Brick (2005)

Brick (2005)

Oder: Noch nicht volljährig und schon Privatdetektiv

Brick

Brendan hatte einen Geistesblitz

Brendan (Joseph Gordon-Levitt) findet die Leiche einer jungen Frau in einem versteckten Bächlein. Es ist die seiner Ex Emily (Emilie de Ravin), die ihn vor zwei Tagen noch per Telefon panisch um Hilfe bat und dabei für Brendan unverständlich von einem "Pin" und einem "Brick" sprach. Der intelligente High School Schüler versteckt die Leiche der Frau, die ihm das Herz gebrochen hat, und erforscht auf eigene Faust an der Schule, wer hinter dem Mord stecken könnte.

Brick

So weit kann man nicht pinkeln.

Mit zynischer Dreistigkeit klappert der Outsider Brendan die verschiedenen Cliquen auf dem Pausenplatz ab, mit denen Emily in Kontakt gewesen sein könnte. Die verbal agressive Kara (Meagan Good) von der Theatergruppe weiss mehr als sie zugibt. Der hitzköpfige Mustang-Fahrer Tugger (Noah Fleiss) scheint einen Jungen, der "Pin" genannt wird, zu kennen. High School Queen Laura (Nora Zehetner) organisiert exklusive Parties, die auch von Emily besucht worden sind. Der einzige, der sicher auf Brendans Seite steht, ist "The Brain" (Matt O'Leary), der ihm in der Bibliothek jeweils seine neuesten Erkenntnisse zum Fall auftischt.


Kinofilm-Rating

Die Idee, klassische Texte im Milieu der amerikanischen High School umzusetzen, ist nicht neu. Shakespeare traf es öfters (10 Things I hate about you, O). Auch Jane Austen musste dran glauben (Clueless). Und Laclos' "Les Liaisons dangereuses" wurden zu Cruel Intentions. Besonders bei letzterem kennt man eher eine der viele Verfilmungen als den französischen Briefroman aus dem 18. Jahrhundert, der ihnen zu Grunde liegt. Ähnliches gilt für die Krimis von Raymond Chandler und Dashiell Hammett, ohne die es den Film Noir nie gegeben hätte. Zur Ikone wurde der schlecht gelaunte Privatdetektiv erst dank der Verkörperung durch Humphrey Bogarts. An Filmen wie The Maltese Falcon orientiert sich auch Rian Johnson mit seinem Debut Brick - nur dass wir uns hier auf einer amerikanischen High School befinden.

Auffallendstes Merkmal diese NeoNoirs ist seine Sprache. Die Schüler reden präzise und artikuliert wie in den Vorlagen - egal ob Buch oder Film. Auch als nicht Muttersprachler fällt es einem auf, weil der mundfaule Slang, bei dem junge Amerikaner alle fünf Worte ein "like" einbauen, fehlt. Neben den gewitzten Dialogen sind auch die anderen stilbildenden Elemente alle dabei: Gleich zwei Femmes Fatales, verkörpert durch die schnuckelige Zehetner und die sexy Good, heizen dem Helden ein. Hitzköpfe, die lieber die Fäuste sprechen lassen, was für ziemlich coole Prügeleien und ein Duell "Mann gegen Raser" führt, behindern die Ermittlungen. Nur ist halt alles angepasst ans Alter der Protagonisten und die heutige Zeit. So kommt es vor, dass auch mal eine Mutter Milch und Guetsli bereitstellt, nachdem sich Gut und Böse im Keller getroffen haben.

Bei Cruel Intentions erreichten die lüsternen Teenie-Stars nicht wirklich die Augenhöhe von John Malkovich und Michelle Pfeiffer in Dangerous Liaisons. Brick hat noch weniger Stars zu bieten - man kennt vielleicht die Schwangere aus "Lost" als Mordopfer, und Richard Roundtree hat einen Gastauftritt. Aber Joseph Gordon-Levitt als bebrillter Eigenbrödler ist trotz des manchmal absurden Rahmens ein guter "Private Eye". Wer Krimis mag, wird an dieser düsteren Low-Budget Produktion seine helle Freude haben. Die Story ist spannend und am Sundance Festival gab es zu Recht einen Preis der Jury für "visuelle Originalität".

4.5 Sterne
4.5 Sterne (48 Bewertungen) | 13 Kommentare

4.54.5
13.10.2005 / rm