The Chronicles of Narnia: The Lion, the Witch & the Wardrobe (2005)
Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia
The Chronicles of Narnia: The Lion, the Witch & the Wardrobe (2005) Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia

Ähnlich wie John Powell, so gehört auch Harry Gregson-Williams zu den ganz gross gehandelten neuen Filmmusikkomponisten in Hollywood. Beide Komponisten begannen ihre musikalische Kariere unter den Fittichen von Hollywood-Altmeister Hans Zimmer in seinem Media-Ventures-Studio. Gemeinsam fingen sie sich an mehr und mehr selbstständig zu machen. Zum ersten Mal sorgten sie für Furore mit ihrer komödiantischen Action-Musik zu Chicken Run. An den Erfolg anknüpfend, kollaborierten sie ein zweites mal für Dramworks' Shrek. Für die Fortsetzung, Shrek 2, zeichnete nur noch Harry Gregson-Williams verantwortlich. Seinen Status als alleinarbeitenden Komponisten festigte er mit breit gefächerten Kompositionen zu Spy Game, Sinbad: Legend of the Seven Seas und Man on Fire. 2005 erhielt er gleich für zwei Blockbuster-Favoriten den Auftrag, diese musikalisch abzurunden: Kingdom of Heaven und The Chronicles of Narnia: The Lion, the Witch and the Wardrobe. Die Produktion seines Narnia-Scores begann viel versprechend. So wurde relativ schnell im Internet darüber berichtet, dass er für die anstehenden Recording Sessions das Los Angeles Recording Arts Orchestra, 3 (!) Chöre und die Solovokalistin Lisbeth Scott (zuletzt war sie an der Seite von John Williams in Munich zu hören) aufbot um seine epische Orchestermusik einzuspielen. Was er mit den "Ressourcen" angestellt hat, hinterlässt jedoch einen etwas fahlen Nachgeschmack!
Das Album eröffnet mit "The Blitz, 1940" bedrohend und ominös. Er leitet dabei ein Thema ein, welches er, besonders in den Actionpassagen, immer wieder mal aufgreift. Mit "Evacuating London" steht uns ein erstes Highlight des Albums bevor. Nach feinem, von Klavier dominiertem, Einstieg übernehmen die Streicher und bauen das Stück dramatisch stetig auf. Ein abrupter Einbruch erfolgt und ein mit vielen Popelementen unterstützter Song wird eingeführt. Die dramatischen Streicher setzen im Hintergrund wieder ein und geben dem Song damit einen sehr schönen Effekt (auch ein klirrend-glitzriger Effekt erhält der Song durch Synthbeigaben). Eine ähnliche, von Popelementen durchzogene, Komposition finden wir in "From Western Woods to Beaversdam" wieder. In "The Wardrobe" hören zum ersten mal ein sehr emotionales Thema, gespielt auf Flöten (später auch auf dem Duduk), welches nochmals wiederholt wird vom Chor unterstützt mit Streicher. Das Stück endet etwas unpassend mit einem dramatischen Build-Up in den Streichern. In "A Narnia Lullaby" wird das Duduk imposant eingesetzt. Eine etwas gedrungene Melodie wird, durch ablösen des Duduk durch das Orchester, stetig und immer bedrohender Aufgebaut. Interessant hier, dass der, wenn auch kurze, Choreinsatz stark an Gregson-Williams Komposition für "Sirens" in Sinbad: Legend of the Seven Seas erinnert.
Das Problem des Scores setzt in der zweiten hälfte des Albums vermehrt ein, nämlich, weil hier längere Stücke präsentiert werden, dass es zu viele, eher wenig sagende, Under-Score-Momente gibt ("The White Witch" wie auch "Knighting Peter" und Teile aus "The Stone Table", welches kompositorisch immer wieder stark an Kingdom of Heaven erinnert). Der Score-Teil des Albums schliesst sehr eindrücklich mit "The Battle", welches statt laut und hektisch sehr episch und mit guter Chorarbeit aufwartet, und in "Only the Beginning of the Adventure" hören wir das, in "The Wardrobe" eingeführte traurig anmutende Thema noch mals in einer etwas hoffnungsvolleren, gelösteren Wiederholung.
Was noch folgt sind vier Songs. In Anbetracht dessen, dass für Narnia schon ein "Inspired by"-Album mit lauter Songs parallel veröffentlicht wurde, hätte man auf diese besser verzichtet und die übrige Spielzeit mit Harry Gregson-Williams' Score ersetzt. Dies hätte dann vielleicht auch den gewünschten Effekt gehabt, dem Score noch etwas mehr Einheit und grössere Entwicklungschancen zu geben. Denn dies vermisst man. Ähnlich wie bei Kingdom of Heaven, so hat auch diese Komposition jede Menge tolle Momente, aber diese wirken wie lose aneinandergereiht und nicht wirklich miteinander verknüpft. Ein Puzzle mit fehlenden Teilen!
Fazit: Mit seiner Komposition zum ersten Teil der Narnia-Saga liefert Harry Gregson-Williams sicherlich ein Werk ab, das über weite Teile hinweg überzeugen kann, aber Einheit und einen durchgehenden eigenen Charakter vermissen lässt. Im Vorfeld wurden extrem hohe Erwartungen an den Score gestellt. Dass diese nicht komplett erfüllt werden konnten überrascht daher wenig. Was jedoch nicht überraschend wäre, ist, wenn wir Harry Gresgon-Williams für die Teile 2 und 3 der Narnia-Saga ins wundersame Land von Narnia zurückkehren sehen würden. Und wer weiss, vielleicht kann er mit weiterreichenden Kompositionen seiner musikalischen Welt im 2. und 3. Teil auch etwas mehr Einheit erzeugen.
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