Barfuss (2005)

Barfuss (2005)

Oder: "Naive Leila will den Nick für immer"

Barfuss

Poppel

Nick Keller (Til Schweiger) ist ein Versager. Jedes Mal, wenn er einen Job erhält, dauert es nicht lange und er fliegt wieder raus, weshalb er meist arbeitslos und in Geldnot ist. Seine Wohnung ist schmuddelig, die Frau in seinem Bett kennt er am Morgen darauf nicht mehr und mit seiner Familie ist er zerstritten, da diese Wert auf Karriere, Prunk und Protz legt. Vom Arbeitsamt bekommt Nick einen Job als Putzkraft in einer psychiatrischen Klinik vermittelt. Doch auch hier wird er gleich wieder entlassen. Bevor er die Klinik verlässt, bemerkt er, wie eine junge Patientin sich in der Toilette erhängen will. In letzter Sekunde kann er sie auffangen und vom Suizid abhalten.

Barfuss

Pickel

Die Patientin heisst Leila (Johanna Wokalek) und wird in der Klinik therapiert, weil ihre Mutter sie während 19 Jahren zuhause eingeschlossen hielt. Davon hat sie massive posttraumatische Störungen davongetragen, was immer wieder zu Panikanfällen führt. Die Therapie macht keine Fortschritte, da Leila sich weigert zu sprechen. Sie fühlt sich einsam und verlassen. Leila ist immer barfuss, weil sie ihre Füsse nicht einsperren will. Nach ihrer Rettung beschliesst sie für sich, dass sie von nun an bei Nick bleiben will. Als Nick nach Hause geht, folgt Leila ihm barfuss durch die ganze Stadt, klopft an seine Haustür und weigert sich, wieder in die Klinik zurückzugehen. Widerwillig lässt Nick sie vorerst bei ihm übernachten und Leila schnarcht bald zufrieden in seinem Bett.

Barfuss

Plattfuss

Doch auch am nächsten Tag weigert sich Leila strikte, ihn zu verlassen und will für immer bei ihm bleiben. Nick kann sie nicht zwingen, in die Klinik zurückzukehren, da sie bei der kleinsten Berührung zu schreien und zu zittern beginnt. Hinzu kommt noch, dass Leila von der Polizei gesucht wird und Nick dringend an die Hochzeit von seinem Bruder sollte, um sich mit der Familie auszusöhnen und von seinem gehassten Stiefvater einen lukrativen Job vermittelt zu bekommen. Nicks Bruder heiratet ausgerechnet Janine, eine verflossene grosse Liebe von Nick. Kurzerhand beschliesst Nick, die hilflose, verschüchterte aber hartnäckige Leila an die Hochzeit mitzunehmen. Dummerweise fehlen den beiden das Geld für die Reise und das erwartete Designer-Hochzeitsgeschenk. Das Chaos ist vorprogrammiert.


Kinofilm-Rating

Barfuss ist eine einfühlsame, märchenhafte Liebesgeschichte. Die eindruckvollste und spannendste Figur des Films ist Leila. Die absolut naive, gutgläubige und unschuldige Leila berührt jeden Zuschauer. Ihre kindliche Art die Welt zu entdecken, nachdem sie jahrelang eingeschlossen war, überzeugt. Leila vertraut jedem und glaubt jedes Wort unvoreingenommen, was mittlerweile zu sehr komischen Dialogen führt. Leila freut sich über ganz einfache kleine Dinge. Sie staunt beim Lösen eines Bustickets, weil sie noch nie Bus gefahren ist, sie setzt ein Auto in Bewegung, obwohl sie keine Ahnung vom Autofahren hat und sie ist felsenfest davon überzeugt, dass sie Nick nicht verlassen will. Ihre nackten Füsse symbolisieren ihren Drang und ihre Sehnsucht nach Freiheit. Leila strahlt einen unerschütterlichen Optimismus aus.

Im Film kommt die Figur von Leila auch deshalb so zum Tragen, weil Johanna Wokalek eine Glanzleistung erbringt und es ihr gelingt die schwierige Rolle im Spannungsfeld zwischen erwachsenere Attraktivität und kindlicher Unschuld glaubhaft zu gestalten. Beeindruckend ist auch die strenge Psychiaterin Dr. Blöchinger (Imogen Kogge), welche hin und hergerissen ist zwischen der Disziplin der Klinik und Mitgefühl mit Leila.

Til Schweiger führt die Regie von barfuss und spielt gleichzeitig die Hauptrolle als Nick. Leider schafft er es aber nicht mit Johanna Wokalek mitzuhalten und wirkt neben ihr ein wenig wie ein Filmbeau ohne herausragende Schauspielqualitäten. Dafür ist ihm aber die Regie gut gelungen. Einzig ein paar peinlich-chaotische Szenen der Familienfeier und das vorhersehbare obligate Zusammentreffen mit der Polizei scheinen eher überflüssig. Romantiker werden begeistert sein von den liebevollen Szenen voller Lebensfreude und der schönen Filmmusik. Ein Liebesfilm ohne eine einzige Kuss- oder Sexszene.

4.3 Sterne
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14.03.2005 / matti