Derailed (2005)
Entgleist
Derailed (2005) Entgleist
Oder: Drei ist einer zuviel
Stell dir vor, du sitzt im Zug zur Arbeit und der Kontrolleur kommt. Erst jetzt merkst du, dass du dein Portemonnaie nicht dabei hast und somit das Ticket nicht lösen konntest, geschweige denn, die Busse zahlen. Da meldet sich eine hübsche Frau mit schönen Beinen, die ein paar Reihen weiter vorne sitzt und bietet an, dir das Ticket zu zahlen. Die macht das nicht nur aus purer Freundlichkeit, oder? Die will dich ins Bett kriegen!
Genau so was passiert Charles Schine (Clive Owen), der gerade eine harte Zeit durchmacht. In seiner Ehe ist Eiszeit, seine Tochter ist schwer krank und im Job als Werbetexter wurde ihm grad ein grosser Kunde entzogen. Da sind solche Momente im Zug Balsam für die Seele. Vor allem, wenn sich die Schöne als Lucinda (Jennifer Aniston) heraustellt, die einem Schäferstündchen nicht abgeneigt ist. So machts auf alle Fälle den Eindruck.
Die Beiden treffen sich häufiger und es kommt, wies kommen muss. Eines Abends (beide melden sich via Telefon mit Ausreden von Zuhause ab) gehts ins Hotelzimmer und dort soll der Lust freien Lauf gelassen werden. Dumm nur, dass, kaum haben die Schlabbereien und Fummeleien richtig begonnen, ein Mann mit Pistole im Zimmer steht. Dieser Fremde (Vincent Cassel) schnappt sich Charles' Geld, schlägt ihn nieder und vergewaltigt Lucinda.
Als beide Opfer wieder bei Sinnen sind, scheint der Gang zur Polizei logisch. Lucinda allerdings will das nicht. Ein Auffliegen des Schäferstündchens hätte unweigerlich die Scheidung von ihrem Mann und den Verlust ihrer Tochter zur Folge. Und das will sie um alles in der Welt verhindern. Als sich Charles zu dieser Variante überreden lässt, klingelt das Telefon. Der Gangster ist dran! Er will Geld. Viel Geld, sonst gehts Charles' Familie an den Kragen.
DVD-Rating
Jennifer Aniston war nicht nur die Ehefrau von Brad Pitt, sondern natürlich auch "Rachel" bei den Friends. Ausserdem durfte sie in ihren ersten Schritten auf der Grossleinwand neben Jim Carrey (Bruce Almighty) oder Ben Stiller (Along came Polly) in komödiantischen Versuchen ihr Glück probieren. Dass sie jetzt mit Derailed weg von dieser Sparte und in Richtung Thriller geht, muss ihr hoch angerechnet werden. Denn man kriegt nicht nur die reifste Leistung der Guten zu sehen, sondern auch einen überraschend starken Film.
Knapp 40 Millionen Dollar konnte die Geschichte einspielen, die so verrucht beginnt und sich zu einem variablen Thriller entwickelt. Man mag sich selbst auch mal soviel Glück wünschen, wie es Clive Owen in den Anfangsminuten im Zug hat, würde diesen Wunsch aber spätestens dann zurücknehmen, wenn das Vorzeige-Ekel Vincent Cassel einem die Knarre an die Schläfe drückt. Was dann passiert, scheint mitten aus dem Leben gegriffen zu sein. Die bösen Buben sind dem armen Familienvater stets einen Schritt voraus und auch dessen Kumpel, natürlich mit einschlägiger Knast-Erfahrung, kommt an seine Grenzen.
Unglücklicherweise wird die Auflösung, die erstaunlicherweise für mich sehr überraschend war, relativ früh präsentiert, was dem Ganzen ein bisschen den Schwung aus den letzten Filmminuten nimmt. Und genau hier liegt die grosse Schwäche von Derailed. Würde der Film nicht so aufgelöst, wie es der Fall ist, hätte die Grundspannung bis am Schluss gehalten. Aber irgendeinen Haken muss das Teil ja auch haben, oder?
Clive Owen verkörpert seinen Durchschnittstypen ordentlich und gut. Aus ihm hätte ein guter James Bond werden können. Jennifer Aniston als schöne Sirene überzeugt mit ihrer bisher reifsten Leistung. Leider wird sie gegen Ende ein bisschen in den Hintergrund gedrängt, macht aber somit Platz für den eigentlichen Star des Films. Vincent Cassel ist eklig, brutal und ein richtiges Arschloch. Im Film notabene. Er verkörpert den Gangster überzeugend und seine Mischung aus Arroganz und animalistischem Tun passt hervorragend. Sogar die beiden Rapper Xzibit und RZA passen in ihren jeweiligen Rollen gut hinein.
Fazit: Derailed mag nicht der grosse Wurf in den Kinos gewesen sein, entpuppt sich aber als Überraschung. Die Figuren sind gut gespielt, die Geschichte macht Sinn und die Spannung mag sich bis fast am Ende aufrecht halten. Wirklich eine gelungene Sache.
Ein kurzes und werbetechnisch aufgemotztes Making-Of lässt die Extras beginnen. Jeder kommt zu Wort, jeder lobt jeden und überhaupt, der Film sei ja soo cool. Die drei Szenen, die es nicht in den finalen Film geschafft haben, sind insofern interessant, als dass der Zuschauer noch ein bisschen mehr Hintergrund über die Figuren geliefert bekommt. Der obligate Trailer macht den Abschluss der Extras. Der Originalton ist sauber und klar, das Bild hingegen ein bisschen düster. Was jedoch super zum Film passt.
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4.2 Sterne (44 Bewertungen) | 8 Kommentare
DVD-Infos
DVD erschienen am 26.06.2006
- Bildformat: 1.85:1 (16:9)
- Sprachen: Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1), Türkisch (DD 2.0), Italienisch (DD 5.1)
- Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Englisch, Italienisch, Türkisch, uvm.
- Extras: Making-Of, Deleted Scenes, Trailer



