Dave Chappelle's Block Party (2005)
Dave Chappelle's Block Party (2005)
Oder: Brooklyn bounces
Als dem US-Starkomiker Dave Chappelle im Jahre 2004 der Vertrag für seine Sendung Chappelle's Show (bei uns auf MTV) verlängert wurde, wollte er das freudige Ereignis zum Anlasse nehmen, ein Fest zu feiern. Eine "Block Party" mitten in New York City. Ein Open-Air Konzert ohne grosse Werbung und für Null Dollar Eintritt. Die angesagtesten Acts, alles Kumpels von Chappelle, sollten auftreten, aber bis zum Schluss geheim gehalten werden, wer genau der Menge einheizen würde.
Dave Chappelle vergass dabei seine bescheidene Herkunft nicht. Auch bei sich "Zuhause" im Bundesstaat Ohio hat er (fast) jeden auf der Strasse persönlich angehauen, mit dem Angebot für Kost und Logis einer Konzertreise nach New York aufzukommen. Man musste nur wollen. Ganze Schulbusse voll, darunter alle Musikantinnen und Musikanten der Central State University Marching Band, wollten. Und sie erlebten gratis einen grossen Tag.
Fast machte der Regen jedoch einen Strich durch die Pläne der Organisatoren. Doch Chappelles freches Mundwerk und die musikalischen Glanzleistungen von Künstlern wie Kanye West, Mos Def Erykah Badu u. v. a. m. verbreiteten locker gute Laune. Höhepunkt war aber unbestritten die Reunion der Fugees. Zum ersten Mal seit 1997 standen Lauryn Hill, Pras und Wyclef Jean wieder mal zusammen auf eine Konzertbühne.
Kinofilm-Rating
Ich als schon etwas älterer "White Boy" schau mir bei MTV eher Shows wie Kuttner an als die von Dave Chappelle. Den man übrigens nicht verwechseln sollte mit David LaChapelle (Rize). Ehrlich gesagt, war der Name der mich an der Berlinale in diesen Film zog, der vom Regisseur Michel Gondry (Eternal Sunshine of the Spotless Mind). Von dessen Handschrift ist im Endprodukt aber nicht allzu viel zu erkennen.
Der Ding heisst ja auch Dave Chappelle's Block Party. Er ist der Gastgeber und ist so auch in der Pflicht, die Leute zu unterhalten. Das gelingt ihm, in dem er die meiste Zeit das Kalb macht. Langweilig wurde es an diesem Konzert auch während der Umbauphasen nie, weil da jeweils Dave Chappelle Mik und Zepter in die Hand nahm. Nenn ihn einen Schwaffli, aber bei seiner Sprechfrequenz werden auch die Chancen erhöht, dass einer seiner Witze auch mal zündet.
Alle Künstler spielten mit derselben Band. Es ging weniger darum, wer die grössere Bühnenshow präsentierte, sondern um die Sache an sich. Bis zu einen gewissen Grad, war dieses Konzert nämlich auch ein Sozialprojekt. Einige der Hip Hopper nutzten die Veranstaltung, um Botschaften zu verbreiten, die man am US-Radio nur allzu selten hört. Und ein Kinderhort in der Nähe der Bühne wurde in der Vorbereitungszeit von den Stars rege besucht. Die Marching Band aus Ohio durfte sogar mit Kanye West mit auf die Bühne. Auch mit Blasmusik umrahmt rockt sein Hit "Jesus walks" noch ungemein.
Überhaupt wippte der Fuss auch bei einem Black Music Muffel wie mir ziemlich oft im Kinosaal. "Killing me softly" in der Version der Fugees gab sogar richtig Gänsehaut. Nur dass der Film ohne Untertitel lief, war schade. Im Kino in Berlin lachte jeweils immer nur ein kleiner Teil des Publikums bei Chappelles fiesen Sprüchen. Und wenn die Rapper mal richtig Gas gaben, wurde es auch für Sprachexperten schwierig zu folgen. Ich frage mich, wie das der Franzose Gondry machte.
![]()
4.2 Sterne (5 Bewertungen) | 0 Kommentare



