The Descent (2005)
Abgrund des Grauens
The Descent (2005) Abgrund des Grauens
Oder: von Tief unten komm ich her
Jährlich trifft sich eine Gruppe von Frauen, um aus dem Alltag auszubrechen. Dann werden Aktiv-Ferien gemacht und der Gruppenzusammenhalt wird auf die Probe gestellt. Letztes Jahr raftete man einen River hinunter und hatte riesigen Spass. Sarah (Shauna Macdonald) wurde sogar von ihrer Tochter und dem Ehemann begleitet. Auf dem Weg zurück ins Hotel ereignete sich allerdings ein schrecklicher Unfall, bei dem die Tochter ums Leben kam. Und das hat Sarah auch ein Jahr später keineswegs verdaut.
Ein Jahr später. Die Frauen treffen sich in den Appalachen im Norden der USA, am Arsch der Welt, in einem kleinen Häuschen. Dieses Mal soll eine Höhle erforscht werden, um einerseits Sarah von ihrem Schmerz abzulenken und andererseits die Gruppe wieder auf das Freundschaftslevel von anno dazumal zu bringen. Juno (Nathalie Mendoza) übernimmt die Führung, organisiert die Route und scheint auch so die Tätschmeisterin der Gruppe zu sein.
Der Abstieg beginnt und bald merken die Frauen, dass sie keineswegs in der geplanten Höhle sind, sondern dass Juno eine neuen, bisher unerforschte Tiefe ausgesucht hat, um mit ihren Freundinnen auf Erkundungstour zu gehen. Neben all dem Zickenkrieg, den Anschuldigungen und den Versuchen, die schmerzliche Vergangenheit hinter sich zu lassen, bricht auch noch der Stollen zusammen, durch den sie gekrochen sind. Auf der Suche nach einem anderen Ausweg aus der Höhle merken die Frauen, dass sie nicht alleine sind. Irgendetwas ist da unten, und es fühlt sich durch die Präsenz der Menschen-Gruppe gestört. Und das macht es nur noch wütender...
Kinofilm-Rating
Eine Gruppe Frauen in der Dunkelheit. In einer Höhle, in ders kein natürliches Licht gibt, die Gänge eng sind und wo so ziemlich alles passieren kann. Eigentlich eine Ausgangslage, die wie geschaffen ist, für einen Schocker. Und das The Descent auf dieser Schiene fährt, konnte man im Vorfeld bereits erfahren und das wurde auch durch den Trailer bestätigt. Nur, wie soll man Horror auf engem Raum während knapp 100 Minuten spannend halten? Na, genau so, wie sich The Descent präsentiert. Spannend, dreckig, blutig und herrlich gruslig.
Nachdem der erste und verdammt in die Glieder fahrende Schockeffekt vorüber ist und die Geschichte langsam Fahrt aufnimmt, dauerts eine geschlagene Stunde, bis man die, anfänglich von mir fälschlicherweise als lächerlich abgestufte, Bedrohung zu Gesicht bekommt. Und diese lässt so manch anderes Schreckgespenst schon nach wenigen Sekunden wie Kindergartenzeugs aussehen. Aber eben, bis es dann wirklich mal heftig deftig losgeht und man vor Schrecken kaum mehr wagt, in die Popcorntüte zu greifen, vergehen lange Minuten, in denen versucht wird, die Charaktere ein bisschen zu beschreiben. Ist zwar nett gemeint, interessiert aber eigentlich hier nur am Rand.
Die Gruppe setzt sich dennoch aus Charakteren der typischen Sorte zusammen. Eine rebellische Frau mit Punkfrisur, ein Alpha-Tier, ein paar verschupfte Fräuleins und eine von einem Trauma geplagte Frau, die im Lauf des Films ihre Scheu, Angst und ihren Ekel ablegt und das Heft selber in die Hand nimmt.
Die Effekte beschränken sich hauptsächlich auf Aufnahmen der Bedrohung, auf Kampfszenen und eine schöne und umso gefährlichere Höhle. Natürlich ist der abstehende Knochen am Bein nicht zu vergessen, aber das wäre dann wieder zuviel verraten... Aber diese Gefahr, die da auf die Frauen zukommt, hats in sich. Perfekt der dunklen und nassen Umgebung angepasst, taucht sie meist dann auf, wenn man sie (natürlich) am wenigsten erwartet. Aber auch hier, keinen Trailer gucken, keine Kritiken lesen, sondern einfach ins Kino huschen und frisch fröhlich in die Hosen machen. Don't panic, you're not alone.
Fazit: The Descent, das in der deutschen Version den unsäglichen Videotheken-Titel Abgrund des Grauens trägt, braucht eine Weile, bis die Action richtig losgeht. Aber dann heissts "Gute Nacht regelmässiger und ruhiger Herzschlag". Dann wird gekreischt (von den Frauen im Film und dem Publikum im Saal), gejault und gezittert, dass der durchschnittliche Horrorfilmgucker sich wünscht, doch lieber nochmals Mein Name ist Eugen zu gucken, der grad im Kino nebenan läuft. Aber zu spät. Es gibt kein Entkommen mehr. Denn spätestens wenn der Film aus ist und man zitternd und schweissgebadet aus dem Sitz steigt, ist man sich sicher, einen richtig guten, spannenden und blutigen Horrorfilm gesehen zu haben.
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