Yes (2004)
Yes (2004)
Oder: Sally Potter, NICHT Harry Potter!
Sie (Joan Allen) ist eine irisch-amerikanische Wissenschaftlerin, die in London lebt. Er (Simon Abkarian) ist ein libanesischer Chirurg, der als Koch jobbt. Ihre Ehe mit einem Politiker (Sam Neal) ist im Arsch. Er merkts, und verführt sie. Der Sex ist grossartig. Sie sind sich auch spirituell sehr nahe. Die Liebe wächst. Doch die Geschehnisse dieser Welt werfen einen dunklen Schatten auf ihre intime Leidenschaft.
Kinofilm-Rating
Sally Potter begann mit dem Drehbuch zu Yes am 12. September 2001. Was kann eine Filmemacherin tun im Klima von Angst und Hass, ist die Frage, die sie sich dabei gestellt hat und sie gab die Antwort gleich selber: Fiktion muss Emotionen auslösen mit Erfahrungen, die uns gemein sind, was immer uns ansonsten auch unterscheidet.
Potter greift eine beeindruckende Sammlung von Themen auf, die von Liebe und Glauben bis oberflächlicher Schönheitswahn und das Vorhandensein von Dreck geht. Dreck darum, weil die Welt aus der Sicht von Putzfrauen geschildert wird. Die wussten eh schon immer genauer Bescheid über den Zustand der Welt hinter den schönen Fassaden. Eine dieser Reinigungskräfte (Shirley Henderson) stellt uns ihre Chefin und deren Haushalt vor in einer Art kommentierenden und allwissenden Form, wie der Chor im antiken Theater.
Dramatisch sind auch die Dialoge, welche als Blankverse verfasst sind. Richtig, ihr Shakespeare Freaks da draussen. Wie so oft im Englischen ist das Versmass der jambische Pentameter. Es mag seltsam klingen, wenn eine englische Küchenmannschaft rhythmisch über die Vorzüge von Frauenkörpern redet. Aber die anfängliche Irritation ist schnell überwunden und man erliegt stattdessen der faszinierenden Bildsprache.
Um Kanten herum, durch Wassergläser hindurch, mit verschiedene Farbfiltern filmt Potter ihre vielschichtige Geschichte. Elegant. Subtil erotisch. Wunderschön. Allen und Abkarian sind Schauspieler, die richtig verliebt blicken können. Ihre Liebe fühlt sich so echt an. Mann und Frau. Namen haben Potters Figuren nicht. Liebe auf der Leinwand, wann gibt es das schon zu sehen? Yes ist ein Meisterwerk. Einen Film wie Yes habe ich noch nie gesehen. Einer zum definitiv mehrmals schauen.
Wäre der Film an der Berlinale im Wettbewerb gelaufen und hätten in der Jury schlauere Leute Einsitz genommen als der Krawallist Roland Emmerich, die Exhibitionistin Bai Ling und Modefuzzi Nino Cerruti, hätte der Film den goldenen Bären auf sicher gehabt.
![]()
5.0 Sterne (9 Bewertungen) | 4 Kommentare


