Veer-Zaara (2004)

Veer und Zaara - Die Legende einer Liebe

Veer-Zaara (2004) Veer und Zaara - Die Legende einer Liebe

Oder: Zaara, ich hol dich mit dem Traktor ab

Veer-Zaara

Das gehört mal alles Dir.

In Lahore besucht die junge Menschrechtsaktivistin und Juristin Saamiya (Rani Mukerji) den Gefangenen Nr. 786. Er sitzt seit 22 Jahren in einem pakistanischen Gefängnis und vegetiert wortlos vor sich hin. Sie schafft es in ihrem ersten grossen Fall, dem Mann seine Leidensgeschichte zu entlocken, indem sie ihn zum ersten Mal seit langer Zeit mit seinem richtigen Namen anspricht: Veer Pratap Singh (Sharukh Khan).

Veer-Zaara

Und das übrigens auch.

Veer war einst stolzer Fliegersoldat der indischen Armee. Unermüdlich rettete er Menschen per Helikopter aus Notsituationen. So auch die Pakistanerin Zaara Hayaat Khan (Preity Zinta), die nach Indien gekommen war, um die Asche ihres verstorbenen Kindermädchens in dessen Heimat zu verstreuen. Nach der Bergung kommen sich die beiden näher und Zaara darf ein Wochenende im Dorf von Veers Eltern (Amitabh Bachchan und Hema Malini) verbringen. Veer verliebt sich prompt, doch beim Abschied auf dem Bahnhof stellt Zaara ihm überraschend ihren Verlobten vor.

Wird sich das Paar trotzdem finden? Warum kam Veer ins Gefängnis? Und wird ihn Saamiya befreien können?


Kinofilm-Rating

Mit Veer-Zaara meldet sich eine Regie-Legende des indischen Kinos zurück. Seit 1959 feiert Yash Chopra mit seinen romantischen Filmen Erfolge. Über die Jahrzehnte hinweg war er nicht unschuldig an den heute noch andauernden Höhenflügen zweier Bollywood Megastars. Amitabh Bachchan in den Siebzigern und Sharukh Khan in den Neunzigern wären ohne ihn wohl nicht das, was sie heute darstellen. Nicht zuletzt war es auch Chopra, der die Schweizer Alpen und andere exotische Hintergründe als Kulisse bei den Songs in den Schmonzetten aus Bombay entdeckte und förderte.

Sieben Jahre nach seinem letzten Film beweist der über 70-Jährige, dass er es immer noch drauf hat mit den epischen Romanzen. Zwar war er beim Drehbuch auf die Hilfe von Sohnemann Aditya Chopra (Dilwale Dulhania Le Jayenge) angewiesen, doch die Geschichte von Veer und Zaara ist Starkino, wie es nur Bollywood zustande bringt. Die lebenden Legenden Amitabh Bachchan und Hema Malini bereichern den Film mit ihren liebevoll inszenierten "Special Appearances". Die jüngeren Hauptfiguren Preity Zinta und Sharukh Khan gefallen um einiges besser als in ihrem letzten gemeinsamen Auftritt in Kal Ho Naa Ho. Und wem Zinta zu wenig hübsch ist, kann sich an Rani Mukerji als toughe Junganwältin ergötzen.

Wer aber das Bollywoodkino nicht mag, wird auch hier zu mäkeln haben. Angefangen bei den lächerlich dramatischen Helikopterbergungen, über die gesammelten Schicksalsschläge aus der Giftküche von Seifenopernautoren bis zum Make-Up von "Tattergreis" Sharukh Khan, wenn er wie der graumelierte Tom Cruise in Collateral aussieht, aber ganz zittrig Papierflugzeuge faltet. Wie so oft in den indischen Dreistündern werden die Genres wild gemischt. Da kann es schon vorkommen, dass aus der Romanze plötzlich ein Court Room Drama wird, um die verschiedenen Handlungsstränge an ein gemeinsames Ziel zu führen. Erfreulicherweise sind die komödiantischen Elemente von Veer-Zaara gänzlich frei von Klamauk. Das grosse Manko sind aber die Songs, die wenig mitreissend sind. Wenigstens ist einer davon mal wieder in der Schweiz gedreht worden. Und der Punjab, wo sich der grösste Teil des Films abspielt, ähnelt dem Lötschental sehr. Die Heimat von Regisseur Chopra ist seit 1947 in einen pakistanischen und einen indischen Teil unterteilt, was Chopra sehr bedauert und dazu führt, dass die Pakistaner in diesem Film in einem viel besseren Licht erscheinen als sonst.

Trotz den für Bollywood ungewohnt neuen Tönen emanzipatorischer und völkerverbindenden Art, die der Film anschlägt, ist Veer-Zaara eine folkloristisch-farbenfrohe Mann-trifft-Frau-Story. Wer das sehen will - und das sind wohl die meisten Bollywoodfans - kann sich freuen. Veer-Zaara gibt massivsten Druck auf die Tränendrüsen. Nicht nur einmal sondern zweimal werden bei diesem Film wohl ganze Familienpackungen an Taschentüchern zerschluchzt werden.

5.2 Sterne
5.2 Sterne (19 Bewertungen) | 4 Kommentare

4.54.5
27.09.2005 / rm