Dear Wendy (2005)
Dear Wendy (2005)
Oder: Blue Steel auf Dänisch
Dick (Jamie Bell) lebt in einem langweiligen Städtchen, dessen einzige Bestimmung das örtliche Bergwerk ist. Auch Dick soll dort mit seinem Vater arbeiten. Mehr als Lift runter, Lift rauf schafft der Eigenbrödler allerdings nicht. Sein trübes Leben ändert sich erst, als er in einem alten Spielzeuggeschäft einen Revolver ersteht, als Geschenk für den Neffen der Hazshälterin gedacht. Die findet das Geschenk allerdings Klasse, deshalb beschenkt Dick das Geburtstagskind mit einem Buch in dem 20 Seiten fehlen.
Mit einem Arbeitskollegen, Dick arbeitet inzwischen im Supermarkt, entdeckt er, dass das vermeintliche Spielzeug eine echte Waffe ist. In einem verlassenen Bergwerksstollen probieren sie den kleinen Revolver aus. Beides Pazifisten, wie sie sagen, beginnt damit eine sonderliche Leidenschaft. Sie geben ihren Waffen Namen und gründen mit anderen Stadtloosern den Dandy-Club, dessen wichtigste Regel es ist, die Waffe zu tauschen und sie nie in der Öffentlichkeit zu zeigen und zu gebrauchen. Bald befinden sie sich aber in einem Dilemma, das Konsequenzen mit sich bringt.
DVD-Rating
Ich bin kein Dogma-Fan. Die Masche ist für mich eine intellektuell geadelte PR-Maschine - zugegebenermassen sehr geschickt eingefädelt. Mit Dear Wendy brechen Lars von Trier und Thomas Vinterberg ihre Regeln, ein Grund also sich den Film anzuschauen (hey, die Jungs können mehr als nur mit der Kamera wackeln!). Und da der Film selber davon handelt, Regeln zu brechen, macht es die Ausgangslage nicht uninteressant.
Die Waffe als Selbstverwirklichung und Gerät, das Macht und Selbstbewusstsein mit sich bringt. Für viele Amis ist ihr Firearm wie eine erweiterte Gliedmasse, ein dritter Arm, Papa Schweizer stellt die Armee-Waffe zuhause in den Schlafzimmerschrank (es ist übrigens eine Regel, diese nie in der Öffentlichkeit zu benutzen...). Was passiert wenn eigenwillige und intelligente Stadtlooser sich mit ihren Guns anfreunden, ihnen Namen verpassen und eine Gruppe bilden, die strammen und nicht einhaltbaren Regeln aus einem eigentlich unscheinbaren Grund gebrochen werden, zeigen die dänischen Filmemacher Vinterberg und von Trier (danke für den Erzlangweiliger Dogville) in ihrem kultigen Film Dear Wendy.
An den Kinokassen scheiterte der Film - die Thematik und die Mischung aus Blue Steel, Bowling for Columbine und A Clockwork Orange wurde ganz bestimmt falsch aufgenommen - aber diese interessante, beachtlich umgesetzte Studie hat mehr drauf als nur Moralapostel oder Verherrlichungskritik zu sein. Der Film, mit einem exzellenten Jungcast und dem prächtig aufgelegten Bill Pullman toll besetzt, wurde und wird weiterhin missverstanden werden. Mir haben die knapp 100 Minuten gut gefallen und ich denke, für einmal, die Botschaft des Films, so wie es die Autoren möchten, aufgeschnappt zu haben.
Die Extras: Wer mit obigem, letztem Statement nicht zurechtkommt, sollte sich auf alle Fälle das enthaltene Interview mit Lars von Trier und Thomas Vinterberg ansehen. Das zusätzliche Making Of funktionierte bei mir nur halb. 1. ist das falsche Bildformat enthalten und 2. kann man keine Untertitel einblenden. Mein Dänisch ist allzu mangelhaft um mitzuhalten...Das Bild ist recht gut transferiert, die Farben sind manchmal knallig, manchmal gedämpft. In einigen der dunklen Szenen ist eine etwas erhöhte Körnigkeit festzustellen.
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3.4 Sterne (18 Bewertungen) | 0 Kommentare
DVD-Infos
DVD erschienen am 17.07.2006
- Bildformat: 1.78:1 (16:9)
- Sprachen: Deutsch, Englisch (DD 5.1, DD 2.0)
- Untertitel: Deutsch, Englisch
- Extras: Interview mit von Trier und Vinterbert; Making Of.



