Zebraman (2004)
Zebraman (2004)
Oder: Auf Streife mit dem Gestreiften
Der Primarlehrer Shinichi (Aikawa Sho) ist eine gescheiterte Existenz. Sein Beruf gefällt ihm überhaupt nicht - vor allem während den Lektionen. Seine Ehefrau ignoriert ihn. Sein Sohn wird von Mitschülern, die den Vater hassen, verprügelt. Und die Tochter geht auf den Strich. Zur Flucht aus dem Alltag verhilft ihm nur seine Leidenschaft für "Zebraman", einen TV-Superhelden aus seiner Jugend. Jede freie Minute verbringt er damit, ein originalgetreues Kostüm zu nähen, Dialoge auswendig lernen und vor dem Spiegel Kampftechniken zu proben.
Leider kennt ausser ihm aber kein Schwein die Serie, weil sie nur 1,8 Prozent Markanteil hatte und nach ein paar Folgen in den 70ern abgesetzt wurde. Umso erstaunlicher, dass der neue Schüler in Shinichis Klasse - Internet sei Dank - auch ein Fan ist. Angespornt vom Wiedersehen mit seinem Superhelden online wagt Shinichi den Sprung an die Öffentlichkeit. Beim nächtlichen Verprügeln seines Erzfeindes, dem Krabbenmann, entwickelt er plötzlich Superkräfte. Gerade rechtzeitig um den Untergang der japanischen Gesellschaft durch grün-glitschige Aliens zu verhindern, die sich an seiner Schule breit machen.
Kinofilm-Rating
Das dramaturgische Schema des Superheldengenres kennt man nur zu gut. Ein gesellschaftlicher Aussenseiter lebt ein Doppelleben, das ihm eine zweite, ruhmreichere Rolle im Leben beschert. Auf der bei Spider-Man und anderen amerikanischen Comicfiguren immer schon vorhandenen Voraussetzung basiert auch Zebraman. Japan hat aber ein eigenes Superhelden-Universum, das in diesem Film zugleich als Parodie und Hommage zitiert wird. Leider kenne ich mich bei "Kamen Rider", "Ultraman" und den verschiedenen "Sentai" noch weniger aus als bei den amerikanischen Entsprechungen. Das verhindert den Spass an Zebraman aber keineswegs. Denn trotz einiger perfekt auf die 70er getrimmten Szenen, die in der Mitte des Films eine Originalepisode von Zebraman suggerieren sollen, wurde der Held mit den Zebrastreifen eigens für den Film erfunden. Vorwissen ist also nicht verlangt.
"Tokusatsu", der japanische Überbegriff für ihre etwas andere Art von Special Effects, ist allen zumindest passiv bekannt, die schon eine Folge der Power Rangers gesehen haben. So was kann man nicht wirklich ernst nehmen. Macht der Film auch nicht. Er zeigt zum Beispiel eine brüllend komische Serie, die in Shinichis Fernseher läuft, bei der ein Power Ranger gegen ein langhaariges Mädchen, das aus einem Brunnen steigt, kämpft ;-) Völlig absurd wird auch der Schulbetrieb dargestellt. Ganz zu schweigen von den drolligen Aliens, entfernte Verwandte vom Flubber, und einem enthusiastischen Sidekick im Rollstuhl. Auf die Spitze getrieben wird das Ganze mit der Figur der ZebraNurse, die als Retterin in der Not alle Wehwechen von Zebraman heilen kann.
Zebraman ist ein sehr kinderfreundlicher Film, aber Aikawa Sho spielt den unglücklichen Helden so liebenswürdig, dass man ihm die Superkräfte regelrecht wünscht. Unglaublich, dass der für seine äusserst blutigen Filme bekannte Takashi Miike solch lustige und herzerwärmende Filme machen kann.
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4.0 Sterne (5 Bewertungen) | 1 Kommentar


