The Brothers Grimm (2005)
Die Gebrüder Grimm
The Brothers Grimm (2005) Die Gebrüder Grimm
Oder: Ghostbusters, historisch belegt?
Anfang des 19. Jahrhunderts ziehen die beiden Brüder Will und Jake Grimm als Geisterjäger durch das von der Grande Nation besetze deutsche Reich. Sie befreien die von Angst erfüllten Dörfer von den verschiedensten Spukgestalten und verdienen damit gutes Geld. Ihren Erfolg haben sie jedoch nicht irgendwelchen exorzistischen Fähigkeiten zu verdanken, sondern viel mehr ihren zwei schrulligen Kumpels, die sich jeweils als Dämonen, Hexen oder sonstiges Blendwerk verkleiden, um den braven Bürgern graue Haare wachsen zu lassen.
Als der Herrscher von Frankreich, eine Mischung aus Louis XIV. und Napoleon, von ihrem Treiben Wind kriegt, schickt er die beiden als Alternative zur Todesstrafe ins Dörfchen Marbaden, wo sich seit einiger Zeit rätselhafte Ereignisse abspielen: Auf unerklärliche Weise verschwanden dort nämlich bereits mehrere Kinder im nahe gelegenen Wäldchen, wo es nach Meinung der Bewohner sowieso nicht mit rechten Dingen zu und her gehen soll. Will und Jake sollen die Hochstapler, die den verängstigten Marbadern weismachen wollen, dass sie es mit einem bösen Wolf, einem verwunschenen Wald und einer viel zu alten Königin zu tun haben, finden und zur Strecke bringen.
Doch anders als erwartet, handelt es sich bei der ganzen Sache um keinen faulen Zauber, sondern um waschechte Magie, weshalb die Grimms und ihre Begleiter bald einmal kalte Füsse bekommen...
DVD-Rating
Terry Gilliam ist von Hollywood nicht verwöhnt. Nicht nur, dass er gerne Budgets überzieht, nein, er bleibt auch hartnäckig seinen Visionen treu. Das sieht man in der Industrie nicht unbedingt gerne. Auch Brothers Grimm ist ein typischer Gilliam. In seinem gesamten Design und der schrägen Geschichte - und mit einem grossen Potential was die Besetzungsliste betrifft. Hier ganz besonders publikumsträchtig mit Matt Damon und Heath Ledger, jedoch konträr besetzt zu ihrem bisherigen Schaffen. Gerade Ledger, der sonst als Beau die Frauen, Verzeihung, die Mädchen bezirzt, weiss als unsicherer Jacob Grimm zu gefallen. Einfach überirdisch ist allerdings Peter Stormare als italienischer Folterkönig. Diese herrlich überspitzte Darstellung wäre eine Oscarnomination ohne Wenn und Aber wert gewesen.
Was mir an der Geschichte ganz besonders gefallen hat, sind die vielen, oft arg verdrehten und doch wieder sofort ins Auge fallenden Hinweise auf Grimmsche Märchen. Und natürlich die Eingangsidee, dass die Gebrüder Grimm nichts anderes als Betrüger sind, die nicht existierenden Geistern den Garaus für gutes Geld machen. Eine wunderbare Idee, die im Heimatort der Grimms wohl eher auf wenig Gegenliebe stossen wird. Es wäre in der Innerschweiz wohl ähnlich, wenn die Amis unseren Tell Willi als betrügerischen Scharfschützen, der unschuldigen Kindern falsche Äpfel vom Haupte armbrustet, forcieren würden (was mir freilich extrem gut gefallen würde)!
Brothers Grimm sieht einfach auch gut aus. Die Setpieces sind köstlich (unecht) und dass so einige der Effekte wirklich nicht besonders gut aussehen, verzeiht man einem so sympathischen Film und seinem Filmemacher sowieso. Gerade wenn der Film so gut zu unterhalten weiss, sieht man den ein oder anderen unflätig schlechten CGI-Charakter mit einer gewissen Vernachlässigung.
Fazit: Spassiges Antimärchen mit herrlichen Anspielungen und flott agierenden Darstellern!
Die DVD: Terry Gilliam ist ein enfant terrible in Hollywood. In einigen seiner Kommentare auf der DVD gibt er das zum Besten, manchmal wird es einem fast zuviel (vor allem wenn es in geballter Ladung wie bei den Deleted Scenes auf einen einstürzt). Diese geschnittenen Szenen bieten hie und da einen guten Einblick wie komplett Gilliams Visionen manchmal sind. Oft eben auch zu weit gehend. Ich denke man hat ein gutes Mass gefunden mit dem endgültigen Film, noch mehr hätte wohl doch allzu sehr am Tempo gezerrt. Das Making of ist zwar über Hollywood-PR-Standard, aber wenn man ein bisschen von den Umständen um diese Produktion herum vernommen hat, kommt das Ganze dann doch zu zahm daher. Das Bild weiss nicht in allen Belangen voll zu überzeugen. Es gibt eine kleine Schwäche vor allem in der Bildschärfe, manchmal sind die Konturen leicht verwischt. Schön kommen die gräulichen Brauntöne rüber, in die Gilliam seine Bilder tüncht.
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3.2 Sterne (111 Bewertungen) | 5 Kommentare
DVD-Infos
Cine Collection, erschienen am 12.04.2006
- Bildformat: 1.85:1 (16:9)
- Sprachen: Deutsch (DTS 6.1, DD EX), Englisch (DD 5.1)
- Untertitel: Deutsch
- Extras: Kinotrailer (D und E); Making Of: Bring the Fantasy to Life; Making Of: Spezaileffekte; Deleted Scenes (mit optionalem Kommentar); Audikommentar von Terry Gilliam (optional mit UT); Fotogalerie; Cast & Crew Infos; Produktionsnotizen.



