Angel-A (2005)
Angel-A (2005)
Oder: Lügen haben kurze Beine, Models lange
André (Jamel Debouzze) lügt gern und oft. So behauptet er zum Beispiel, dass er Amerikaner sei mit einer Wohnung in Brooklyn. Das ist zwar nur ein bisschen geflunkert, denn der Pariser marokkanischer Abstammung hat tatsächlich mal in der Green Card-"Lotterie" gewonnen. Er schindet damit aber weder auf der US-Botschaft noch bei den grobschlächtigen Schuldeneintreibern Eindruck. Erstere wollen dem Mini-Kriminellen kein Asyl gewähren und letztere lieber Kohle sehen. Und zwar viel und subito. Wenn der 28-Jährige bis am nächsten Tag immer noch in den Miesen steht, ist er ein toter Mann.
André greift zur Selbsthilfe und will sich in die Seine stürzen. Doch für einmal ist er nicht alleine. Dieselbe Brücke, aus den gleichen Beweggründen, hat sich auch Angela (Rie Rasmussen) ausgesucht. Als sie zuerst springt, rettet André die schöne Unbekannte aus den Fluten und wird sie fortan nicht mehr los. Noch platschnass erklärt ihm die Blondine, dass sie jetzt Eigentum ihres Lebensretters sei. Alles dürfe er mit ihr anstellen, solange sie nur ihren Nikotinkonsum nicht einschränken muss. Das ungleiche Paar lindert Andrés Not in der Folge gemeinsam. Angelas Körper und ihren scheinbar überirdischen Kräften bezirzen die Männer reihenweise. Auch Andrés Gläubiger sind leicht zu besänftigen. Doch weshalb hat das engelhafte Wesen sich ausgerechnet den kleinen Ganoven André ausgesucht?
DVD-Rating
Nach jahrelangem produzieren von trashigen Actionklamotten, schlägt der französische Starregisseur Luc Besson (Le grand bleu) endlich wieder einmal etwas ruhigere Töne an. Hauptattraktion des Filmes über Ethik, Moral und Selbstwertgefühl ist wieder einmal Paris. Kamerann Thierry Arbogast fängt die Stadt der Liebe in ein. Verstärkt wir die Romantisierung durch die Tatsache, dass fast nie Touristen zu sehen sind, auch wenn sich viele Szenen in der Umgebung vieler bekannter Sehenswürdigkeiten abspielen. Auch das Produktionsdesign steht der Kameraführung in nichts nach. Ein Highlight ist die Szene im oppulent ausgestatteten Nachtclub. Optisch ist Angel-A also ein Fest für die Augen, doch wie sieht es mit dem Inhalt aus?
Für die brüske Spielzeit von 90 Minuten, versucht Besson ein wenig zu viele Elemente in seine Geschichte zu verpacken. Leider funktionieren nicht ganz alle Aspekte so gut wie die Beziehung zwischen den Hauptfiguren, die ganz klar das Herzstück bildet. Angela ist ein Engel. In der ersten Hälfte wird dies metaphorisch angedeutet und Humbug wie Flügel, Zaubertricks und Geschwätz über "den Herr dort oben" hätte man von mir aus weglassen können, da diese Szenen eindeutig Schwachpunkt des Filmes Darstellen. Die Selbstfindung des Kleinganoven André wiederum ist herzerwärmend und dürfte den kritischsten Zyniker berühren.
Tolle Kamera, sympathische Darsteller und viel Gefühl sind es also, die Angel-A zu einem nicht neuen, aber allemal interessantem Filmerlebnis machen. Hätte man das Übernatürliche gestrichen, hätte es noch ein Sternchen mehr gegeben.
Die DVD hat in sachen Extras wenig zu bieten. Das Making-Of ist zwar charmant und hebt sich von den üblichen Infomercials ab, doch ist mit seinen 27 Minuten auch schon das ausführlichste Extra. Nur seltsam, dass der Regisseur selbst nie vor der Interviewkamera zu sehen ist. Dazu gibt es noch einen kleinen Bericht über die Musik und einen Videoclip. Das war's dann auch schon.
![]()
4.4 Sterne (31 Bewertungen) | 1 Kommentar
DVD-Infos
DVD erschienen am 05.02.2007
- Bildformat: 2.35:1 (anamorphic Widescreen)
- Sprachen: Dolby Digital 5.1 in Deutsch, Dolby Digital 5.1 in Französisch
- Untertitel: Deutsch, Französisch
- Extras: Making Of, Making Of The Musik, Cast und Crew, Bildergalerie



