O Casamento de Romeu y Julieta (2005)

Romeo and Juliet get married

O Casamento de Romeu y Julieta (2005) Romeo and Juliet get married

Oder: Shakespeare im Fussballfieber

O Casamento de Romeu y Julieta

St. Patrick's Day

Der Jurist Alfredo (Luis Gustavo) aus Saõ Paolo liebt zwei Dinge abgöttisch: Den Fussballclub SE Palmeiras und seine einzige Tochter Juileta (Luana Piovani). Der Zufall wollte es, dass der weibliche Nachwuchs genau an dem Tag geboren wurde, an dem die Palmeirenses einen Meistertitel feierten. Kein Wunder sitzt auch Julieta immer in den grün-weissen Vereinsfarben im Stadion und wurde gleichzeitig die Starstürmerin der Frauschaft vom SE Palmeira. Sogar getauft wurde sie mit einer Verschmelzung zweier berühmter Kickernamen aus dem Lieblingsclub: Julinho und Echevarrieta.

Doch die unbedingte Hingabe zum Verein des Vaters bekommt einen Kratzer, als die Funktionäre die Frauenabteilung des Vereins schliessen wollen. Als sich Julieta in ihrer Wut am Auge verletzt, lernt sie den Augenarzt Romeu (Marco Ricca) kennen. Und der ist ausgerechnet ein Corinthiano, ein Fan des Erzrivalen SC Corinthians. Die beiden verlieben sich nicht zuletzt deshalb, weil ihr Romeu seine Leidenschaft für die Corinthianos verheimlicht. Doch als er wegen der grün-weissen Bettwäsche von Julieta mehrmals keinen hochbekommt, muss er ihr sein Dilemma beichten und Julieta löst die libidinösen Probleme mit einem Pariser aus dem Corinthians-Fan-Shop.

O Casamento de Romeu y Julieta

Er schaute ganz tief in die Augen

Den neuen Freund den Eltern vorzustellen, ist da schon ein bisschen schwieriger. Und auch Romeus Mutter droht mit der der Enterbung, wenn sich der Sohnemann im falschen Fanblock tummelt. Genau dies tut Romeu nun aber ständig, wenn er nicht gerade grün-weisses Fanwissen auswendig lernt oder mit Palmeiras Altstars diniert. Ja er muss sogar im Extra-Charter ans Weltpokalfinale nach Tokyo fliegen, damit der Schwiegervater in spe nichts merkt. Doch was macht man nicht alles, damit man seine Angebetete heiraten kann, oder klappt das mit der Hochzeit zwischen Romeu und Julieta am Ende doch nicht?


Kinofilm-Rating

Die Fussball-WM in Deutschland steht bevor, und alle wittern das grosse Geschäft mit der fussballaffinen Kundschaft. Vom Hamburger bis zur Topferde wird alles mit Tschutten in Verbindung gebracht. Auch Trigon-Film, der kleine Schweizer Verleih, der uns normalerweise Filme aus Ländern näher bringt, die es noch nie an eine WM-Endrunde schafften, forciert die Vorfreude und bringt eine Fussballfankomödie in die Schweizer Kinos. O casamento de Romeu y Julieta kommt aus dem Land des amtierende Fussballweltmeisters Brasilien und wurde dort interessanterweise von Buena Vista verliehen, einem US-Major mit dem der Trigon-Chef hierzulande den Ball überhaupt nicht auf demselben Spielfeld hat.

Der Titel verrät es von selbst. Der Shakespear'sche Konflikt der Montagues und Capulets aus dem Klassiker Romeo und Julia wird hier ins Fussballfanmileu übertragen. Geraten die Palmeirenses auf die Corinthianos werden bei der Balkonszene keine Rosen angebetet, sondern die Vereinsflagge gehisst. Regisseur Bruno Barreto will mit seinem ersten Film, den er seit 21 Jahren wieder in Brasilien dreht, die Leute zum Lachen bringen. Das gelingt. Gustavo als machtbewusster Advocato mit den italienischen Wurzeln poltert sich genüsslich zum Herzinfarkt und die wunderschöne Luana Piovani, die man schon in Omem que copiava bewundern konnte, gibt die Julieta naseweis und cool.

Dramaturgische Fragezeichen, warum der vierzigjährige Arzt, der blendend aussieht, nicht schon lange verheiratet ist, oder der Altersunterschied von zwanzig Jahren für Eltern anscheinend weniger ein Problem ist, als für welches Team das Herz des zukünftigen Schwiegersohns schlägt, sind offenbar kulturell bedingt. Das brasilianische Portugiesisch ist auf jeden Fall eine wunderschöne Sprache. Ausserdem hat die quirlige Farce Fan- und Fussballszenen (Originalspielzüge aus den 99er-Derbys der beiden Teams werden von den A-Junioren nachgespielt) so überzeugend eingefangen wie selten ein Fussballfilm zuvor.

4.2 Sterne
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06.04.2006 / rm