Batman Begins (2005)

Batman Begins (2005)

Oder: Die Anfänge des Flattermanns

Batman Begins

*flatter*

Die Familie Wayne hat für die Stadt Gotham viel getan. Immer versucht, den Armen zu helfen und die Gesellschaft einigermassen im Gleichgewicht zu halten, wurden zum Beispiel öffentliche Verkehrsmittel finanziert und immer ein Auge auf diejenigen gehalten, denen es nicht so gut geht. Bei einem Opernbesuch sieht sich der Sohn der Familie mit seinem schlimmsten Albtraum konfrontiert. Seit er damals beim Spielen in einen Brunnenschacht gefallen ist, hat er panische Angst vor Fledermäusen, die natürlich in diesem Opernstück ebenfalls auftauchen. Auf Drängen des Kindes verlässt die Familie die Veranstaltung und trifft im Hinterhof auf einen Räuber. Der will eigentlich nur die volle Brieftasche der betuchten Familie, schiesst dann aber Mutter und Vater nieder. Der Sohn steht daneben und wird Zeuge, wie seine Familie ausgelöscht wird.

Jahre später ist der junge Bruce Wayne (Christian Bale) ein Weltenbummler geworden. Er versucht, die Vorfälle von damals zu vergessen, zu verdrängen. Der Hausbutler Alfred (Michael Caine) kann ihn ebenso wenig von diesen Reisen abhalten, wie die junge Rachel (Katie Holmes), welche damals dabei war, als Bruce in den Brunnen fiel. Eine dieser Reisen führt ihn tief in den Osten, wo er sich als Dieb rumschlägt und prompt verhaftet und ins Gefängnis gesteckt wird. Raue Sitten, Schlägereien und noch Übleres sind dort an der Tagesordnung. Bis eines Tages ein mysteriöser Fremder auftaucht, der Bruce das Vergessen lernen will und ebenso zeigen kann, wie man die Aggressivität positiv nützen kann. Dieser Mann hört auf den Namen Henri Ducard (Liam Neeson) und stellt unserem Bruce Wayne eine Herausforderung, die ihn auf die Spitze eines verlassenen Berges führt.

Batman Begins

Strammstehen will geübt sein

Dort herrscht ein ebenso mysteriöser Mann namens Ra's Al Ghul (Ken Watanabe), dessen Ninjas sich unter seiner Führung immer wieder aufmachen, um die Welt im Gleichgewicht zu halten. Eingriffe in die Geschichte sind an der Tagesordnung und das nächste Ziel dieser Gruppe ist ausgerechnet Gotham City. Dass Bruce Wayne das nicht zulassen kann, ist klar. Drum wird dieser Vereinigung erst mal gezeigt, was gelernt wurde und die Rückreise nach Hause wird angetreten. Dort will Bruce einen Weg finden, das Böse zu bekämpfen und seinen Frieden zu finden.

Nach Begegnungen mit dem Board der Firma Wayne Enterprises und dem Tüftler Lucius Fox (Morgan Freeman) findet Bruce unter seinem Anwesen eine Höhle, die wie gemacht ist, für jegliche Art von geheimen Aktivitäten. Ein Kostüm wird organisiert, eine Maske, ein Cape und natürlich die dazugehörigen Waffen. Die Tatsache, dass Wayne Enterprises diverse Prototypen von komischen Waffen im Haus hat, macht das ganze Unternehmen relativ leicht. Die örtliche Polizei, in Person des Inspektors Gordon (Gary Oldman) wird ebenfalls miteinbezogen.

Batman Begins

"Wer hat hier grosse Ohren?"

Am Tag Bruce Wayne. In der Nacht Batman....

Doch die Vergangenheit hat noch nicht ganz abgeschlossen mit dem Flattermann. Erstmal ist es der äusserlich nette, aber mit einem speziellen chemischen Wirkstoff experimentierende Dr. Jonathan Crane (Cillian Murphy), der sich als "Scarecrow" einen Namen macht und Menschen in den Wahnsinn treibt. Und dann wäre da noch der Mann, für den er arbeitet. Ra's Al Ghul... Der ist nicht etwa von dannen gegangen, damals in den Bergen, sondern bereitet seine grosse Ankunft und die Vernichtung von Gotham City vor....


