C.R.A.Z.Y. (2005)

C.R.A.Z.Y. - Verrücktes Leben

C.R.A.Z.Y. (2005) C.R.A.Z.Y. - Verrücktes Leben

Oder: Auf der Suche nach...

C.R.A.Z.Y.

Go schmaz go!

Ausgerechnet beim Weihnachtsfest 1960 erblickt der junge Zachary (Marc-André Grondin) in Québec das Licht der Welt. Für die fromme Mutter ist Zac mit einer besonderen Begabung gesegnet und auch der engstirnige Vater ist masslos stolz auf seinen schmucken Zögling.

Anfänglich geniesst Zac die idyllische Kindheit in der bürgerlichen Grossfamilie und seine Stellung als Vaters Liebling. Doch als Zacs Hormone verrückt zu spielen beginnen, geht der Vater auf Distanz. Die ständigen Konflikte mit den Eltern, die ersten Erfahrungen mit Liebe, Sex und Drogen machen sein Leben als Teenager zu einer emotionalen Achterbahnfahrt.

C.R.A.Z.Y.

Hast du gefurzt?

Zac träumt von Rebellion und Freiheit, inspiriert durch die Musik und das Lebensgefühl der 70er Jahre. Aber auch wenn er heimlich Joints raucht und mit Motorradtouren den Mädchen imponieren will, kämpft er vor allem darum, die Anerkennung seines Vaters zurückzuerobern. Immer wenn ihn die spiessige Umgebung zu erdrücken droht, flüchtet Zac in die Songs, die die Aufbruchsstimmung seiner Epoche einfangen: Pink Floyd, die Rolling Stones und vor allem der schillernde David Bowie werden Zacs ständige Begleiter.

Die Suche nach seinen echten Wünschen und Begierden führt sein Leben auf eine mystische Reise. Zac kehrt verändert zurück und findet - nach vielen Umwegen - schliesslich seinen eigenen Weg.


Kinofilm-Rating

"Als Zuschauer möchte ich gefangen genommen werden. Ich liebe es, wenn meine Vorahnungen zu Fall gebracht werden und ich in eine Spannung abtauchen kann. Ich will lachen, weinen, träumen - am besten alles auf einmal!"

Diese Ansprüche ans Kino formulierte Regisseur Jean-Marc Vallée (Loser Love, Los Locos) und verbreitet damit hohe Erwartungen an seinen neusten Film (10 kanadische Oscars u.a. für Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarsteller und Bestes Drehbuch).

Leider sind diese Ansprüche in C.R.A.Z.Y. nur bedingt erfüllt. Die Geschichte wirkt stellenweise reichlich konstruiert - Überraschungsmomente sind rar gesät. Die vier Kinder von Laurianne (Danielle Proulx) und Gervais (Michel Côté) sind allesamt ausgeprägte Stereotypen (Mädchenschwarm/Drogenkopf, Sportskanone, Bücherwurm und Nesthäkchen) und wirken schon deshalb uninteressant.

Anstelle von Empathie mit den Protagonisten, macht sich Langeweile breit. Die Konflikte sind zwar verständlich dargelegt und auch brisant, beispielsweise Zacs undurchschaubaren sexuellen Neigungen, aber der Funken springt irgendwie nicht so richtig. Da helfen auch die zahlreichen Anspielungen auf Ikonen wie Bruce Lee, Pink Floyd oder den Rolling Stones wenig weiter. Und David Bowie sieht man lieber in seinem Element wie bei den Kindern vom Bahnhof Zoo, als auf einer Fotographie an der Zimmertüre abgebildet. Das Gefühl von Freiheit und Rebellion kann der Film so nicht vermitteln.

Hingegen witzig in Erscheinung tritt Gervais als permanent angestrengt-männliches Familienoberhaupt mit seinem Hang zur Selbstdarstellung. Auch Zacs heimliche Schwäche für seine frühreife Cousine Brigitte ist erfrischend. Und nicht zuletzt wertet auch das versaute Québecische Französisch den Film akustisch auf.

4.4 Sterne
4.4 Sterne (22 Bewertungen) | 2 Kommentare

33
18.05.2006 / dom