Capote (2005)

Capote (2005)

Oder: Wer ist hier kaltblütiger?

Capote

Nicht alkoholfreier Film!

November 1959 in Kansas. Eine wohlhabende Farmerfamilie, Vater, Mutter, Tochter und Sohn, werden ermordet in ihrem Haus aufgefunden. Sie wurden regelrecht exekutiert. Der Schriftsteller Truman Capote (Philip Seymour Hoffman) liest in der Zeitung von dem Vorfall und fährt zusammen mit seiner Kollegin Nelle Harper (Catherine Keener) nach Kansas um für einen möglichen Artikel Hintergrundmaterial zu sammeln. Noch sind die Mörder nicht gefasst und der kleine Ort hat sich mit dem schrecklichen Ereignis nicht abgefunden.

Capote

Von unten nach oben!

Als die beiden Täter schlussendlich gefasst und in Kansas vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt werden, nützt der schrullig-schräge Capote die Gelegenheit um mit einem der Gefangenen, Perry Smith (Clifton Collins jr.), Kontakt aufzunehmen. Er ist von Smith und seinem Lebensweg fasziniert und will anstatt des Artikels einen Roman basierend auf der ganzen Sache machen. Um an die Geschehnisse der Tatnacht zu gelangen, die bisher unbekannt blieben, gibt Capote vor, Smith ein guter Freund zu sein. Er versucht alles um die Hinrichtung hinauszuzögern, denn Capote hat seine Story, die er "In Cold Blood" nennen wird noch immer nicht zusammen. Langsam aber sicher zerbricht der Schriftsteller an seinen eigenen Plänen.


DVD-Rating

Capote ist eindrücklich. Eindrücklich weil er einen hochintelligenten Mann zeigt, der sich durch Geschehnisse, deren Ausgang ausser seiner Reichweite liegen, zu einem berechnenden Egoisten verkommen lässt, der alles daran setzt um den Stoff seines Lebens auf Papier zu bringen. Dass er schlussendlich daran scheitern und "In Cold Blood" sein letzter Roman sein wird, scheint ein konsequenter Ausgang zu sein. Irgendwie ein Abbild von uns allen, Achtung jetzt wird's psychologisch, die um ihre kleinen oder grösseren Ziele zu erreichen, den inneren Sauhund nach aussen kehren und fast alles erreichen, was sie wollen, auch wenn es jenseits der eigenen Moralvorstellung liegt.

Truman Capote war ein Tausendsassa, ein schräger Vogel mit enormer Präsenz. Trotz seiner Körpergrösse von 1.62 m, seiner hohen Stimme und seiner Art zu reden: Wenn Capote irgendwo auftauchte, dann war er der Mittelpunkt. Der Mittelpunkt ist er auch im Film von Bennett Miller, logo bei dem Titel...!

Miller konzentriert seinen Film um die Geschehnisse des vierfachen Mordes an der Farmerfamilie. Mit viel Ruhe, Platz für Dialoge und freiem Feld für grossartige Schauspielerleistungen, inszeniert Miller hier ein stimmiges aber auch hinterfragendes Bild. Mit kraftvollen Aufnahmen, in gräulich-braunen Tönen fast bleiern optisch die Schwierigkeit der Thematik unterstreichend und doch von interessanter Bildpräsenz (nicht nur ein Kunstfilm eben) in Widescreen-Format. Dazu die monoton passende Musik von Mychael Danna und nicht zuletzt die sackstarke, umwerfende und hingebungsvolle (mir gehen die Adjektive aus...) Leistung vom bisherigen Mr. Nebendarsteller Philip Seymour Hoffman - bei Chris Cooper schnalze ich eh nur noch mit der Zunge. Grosses, ganz grosses Filmschaffen!

Die Extras: Neben zwei separaten Audiokommentaren ist vor allen Dingen die leider allzu kurze Doku über Truman Capote bemerkenswert. Dann gibt es noch ein zweiteiliges Making Of, das zwar auch noch einige Einblicke zu dieser interessanten Person gewährt (vor allem von Beteiligten zum besten gegeben). Für mehr muss man sich wohl doch noch spezifisch umsehen, literarisch oder so - soll heissen: e bitzeli meh wär schon nicht schlecht gewesen. Der Bildtransfer ist ganz okay, einige Artefakte sind, erstaunlicherweise für dieses junge Filmmaterial, jedoch zu sehen. Die Tonspur bietet viel Dialog, klar, nur in ganz wenigen Momenten schallt und knallt es, dann aber äusserst effektiv.

4.5 Sterne 3.5 Sterne
4.5 Sterne (55 Bewertungen) | 0 Kommentare

6.0 Sterne6 von 0.0-6.0
31.08.2006 / pb


DVD-Infos

DVD erschienen am 17.08.2006

  • Bildformat: 2.35:1 (16:9 anamorph)
  • Sprachen: Deutsch, Englisch (DD 5.1)
  • Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch (Deutsch für Hörgeschädigte)
  • Extras: Audiokommentare; Kurzdoku über Truman Capote; zweiteiliges Making Of.