Adam's Apples - Adams æbler (2005)

Adams Äpfel - Gott ist auf meiner Seite

Adam's Apples - Adams æbler (2005) Adams Äpfel - Gott ist auf meiner Seite

Oder: How deep is your Love?

Adam's Apples - Adams æbler

Gruppenbild mit Dame

Der Neonazi Adam (Ulrich Thomsen) wird auf Bewährung in die dänische Provinz geschickt. Ivan (Mads Mikkelsen), ein weltfremder Pfarrer, der Wahrheiten konsequent verdrängt und den gewaltlosen Weg bis zur Idiotie predigt, soll den als brutal und gewalttätig geltenden Straftäter wieder auf den Pfad der Tugend bringen. Für Adam bedeutet Ivans unendliche Güte, aber in erster Linie leichtes Spiel, um seine Bewährung locker zu überstehen. Denn Ivan gibt seinen Schützlingen alle Freiheiten, obwohl sie diese aufs gröbste missbrauchen.

Adam's Apples - Adams æbler

Du bist gut im Schuss!

Gunnar, ein verfetteter Ex-Tennisprofi, trinkt Grand Marnier, den ihm Ivan in der Meinung, es handle sich um Hustensaft, ohne weiteres Aufsehen besorgt. Die Skimaske des arabischen Tankstellenräubers Khalid ist für Ivan auch kein Grund zur Sorge. Schliesslich sind für einen Südländer auch die dänischen Sommer relativ kühl.

Adam, der bei solch fahrlässigem Verhalten die Augen nur noch verdrehen kann, bekommt die Aufgabe, bis Ende Sommer einen Apfelkuchen zu backen. Dass Raben über die Früchte des Baumes vor der Kirche herfallen und der Ofen im Kirchgemeindehaus schlicht unbenutzbar ist, sieht Ivan als einen Test des Satans, den es zu überwinden gilt. Für Adam ist das jedoch nichts weiter als biblisches Gewäsch. Zumindest vorerst noch...


Kinofilm-Rating

Der Trailer zu Adams Apples animiert zum Lachen. Es mag an der Trägheit des Sprechers liegen, denn ausser dem Originaltitel "Adams Aebler" und einigen prägnanten Schauspielernamen wie Paprika Steen versteht man als Nicht-Däne ohne Untertitel sowieso nichts. Doch allzu "gluschtig" auf den Film macht er nicht. Doch so kann man sich täuschen! Der Film geht voll in die Extreme und stellt sich als weiteres dänisches Filmwunder heraus. Locker der beste Film, der sechsten Ausgabe des Festivals du Film Fantastique in Neuchatel (NIFFF). Er hat den Publikumspreis gewonnen, und ich vermute mal, der Abstand war ziemlich gross.

Eine frische Story zum universellen Thema von Gottes unergründlichen Wegen schlägt im Verlauf einige Haken. Sie ist witzig, ohne ins Klamaukige zu fallen, politisch unkorrekt, aber nicht zynisch. Vor allem ist der Film fern von jeder Dogma-Optik. Bei der Darstellung von Gottes Zorn versagt Lars von Triers Regelkatalog. Es wäre auch schade gewesen, wenn das filmische Keuschheitsgelübde die wenigen, dezenten Gore-Effekte verhindert hätte.

Der omnipräsente Ulrich Thomsen als tätowierter Nazi ist eine Wucht. Ob es jemals wieder einen schlechten Film mit Thomsen in der Hauptrolle geben wird, steht nach Arven oder Brothers weiterhin in den Sternen. Aber auch die weiteren Rollen sind blendend besetzt, wenn auch bis auf die schon erwähnte Steen mit ausserhalb Dänemarks weniger bekannten Namen. Vor allem der Arzt, der redet wie ihm der Schnabel gewachsen ist, bleibt unvergesslich. ("Wir Ärzte nennen so was einen halben Kennedy", ist sein Kommentar auf ein halbseitig zerfetztes Gehirn).

Trotzdem muss die Frage erlaubt sein, was dieser Film im Wettbewerb eines Festivals, das sich explizit dem fantastischen Film widmet, zu suchen hat. Genretypisch ist er nicht. Einzuordnen bleibt aber auch so genug schwierig. Denn Adam's Apples ist vielleicht der einzige Film, den man gläubigen Christen und Tarantinojüngern gleichermassen empfehlen kann. Das soll ihm erstmal einer nachmachen. Und das Beste: der Film hat einen Schweizer Verleih. Hat er auch nur eine Spur des göttlichen Beistandes von Ivan, wird daraus der Sleeper-Hit der Saison. Und da es sich um den dritten Teil eine Trilogie des Regisseur Anders Thomas Jensen handeln soll, könnten sich Flickering Lights und The Green Butchers als Renner in den Videotheken entwickeln.

5.2 Sterne
5.2 Sterne (110 Bewertungen) | 35 Kommentare

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10.07.2006 / rm