Two Brothers (2004)

Zwei Brüder

Two Brothers (2004) Zwei Brüder

Oder: Go, get'em Tiger!

Two Brothers

Neulich im Züri Zoo

Vor einer nicht allzu langer Zeit in einem fernen Land wuchsen zwei Tigerjungen auf. Der eine (Shanga) war draufgängerisch, mutig und wild. Sein Bruder (Kumal) eher der sanfte, ängstliche und ruhige der beiden. Die zwei werden von Mutter und Vater in ihren ersten Schritten unterstützt und leben ihr Leben im Dschungel zwischen Spiel, Spass und jugendlichem Leichtsinn.

Eines Tages kommt der grosse weisse Mann in das Gebiet der Tigerfamilie und die Familie wird auf brutalste Weise auseinandergerissen. Der Jäger McRory (Guy Pearce) wird auf seinen Entdeckungsreisen durch die lokalen Ruinen auf die Tigerfamilie aufmerksam und sein Jagdinstinkt setzt sich durch. Der kleine Kumal kann zusammen mit seiner Mutter vorerst entkommen, aber Shanga fällt in die Hände der Jäger. Nach einer Zeit der Angewöhnung wird der kleine Tiger schliesslich an einen Zirkus verkauft, wo ihn das Heimweh und die Gefangenschaft bricht.

Two Brothers

"Werden die Tiger eigentlich gedoubelt?"

Es geht nicht lange und auch der zweite kleine Tiger fällt in die Hände des gleichen Jägers. Das knuffige Tierchen wird dann aber dem Sohn des für den Distrikt verantwortlichen Administrators geschenkt, wo Kumal aufwächst. Bis er eines Tages das hausinterne Schosshündchen zerfetzt und unter Tränen des Administratorensohnes dem regierenden Oberhaupt in dessen Sammlung wilder Tiere verfrachtet wird.

Two Brothers

Schmusi-Busi

Ein Jahr später hat dieses Oberhaupt die glorreiche Idee, einen Kampf der Bestien seinem Gefolge zu präsentieren. Dafür braucht er zwei der wildesten Tiger. Einen hat er ja in seinem Keller. Dem wurde einfach die Nahrung verweigert und ein schönes Band angelegt. Sein Gegner wird aus einem Zirkus gekauft... Das ultimative Finale steht an. Die beiden Brüder müssen sich in der Arena gegenüberstehen. In einem Kampf um Leben und Tod.

Dass es schlussendlich ein Happy-End gibt, ist abzusehen. Aber bis dahin sind noch einige heikle, gefährliche und spannende Situationen zu überstehen. Werden die beiden Brüder endlich in Frieden leben können?


Kinofilm-Rating

Wenn der französische Regisseur Jean-Jacques Annaud einen Film macht, dann kommt meistens etwas ganz spezielles raus. Zwar dauert es zwischen seinen Filmen immer eine längere Zeit, dafür sind diese dann auch dementsprechend beeindruckend und interessant. Sei es Seven Years in Tibet oder das oscarnominierte L'Ours. Qualität statt Quantität scheint sein Motto zu sein. Mit Two Brothers versucht Annaud jetzt in eine ähnliche Kerbe zu schlagen wie sein Meisterwerk vom Bären. Tiere, die ohne Worte eine Geschichte erzählen. Aufnahmen, die einem staunend im Kino sitzen lassen und ein Tier, dass in seiner Schönheit, seiner Geschmeidigkeit und seiner Gefährlichkeit von fast keinem Lebewesen zu toppen ist. Der Tiger ist der Hauptdarsteller. Vergesst die Menschen und erfreut euch an den grossen Katzen.

Während den ersten zwanzig Minuten wird dann auch hemmungslos und eintrichternd das Bild der jungen Löwenbabies zelebriert. Und wem da nicht ein "Jöö" rausrutscht, der hat entweder kein Herz oder mag Katzen an sich nicht. (Womit er dann definitiv im falschen Film wäre...) Die beiden ultraherzigen Tigerchen trollen, tapsen, rennen, fauchen und spielen sich in die Herzen der Zuschauer. Dazu herrliche Bilder der Gegend und eine Geschichte mit Menschen, die eigentlich keinen so richtig interessiert. Man will ja schliesslich die Tiger sehen und nicht Guy Pearce, der bei mir nach seinem Time Machine so ziemlich unten durch ist.

Dass man aber natürlich nicht 109 Minuten umherspielenden Tigern zuschauen kann, wurde wohl auch dem Regisseur klar. Drum verpackt er deren Auftritte in eine Geschichte, die zwar langweilig und uninteressant ist, aber mit dem Erscheinen der inzwischen getrennten und erwachsenen Tigern immer wieder, grade noch rechtzeitig vor dem "Auf-die-Uhr-schauen", an Humor und Niedlichkeit gewinnt. Die Menschen spielen klar eine untergeordnete Rolle und stehen ebenso klar im Schatten der Raubtiere. Das ist gut so, denn mehr menschliche Geschichten wären eher peinlich gewesen. Das übernimmt die Familie des Administrators in ihrem französisch angehauchten Englisch vollkommen.

Klar, man könnte die Hintergründe der Bruderbeziehung aufführen. Der Überlebenskampf der beiden, nach der recht brutalen Trennung. Die Gebrochenheit des Zirkustigers, die Zerstörungswut des Menschen, deren Angst vor den grossen Tigern oder auch die Beziehung zwischen Jäger und Beute. Man könnte viel in den Film hineininterpretieren. Schlussendlich bleibt aber einfach ein Film, dessen extrem niedlichen Hauptdarsteller jedermann das Herz rauben und somit über inhaltliche Schwächen hinwegtäuschen. Schlussendlich kann man als Fazit angeben, dass Two Brothers natürlich nicht an L'Ours herankommt, aber für Tierfreunde ein herrlicher Film geworden ist, den man versucht ist, mit seinem Kindern zu sehen, von diesem Vorhaben allerdings von mir abgeraten wird. Zwar ist's herzig und niedlich, schlussendlich aber doch recht brutal, hart und für kleinere Kinder wohl eher unverständlich.

4.5 Sterne
4.5 Sterne (17 Bewertungen) | 1 Kommentar

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02.08.2004 / muri