Tim Burton's Corpse Bride (2005)
Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche
Tim Burton's Corpse Bride (2005) Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche
Oder: Totgesagte leben länger
Um den gesellschaftlichen Aufstieg zu schaffen, ist den Eltern von Viktor (Johnny Depp) alles recht. Sogar die Heirat ihres Sohnes mit einer Braut, die er nicht kennt und deren Vorteil hauptsächlich darin besteht, Tochter angesehener Bürger zu sein. Diese wiederum stimmen der Hochzeit zu, weil sie selber am Hungertuch nagen und mit dieser Verbindung eine Mitgift erwarten, die sie aus den finanziellen Nöten rettet. Viktor und Victoria (Emily Watson) treffen sich zum ersten Mal, sind sich sympathisch und die Frage ob es Liebe auf den ersten Blick gibt, wird von beiden genüsslich demonstriert.
Allerdings ist Viktor nicht der Geschickteste. Bei der Hauptprobe zur Hochzeit vergisst er seine Verse, kippt den Wein aus und macht auch sonst einen schusseligen Eindruck. Die Eltern sind empört, die Schande entsprechend gross. Viktor wird vom Pfarrer (herrlich gesprochen von Christopher Lee) weg geschickt, um seine Verse zu proben und endlich Konzentration zu finden. Im Wald, alleine im Schnee, wird Viktor klar, dass er Victoria wirklich liebt und sie heiraten will. Drum übt er angestrengt und zum grossen Finale legt er den Ring über einen morschen Ast.
Dass dieser Ast ein Finger einer längst Verstorbenen war und das diese Corpse Bride ( Helena Bonham Carter) sich nun als Viktors Braut ansieht (immerhin hat er ihr einen Ring übergestreift), konnte der schlacksige Mann natürlich nicht ahnen. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass er sich nun zwischen der Welt der Lebenden und derjenigen der Verstorbenen hin und her bewegen muss, um schlussendlich seine Victoria doch noch ehelichen zu können. Dumm nur, dass die Leichenbraut darauf besteht, dass das Bündnis der Beiden bis in alle Ewigkeit dauern soll...
Kinofilm-Rating
Das warten hat ein Ende. Und - oh danke, ehrwürdiger Tim Burton - es hat sich wahrhaftig gelohnt. Wie erwartet, ist Corpse Bride ein getreuer und würdiger Nachfolger von Filmen wie The Nightmare before Christmas oder dem Kurzfilm Vincent. Schon in den ersten paar Minuten wird klar, wie viel Liebe und Sorgfalt im Film steckt, denn die Schaffer ziehen alle Register: Sowohl bei der wilden, von Raben begleiteten Kamerafahrt durch das düstere Städtchen als auch bei der Einführung der einzelnen Protagonisten ist alles bis ins letzte Detail komponiert. Die Figuren haben - oft wunderbar passend zum Charakter - alle ihren ganz individuellen Stil, etwa, was Bewegung oder Haltung betrifft. Weiter zeigen diese sehr bald, dass sich die Geschichte nicht hinter der Optik verstecken muss. Sie birgt zwar nicht viel Neues, doch vermischt sie Altbewährtes zu einem zuckersüssen Märchen, hauptsächlich basierend auf einer russisch-jüdischen Fabel.
Natürlich gibt's auch einige Elemente, an denen sich die Geister scheiden werden. Vor allem an den Musicaleinlagen, von bluesigen Skelettsongs bis zu einem quasi aufs Klavier übertragenen Dialog ist fast alles dabei, aber auch an den absolut skurrilen Charakteren der Unter- und Oberwelt werden sicherlich nicht alle Gefallen finden. Vergleicht man den Film jedoch mit den jüngsten Werken von Disney & Co., so ist Burton der Gewinner auf der ganzen Linie: Seine urkomische Handschrift, u.a. die dünnen Giacometti-Figuren, die spiralförmigen Verkrümmungen und der pechschwarze Humor, haben nach gut zwanzig Jahren eine Reife erreicht, die ihresgleichen sucht und alle Altersgruppen zu vergnügen weiss. Stilsicher lotsten uns Burton und seine Komparsen durch dunkle Wälder und verwinkelte Gässchen, stets untermalt von schaurig schöner Musik.
Einzig und allein die Abkehr von der klassischen Stop Motion hin zum vermehrten Einsatz von weniger aufwendigen CGIs mögen alt eingesessene Trickfilmfans ein wenig enttäuschen. Glücklicherweise ist der Unterschied jedoch dermassen schwer erkennbar geworden, dass die neue Technik auf wundersame Weise mit der alt bewährten verschmilzt und ein völlig neues Kinoerlebnis ermöglicht. Tim Burton, in den letzten Jahren produktiver denn je, hat den Sprung ins neue Jahrhundert folglich mit Bravour geschafft und ist mehr denn je pure Magie.
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4.8 Sterne (103 Bewertungen) | 24 Kommentare



