Van Helsing (2004)

Van Helsing (2004)

Van Helsing

Die Filme von Stephen Sommers lassen sich mit vielen Superlativen schmücken, sei es beispielsweise "unterhaltsam - unterhaltsamer - The Mummy", "laut - lauter - The Mummy Returns" oder aber "anspruchslos - anspruchsloser - Van Helsing". Die Adjektive lassen sich dabei beliebig unter den Filmen vertauschen und übersteigen trotzdem nie eine überschaubare Zahl. Denn Sommers kann man so manche Eigenschaft unterstellen, aber Ehrgeiz und filmische Ambitionen gehören eindeutig nicht dazu. Das selbe galt auch für die entsprechenden Scores, die sich bisher immer den jeweiligen Filmen angepasst hatten, nur mit dem Unterschied dass ihnen gar nie die Möglichkeit gegeben wurde, um grosse kompositorische Höhen zu erklimmen. Somit könnte man sie als recht substanzlose Vertonungen beschreiben, die aber einen hohen Unterhaltungswert an den Tag legen. Die Frage, die sich also stellt, lautet zweifellos: Vermag Alan Silvestri, der mit The Mummy Returns seinen Filmmusikeinstand bei Sommers feiern konnte, wieder die leere, aber opulente Filmhülle des Regisseurs angemessen mit Musik zu unterlegen?

Thematisch recht einfach gehalten, versucht der Score in erster Linie mit Quantität zu punkten. Bereits im ersten Track "Transylvania 1887" bekommt man den Grundton und die Dynamik des Scores zu spüren. Der Anfang des ersten Tracks erinnert mit seinen treibenden Streichern dabei sehr an Hans Zimmers Backdraft, lässt dann aber nach einigen Sekunden die Täuschung hinter sich und präsentiert mit tiefen dissonanten Bläsereinsätzen, summenden Streichern und rufenden Chorpassagen das erste Charakter Thema (Dracula himself). Dieses zieht sich im Track "Burn it down" weiter und wird anschliessend durch das majestätischere und teilweise schon fast lieblich gehaltene Frankensteinmotiv ergänzt. Man spürt hier die Hast und Intensität die im Film herrscht akkustisch sehr gut heraus. Man sich die Jagd der bauern auf Frankenstein und die anschliessende Konfrontation bei der Mühle förmlich vorstellen. Dieser musikalsiche Einstieg ist stilprägend für den ganzen Score. Silvestri benutzte durch den ganzen Film die Leitmotivtechnik und unterlegte diese dann in den Actionszenen mit volumigen Bassdrum- und Tom Tom-Passagen, nutzte die hohen quitschenden sowie tief pulsierenden Streichern für Spannungsmomente und lässt nur selten Zeit für Ruhepausen. Solche sind im Film häufiger zufinden als auf dem 42 minütigen Album, welches nur mit dem sehr eleganten Walzer "All hallows eve ball" und dem Abspanntrack "Reunited" mit ruhigen Momenten aufwarten kann. Besonders der Walzer macht dabei eine sehr intensive Entwicklung durch. Anfänglich in bester John Barry Manier sehr zurückhaltend als Streicherthema mit Harfenglissandos erklingend, wandelt sich ab der Mitte das liebliche Walzerthema in einen aufbrausenden Wiener der klassischsten Sorte.

Erwähnenswert ist ausserdem das Van Helsingthema, dass mit seinem Männersprechgesang, den hohen Chorcrescendos und nicht zuletzt durch das zentrale Guitarensolo sehr hörfällig ausgefallen ist. Man kann dem Score also vieles unterstellen, aber nicht dass er mit seinen Mitteln sehr sparsam umging. Die ganze Bandbreite und sämtliche Höhen und Tiefen des Orchesters, von den Bläsern, den Streichern bis hin zu den aufwändigen Percussioneinsätzen, wurde eingesetzt. Das gleiche gilt für die Chöre die teilweise ein Volumen erreichen die an Bombast fast nicht mehr zu überbieten sind. Van Helsing funktioniert als eigenständiges Scorealbum dabei ebenso gut wie als musikalische Filmuntermalung, nur mit dem Unterschied, dass die Parallelen zu anderen Silvestriscores Filmmusikkennern nicht unbemerkt bleiben. Das Actionscoring erinnert sehr an Judge Dredd. Chöre, Orchestrierung, Klangfarbe sowie die einfache thematische Verarbeitung stammen dagegen, ignoriert man das ägyptische Kolorit, an The Mummy Returns.

In Anbetracht der filmischen Vorlage hätte der dazugehörige Score nicht passender ausfallen können. Auf den ersten Blick ungemein beeindruckend und von Bombast geradezu triefend, zeigt sich auf den zweiten Blick die recht einfache Zusammensetzung des Scores. Seine Themen sind kurz und gehen ins Ohr, besitzen aber nicht genug Charakter um wirklich im Gedächtnis hängen zu bleiben. Seine Stärken liegen eindeutig in den schnellen und aufbrausenden Actioncues, die an Rasanz kaum zu überbieten sind. Darüberhinaus wissen einige der Chorpassagen zu gefallen, die aber ebenfalls mehr durch ihre Lautstärke und Intensität als durch Raffinesse auffallen. Um also kurz und knapp die einleitende Frage zu beantworten: Ja, passender kann man den Stil von Sommers akkustisch nicht umsetzen.

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06.06.2006 / Orlindo

Sountrack-Infos

Komponisten
Alan Silvestri

Release
Label: Decca
EAN: 0602498619995

Tracks

Transylvania 1887

Burn It Down

Werewolf Trap

Journey To Transylvania

Attacking Brides

Dracula's Nursery

Useless Crucifix

Transylvanian Horses

All Hallow's Eve Ball

10 

Who Are They To Judge?

11 

Final Battle

12 

Reunited