The Cinderella Man (2005)
The Cinderella Man (2005)
Oder: Das Comeback
Jim Braddock (Russell Crowe) ist ein mittelmässiger Boxer, der häufig verletzt ist, dafür aber gute Nehmerqualitäten aufweist, sprich ohne mit der Wimper zu zucken Schläge einsteckt. Seine Geliebte Mae Braddock (Renée Zellweger) ist zwar alles andere als begeistert, dass ihr Mann sich im Ring prügelt, aber immerhin verdient er so mehr als ein normaler Arbeiter. Trotzdem könnte Mae nie bei einem Boxkampf zuschauen. Sie würde viel zu fest leiden.
Nur, als New Jersey anfangs der Dreissiger Jahre von der grossen Wirtschaftskrise erfasst wird, verliert Jim Braddock sein ganzes Vermögen. Die Familie ist pleite. Nun beginnt ein Existenzkampf. Die Milch wird knapp, der Strom wird abgestellt, und die Mäuler der hungrigen Kinder müssen gestopft werden. Also muss Jim einfach mehr boxen. Doch seine Hand ist immer noch verletzt. Er will trotzdem kämpfen. Prompt endet ein Fight ohne Wertung. Das Publikum tobt, verlangt den Eintritt zurück, und Jim verliert seine Boxerlizenz.
Seine Depression wird dadurch immer schlimmer. Doch Jahre später darf Jim Braddock unverhofft wieder in den Ring - für einen einzigen Kampf, gegen die aktuelle Nummer zwei der Welt. Und siehe da, Jim gewinnt total überraschend den Kampf. Sein Manager Joe Gould (Paul Giamatti) riecht die Lunte, und verhilft Braddock wieder zur Lizenz. Und dieser Ire Braddock boxt fortan wie im Märchen, gewinnt und gewinnt. Doch der Erfolg hat auch Schattenseiten. Denn ein Kampf mit dem Champion Max Baer (Craig Bierko) scheint unausweichlich. Das Problem: Baer ist ein gnadenloser Schläger, welcher bereits zwei Sportler auf dem Gewissen hat...
Kinofilm-Rating
Russell Crowe, spätestens seit Gladiator jedem Kinogänger ein Begriff, spielt wieder einmal eine Rolle, die ihm auf dem Leib geschnitten ist: Der männlichen Held, der seine Familie über alles liebt, und sie um jeden Preis beschützen will. Nur in Cinderella Man ist Crowe nicht einfach Superman, der jeden Gegner und jede Übermacht besiegt. Nein, er spielt einen Boxer, der seine Karriere verpatzt hat, der all seine Ersparnisse am Börsencrash verloren hat und der nun mit aussichtslosen Jobs seine Familie über Wasser halten will. Da verzichtet er sogar manchmal auf die letzte Scheibe Aufschnitt. Jedenfalls muss der Regisseur Ron Howard schon während dem Drehbuch lesen an Russell Crowe gedacht haben. Vielleicht auch, weil Howard bereits in A Beautiful Mind mit Superstar Crowe zusammen gearbeitet hat.
Aber ein guter Regisseur und ein guter Schauspieler machen noch lange nicht einen guten Film. Deshalb war ich so positiv überrascht von Cinderella Man. Der Film überzeugt von A bis Z. Er hat keine Hänger, die Schauspieler sind bis in die Nebenrollen glänzend besetzt, die Dramaturgie stimmt. Kurz, der Film ist eine bis zwei Stufen besser als beispielsweise Ali.
Aber nicht nur Russell Crowe spielt seine Rolle glaubhaft, nein, auch seine Filmpartnerin Renée Zellweger löst bei dem Zuschauer eine seltene Reaktion aus. Emotionen. Der Film lebt eindeutig von der Chemie zwischen Crowe und Zellweger. Mir hat sie sogar die eine oder andere Träne abgerungen. Aber auch Paul Giamatti spielt grandios und ist das Eintrittsgeld bereits wert. Kommt hinzu, dass Howard den Spagat zwischen Handlung und Acion gefunden hat. Die Boxfights sind etwas vom Besten, das je auf Leinwand zu sehen war.
Dieser Film ist sowohl für Männlein und als auch für Weiblein ein Leckerbissen, ob die Oscarjury dies aber auch honoriert, steht in den Sternen. Giamatti, Zellweger oder Crowe hätten einen Darsteller-Oscar sicher verdient, Howard darf mit einem Regie-Goldmännchen liebäugeln, aber dass Cinderella Man auch bester Film wird, dies bezweifle ich. Denn Million Dollar Baby, Sieger im Jahre 2005, weist doch Parallelen zu Cinderella Man auf: Es dreht sich ebenfalls ums Boxen, der Athlet hat den Zenit überschritten und Irland ist ein wichtiger Faktor. Klar, Unterschiede gibt's schon, denn Maggie Fitzgerald, gespielt von Hilary Swank, ist natürlich genau genommen eine Athletin, und Clint Eastwood hatte in seinem Werk mehr Spielraum für Witz gelassen, aber die Juroren werden sich vielleicht sagen: "Ach, schon wieder ein Boxfilm." Dafür ein sehenswerter.
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4.6 Sterne (50 Bewertungen) | 13 Kommentare