Kinofilm-Rating

Nein, die alten Filme von Tim Burton und Joel Schumacher kann man getrost beiseite legen und abhaken. Mit denen hat Batman begins soviel gemeinsam, wie der Schweizer Zoll mit Verständnis für Filmrequisiten. Es wird in diversen Publikationen hingewiesen, dass diese letzte Verfilmung der Geschichte um Bruce Wayne und sein Hobby differenziert betrachtet werden sollte. Gut, das braucht man nach Ansicht dieses über zwei Stunden langen Leiden, Prügeln, Zweifeln, Schleichen und cooles Autofahren nicht mehr zu betonen. Denn unsere Lieblingsfledermaus wird hier in einem Licht gezeigt, dass den (vielleicht angebrachteren) Vergleich zu Filmen wie Spiderman nicht zu scheuen braucht. Im Gegenteil.

"Holy Bat", was haben wir uns gefreut, als der Saal dunkel wurde und man viele Fledermäuse zu sehen bekam. Und dann? Kinder am spielen? Der Fall in einen Brunnen und eine schicksalshafte Begegnung mit den fliegenden Viechern. Hallo? So was hätte ich definitiv nicht erwartet. Aber, und das ist das geniale daran, es passt hervorragend zum weiteren Verlauf der Geschichte, die anfänglich zwischen der Kindheit und der Gegenwart des (dann) noch vermeintlichen Superhelden hin- und herfährt. Wie wird aus einem reichen, wütenden und verbissenen Mann ein Jäger der Finsternis? Wie kann er diese Bürde in seine nächtlichen Ausflüge einbauen? Nach den Begegnungen im winterlichen Osten wird das klar. Und auch die danach folgende Wandlung des Hauptcharakters bis hin zum Kostüm mit Öhrchen. Alles macht perfekten Sinn und verleiht dem Film, im Gegensatz zum früheren (*sorry*) eine Glaubwürdigkeit, eine Authenzität und eine Ernsthaftigkeit, auf die man so lange warten musste.

Mit Christian Bale wird uns jetzt also ein Bruce Wayne vorgesetzt, der so richtig unten durch muss. Er wird verprügelt, gequält und verkörpert keinesfalls den strahlenden Playboy, als den man seine Figur auch schon gesehen hat. Obwohl der gute Mann filmisch eher in spezielleren Filmen wie The Machinist oder American Psycho aufgetreten ist, überzeugt er in seiner ersten ganz grossen Kiste von A-Z. Neben ihm vermögen es sogar gestandene Stars wie Morgan Freeman, Michael Caine oder auch Gary Oldman nicht über den Status des Nebendarstellers heraus zu kommen. Und das ist gut so, denn so können sie ihre eigenen Figuren konzentrierter verkörpern und machen dem Zuschauer extrem viel Freude dabei.

Verfilmungen von Comics haben meist die Eigenschaft, dass die böse Seite eigentlich viel cooler ist, als die eigentlichen Helden. Das schafft man zwar hier nicht ganz, hat aber mit Cillian Murphy einen ganz starken Charakter, der nicht nur unter der Maske eine gute Figur macht, sondern auch in Zivil. Der zweite (und eigentliche Haupt-)Bösewicht vermag ebenfalls zu überzeugen und wenn seine Identität enthüllt wird, fühlt man sich definitiv vor den Kopf gestossen. Mehr Details dazu gibt's nicht. Selber schauen, heisst die Devise.

Irgendwann muss ich ja mal zum Schluss kommen, auch wenn man über Batman begins noch einiges zu berichten hätte. Schlussendlich darf man ohne Zweifel sagen, dass diese eher ernste und nicht mehr so comichafte Verfilmung des Stoffes sicherlich die Beste der Geschichten um den schwarzen Ritter ist. Höchstens noch zusammen mit dem Batman aus dem Jahr 1989. *Ups*, jetzt hab ich schon wieder verglichen...

Also Fledermäuse und Mäusinnen! Geht rein, lasst euch über zwei Stunden eine Geschichte erzählen, die intensiv, cool, hart und schnörkellos ist und somit auch diejenigen zufrieden stellen wird, die den Eindruck haben, Batman begins sei einfach eine weitere Verfilmung einer ausgelutschten Comicreihe. Dem wiederspreche nicht nur ich, sondern auch Mr. Wayne. Und den möchte man kaum zum Feind, oder?

5.0 Sterne
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5.55.5
27.05.2005 / muri