. OutNow.CH ist für diesen Film leider zu jung.
![]()
4.5 Sterne (25 Bewertungen) | 6 Kommentare



