Tim Burton's Corpse Bride (2005)

Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche

Tim Burton's Corpse Bride (2005) Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche

Oder: Morbides für die Ewigkeit?

Tim Burton's Corpse Bride

The Ring of Doom

Um den gesellschaftlichen Aufstieg zu schaffen, ist den Eltern von Viktor (Johnny Depp) alles recht. Sogar die Heirat ihres Sohnes mit einer Braut, die er nicht kennt und deren Vorteil hauptsächlich darin besteht, Tochter angesehener Bürger zu sein. Diese wiederum stimmen der Hochzeit zu, weil sie selber am Hungertuch nagen und mit dieser Verbindung eine Mitgift erwarten, die sie aus den finanziellen Nöten rettet. Viktor und Victoria (Emily Watson) treffen sich zum ersten Mal, sind sich sympathisch und die Frage ob es Liebe auf den ersten Blick gibt, wird von beiden genüsslich demonstriert.

Allerdings ist Viktor nicht der Geschickteste. Bei der Hauptprobe zur Hochzeit vergisst er seine Verse, kippt den Wein aus und macht auch sonst einen schusseligen Eindruck. Die Eltern sind empört, die Schande entsprechend gross. Viktor wird vom Pfarrer (herrlich gesprochen von Christopher Lee) weg geschickt, um seine Verse zu proben und endlich Konzentration zu finden. Im Wald, alleine im Schnee, wird Viktor klar, dass er Victoria wirklich liebt und sie heiraten will. Drum übt er angestrengt und zum grossen Finale legt er den Ring über einen morschen Ast.

Tim Burton's Corpse Bride

er liebt mich, er liebt mich nicht, er liebt mich....

Dass dieser Ast ein Finger einer längst Verstorbenen war und das diese Corpse Bride ( Helena Bonham Carter) sich nun als Viktors Braut ansieht (immerhin hat er ihr einen Ring übergestreift), konnte der schlacksige Mann natürlich nicht ahnen. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass er sich nun zwischen der Welt der Lebenden und derjenigen der Verstorbenen hin und her bewegen muss, um schlussendlich seine Victoria doch noch ehelichen zu können. Dumm nur, dass die Leichenbraut darauf besteht, dass das Bündnis der Beiden bis in alle Ewigkeit dauern soll...


DVD-Rating

1993 schaffte der ehemalige Disney-Zeichner Tim Burton ein Kunststück. Seine Affinität zum Morbiden wurde in eine Stop'n'Go-Version gepackt, als Trickfilm auf den Markt gebracht und hatte in Nightmare before Christmas einen Heidenerfolg an den Kinokassen. Damals ging es um Halloweenkreaturen, die sich Weihnachten unter den Nagel reissen und dem eigentlichen Fest der Liebe einen ganz eigenen Touch gaben. Die Vorliebe für die Untoten ist Tim Burton natürlich geblieben. Und bei seinem zweiten Ausflug in die Trickwelt setzt er da an, wo er bei Jack Skellington aufgehört hat. Corpse Bride ist morbides Unterhaltungskino, bei dem man auf alles gefasst sein muss.

Die Geschichte des unglücklichen Viktors und seiner toten Braut soll ja auf einem alten Märchen basieren, dass mir leider unbekannt ist, aber als Film prächtig funktioniert. Die vielen toten Gestalten, die Wortwitze, die skurrilen Nebenfiguren (die Made im Kopf, das alte Skelett mit Geissenbärtchen) und die hervorragenden Sprecher machen aus Corpse Bride einen etwas "anderen" Trickfilm, an dem es allerdings einiges zu bemängeln gibt.

Bei solchen Animationen sind Songs immer eine gerngesehene Abwechslung. Wenn nicht vom Publikum, dann wenigstens in den Augen der Macher. Hier sind die Lieder allerdings erstaunlich und enttäuschend lahm. Denn nicht nur fehlt der Song zum Mitsummen nach dem Ende des Films, sondern auch die fetzigen Nummern, bei denen der Fuss wippt. Ausserdem bringen die musikalischen Ergüsse weder die Story weiter, noch die Figuren näher. Und ein paar Skelette rumhüpfen sehen, ist sicher einmal lustig. Aber dann hat es sich aus getanzt.

Johnny Depp, seines Zeichens Lieblingsschauspieler von Regisseur Tim Burton, wurde schon während den Dreharbeiten ihres gemeinsamen Projektes Charlie and the Chocolatefactory bekniet, doch bitte die Hauptstimme in Corpse Bride zu sprechen. Dass die beiden Projekte schlussendlich parallel zueinander gedreht wurden, konnte er damals noch nicht ahnen, löste aber beide Aufgaben mit Bravour. Seine stimmlichen Partner sind ebenso optimal zu den Figuren gecastet und haben unter anderem mit Christopher Lee, dem Grossmeister unter den Bösewichten und hier als Pfarrer zu hören, oder des Regisseurs Muse Helena Bonham Carter Starcharakter.

Fazit: Corpse Bride ist durchaus lustig, erfrischend morbide, aber leider nur begrenzt unterhaltend. Durch die nicht vorhandene Qualität der Songs sinkt leider auch der Gesamteindruck des Films und somit schafft er es bei weitem nicht auf den gleichen Level wie Nightmare before Christmas. Wer allerdings auf die hier angewendete Stop'n'Go-Motion-Technik steht, der dürfte ohne grosse Bedenken zugreifen. Auch wenn es andere Titel gibt, die mehr unterhalten.

Wie immer bei Animationsfilmen aller Art, besteht ein Grossteil des Bonusmaterials aus Berichten über die Dreharbeiten, die Schwierigkeiten und die Machart eines solchen Filmes. Corpse Bride will da keine Ausnahme sein und bietet Features über die Animatoren, die Stimmen der Figuren, die "Belebung" selbiger und natürlich die Musik. Hier erzählt uns Komponist Danny Elfman, wie die Arbeiten mit Orchester vom Start bis zum fertigen Film so waren. Ebenfalls hat man die Gelegenheit, den kompletten Film nur mit der musikalischen Untermalung zu sehen (oder besser: zu hören). Ausserdem erzählt uns Tim Burton jede Menge Details aus seinem persönlichen Blickwinkel und einzelne Szenen werden mit Splitscreen gezeigt, in dem rechts unten die Filmszene läuft und links oben der (oder die) Sprecher zu sehen sind, wie sie den Figuren ihre Stimme leihen. Eine Produktionsgalerie und der offizielle Trailer zum Film runden das ansprechende Angebot an Bonusmaterial ab, das, wie es sich für einen Animationsfilm gehört, durchaus spannend und interessant daherkommt.

4.8 Sterne 4.0 Sterne
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3.5 Sterne3.5 von 0.0-6.0
11.04.2006 / muri


DVD-Infos

DVD erschienen am 10.03.2006

  • Bildformat: 1.85:1 (16:9)
  • Sprachen: Deutsch (Dolby 5.1), Englisch (Dolby 5.1)
  • Untertitel: Deutsch, Englisch, Niederländisch, Portugiesisch, Dänisch, Norwegisch, uvm.
  • Extras: Zwischen den Welten, Danny Elfmans Musik, Die Animatoren, Tim Burton, Die Stimmen, Die Puppen werden zum Leben erweckt, Demonstration der Stimmen, Fotogallerie, Trailer

Tim Burton's Corpse Bride (2005)
Bewertung: 4.8 (103 Bewertungen)
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