The Chumscrubber (2005)

Glück in kleinen Dosen

The Chumscrubber (2005) Glück in kleinen Dosen

Oder: Drogen sind schlimm Kinder, m'kay?!

The Chumscrubber

Da hat wohl jemand zu viele Red Bull-Werbespots geguckt.

Die Welt der kleinen Gemeinde, in der The Chumscrubber spielt, ist noch in Ordnung. Es gibt liebevolle Eltern, nette Kinder und vor jedem Haus befindet sich ein wunderschön getrimmter Rasen. Ein Quartier wie aus dem Märchenbuch. Doch die Idylle trügt: Bei genauerem Hinsehen zerfällt diese heile Welt sehr schnell. Die Erwachsenen sind selbstsüchtig und geben den inzwischen drogenabhängig gewordenen Jugendlichen keinen Halt mehr. Eines Tages bringt sich der Hauptdrogenlieferant der Jugendlichen, Troy (Josh Janowicz), um. Sein bester Freund Dean (Jamie Bell) findet ihn erhängt in seinem kleinen Haus. Dean wird durch dieses Ereignis völlig aus der Bahn geworfen, jedoch glaubt sein Vater ihn mit Pillen heilen zu können. Aber dies ist nur der Anfang.

The Chumscrubber

"Ich wusste es: Wasser ist nass."

Da Troy die meisten Jugendlichen mit Drogen versorgt hatte, sitzen diese nach dessen Tod auf dem Trockenen. Der brutale Billy (Justin Chatwin) glaubt, Dean erpressen zu können, damit dieser ihm Troys Restbestand an Drogen bringt. Deshalb entführt Billy mit seinem Kumpel Lee (Lou Taylor Pucci) und der schönen Crystal (Camille Belle) Deans kleinen Bruder. Nur zu dumm, dass sie dabei den falschen Jungen erwischen...


DVD-Rating

Ja, in der Vorstadt ist die Welt noch in Ordnung. Wer diesem Irrglauben immer noch verfallen ist, hat wohl noch nie American Beauty gesehen. Der mit 5 Oscars ausgezeichnete Film mit Kevin Spacey zeigte eine beschauliche Fassade, hinter der es geradezu brodelte. Dieser Film hat die Messlatte für sozialkritische Vorstadtfilme sehr hoch gelegt. The Chumscrubber von Regieneuling Arie Posin kommt zwar nicht an Sam Mendes' Werk heran, eignet sich aber hervorragend für einen bösen Sonntagnachmittagsfilm.

Die fehlende Kommunikation steht im Zentrum des Filmes. Dabei geht es nicht nur um die schlechte Kommunikation zwischen Eltern und Kindern, sondern um die die ganz allgemeine Kommunikation. Alle haben das perfekte Leben, haben ein solch tolles Haus und so ideale Freunde. Schwäche zeigen liegt da nicht drin. Zwar ist es etwas klischeehaft, dass die vernachlässigten Kinder in ihrer Situation sofort zu Drogen greifen, aber Posin macht kein Sozialdrama daraus. Er verkehrt den Drogenhandel geradezu ins Absurde. Wie bei den grossen "Helden" werden Leute entführt und Lösegelder verlangt. Die elterlichen Beschützer (und eigentlichen Vorbilder) nehmen ihre Kinder überhaupt nicht ernst, und so kommt es wie es kommen muss. Posin exerziert den Zerfall des schönen Lebens richtig böse durch und hat auch einen tollen Schlusspunkt parat.

Für ein Erstlingswerk ist es schon erstaunlich, was für ein Staraufgebot Posin zu bieten hat. Ein Ralph Fiennes erhält hier sogar weniger Leinwandpräsenz als ein Jamie Bell - doch am Ende muss man das Gesamtcast loben. Niemand spielt sich in den Vordergrund und jeder trägt seinen Teil zum Gelingen bei.

The Chumscrubber ist ein kleiner, böser Film geworden. Die Klasse eines American Beauty wird aber nicht erreicht, da die Geschehnisse ein paar Mal über das Ziel hinausschiessen. Insgesamt kann man The Chumscrubber jedoch als einen Geheimtipp bezeichnen, der es wirklich verdient hat, angesehen zu werden.

Bei der DVD, welche getestet wurde, fällt als erstes die Laufzeit auf. Auf der DVD-Hülle steht "ca. 111 min." auf dem Schuber steht "ca. 103 min." Die Angabe auf dem Schuber entspricht der Wahrheit. Das Bild ist die ganze Zeit über ein wenig unscharf und der Ton zeigt sich eher von seiner ruhigen Seite. Als Extras werden ein Audiokommentar von Regisseur Arie Posin geboten sowie zehn Deleted Scenes. Das 11-minütige Making-of wurde in englischer Sprache gedreht, jedoch haben die Deutschen über dieses Making-of einfach 'drübergesprochen'. Umschalten geht nicht. Der englische und der deutsche Trailer, sowie weitere Programmtipps, runden die DVD ab. Eine durchschnittliche DVD zu einem überdurchschnittlichen Film.

4.1 Sterne 1.8 Sterne
4.1 Sterne (13 Bewertungen) | 0 Kommentare

4.54.5
13.12.2009 / crs


DVD-Infos

DVD erschienen am 21.06.2007

  • Bildformat: 1:2.35 (16:9)
  • Sprachen: Deutsch, Englisch (DD 5.1)
  • Untertitel: Deutsch
  • Extras: Making of; Deleted/Extended Scenes; Audiokommentar von Regisser Arie Posin; Originaltrailer; Bildergalerie