Troy (2004)

Troja

Troy (2004) Troja

Troy

Wolfgang Petersons Verfilmung der Ilias vom griechischen Dichter Homer war als das Kinoereignis vom Blockbustersommer 2004 gehandelt worden. Für Troy fuhr Peterson wahrlich epische Geschütze auf. Ganz dem Flair des Films entsprechend, sollte auch der Score epische Proportionen haben. So kam es überraschend, dass die Wahl auf den Komponisten Gabriel Yared fiel. Yared, welcher für seine eher leiseren Töne bekannt ist (The English Patient, Message in a Bottle, Cold Mountain etc.), spielte seine Komposition mit grossem Orchester, Sologesang von Tanja Tzarovska, vielen älteren, stilistischen Volksinstrumenten und grossangelegter Perkussion ein. Bei einer Testvorführung jedoch wurde seine orchestrale Kreation als "zu altmodisch" befunden und beschlossen, dass ein neuer Score her sollte. Für diesen Job wählte Peterson niemand anders, als James Horner, der mit dem Epen-Genre vertraut ist und mit dem Peterson schon für The Perfect Storm zusammen gearbeitet hatte. Auch James Horner setzte auf eine grossorchestral angelegte Komposition und komponierte eine fast dreistündige Musik, welche mit Chor, Sologesang und einem über 110-köpfigem Orchester eingespielt wurde. Was er kreierte, steht eindeutig hinter Yareds Komposition an, vermag aber stellenweise trotzdem zu überzeugen und - in Anbetracht der kurzen Produktionszeit - positiv zu überraschen!

Der Soundtrack kommt gepflastert mit zahlreichen, horner-typischen Kompositionselementen und für dieses Genre stereotyp gewordenen musikalischen Einfällen daher. Dies drückt ihm von Anfang an den Recycling-Stempel auf! Mit "3200 Years Ago" eröffnet das Album dunkel und brodelnd, jedoch reichlich unspektakulär und soundtechnisch verblüffend ähnlich zu Yareds Auftackt "Approach of the Greeks". Eine vergleichbare offensichtliche Ähnlichkeit findet sich in den Stücken "Hector's Death" (Horner) und "Achilles and Hector Fight" (Yared): beiden Kompositionen liegt das gleiche Konzept zu Grunde. Die Kampfszene wird nur mit Perkussion begleitet und mit Hectors Tod (Horner) setzt der Sologesang von Tzarovska ein. Dieser Sologesang ist seit Gladiator (von Hans Zimmer und Lisa Gerrard) einer der oben genanten Genrestereotypen, welcher in zahlreichen Kompositionen omnipräsent ist. Überhaupt finden sich noch andere Ähnlichkeiten zwischen den beiden Kompositionen, bspw. der trauernd-klagende Sologesang von Tzarovska als Kontrapunkt zu den ersten hektisch-aggressiven Minuten von Trojas Untergang. Dies rührt wahrscheinlich daher, dass sich James Horner während seiner gesamten Arbeitsphase von Yareds Werk "inspirieren" lassen konnte, da Warner und New Line die Rechte an Yareds Score besassen.

In "Troy" leitet Horner dann die erste beeindruckende und vor Energie und Glanz strotzende Fanfare ein. Überhaupt sind es vor allem die kraftvoll komponierten Fanfaren für Bläser, welche durch den ganzen Score hindurch immer wieder aufblitzen und beeindrucken. So geschehen am Schluss von "The Tempel of Poseidon". In der über acht Minuten langen Tour-de-Force "Achilles Leads the Myrmidons" wird uns das Achilles-Thema präsentiert. Dieses kommt bei Horner um einiges triumphaler und glorioser daher als bei Yared (zum erstem mal zu hören in "Achilles Destiny"). Auch wenn es bezüglich dem, von Anfang an dem Untergang geweihten, Charakter von Achilles eher unpassend erscheint, so ist es, verglichen mit Yareds Thema, viel leichter zugänglich und mitreissender, wenn auch facettenärmer. In diesem Stück zeigt sich auch eine erste entscheidende Schwäche von Horners Komposition: das Actionscoring. Wenn auch (oder gerade eben) nach bester Enemy at the Gates-Manier stets vorantreibend, verläuft es sich zu oft im Chaos und wirkt daher schnell mal ermüdend. Dies macht dann auch aus dem langen "The Greek Army and It's Defeat" ein eher schwierig anzuhörendes Stück, mal abgesehen vom kompositionstechnisch interessanten Anfang (stetig schneller werdende Klaviere (vier Stück) als Imitation der voranschreitenden Griechischen Armee, begleitet von bedrohendem Brass und fast schon geisterhaften, schrillen Synthizisern). Hier wäre Yareds musikalische Kampfbegleitung wie in "Battle of the Arrows" oder auch "D-Day Battle" eindeutig eindrücklicher gewesen.

In "Briseis and Achilles" und zuvor kurz in "The Night before" ertönt dann das Liebesthema. Die Ähnlichkeit zum Liebesthema von Stargate, komponiert von David Arnold, ist eher dünn, wenn auch nicht gänzlich von der Hand zu weisen. Das Liebesthema kommt sehr ruhig und routiniert daher. Viel spektakulärer und dramatischer wird es dann später wieder aufgegriffen im imposanten "Through the Fires, Achilles ... and Immortality" und dient dann dem Schlusssong "Remember Me" als melodiöser Rahmen.

"The Trojans Attack" kommt nach der kurzen Verschnaufpause wieder fanfarisch-brachial daher. Sehr schön hier ist das Achilles-Thema, welches sich aus dem orchestralen Actionchaos heraus kristallisiert, um dann, zu Beginn in ganzer Pracht und anschliessend wieder dramatisch, den Tod von Achilles Cousin zu untermalen.

"The Wooden Horse and The Sacking of Troy" begleitet den ersten Teil des dramatischen Untergangs von Troja. Hier ist besonders der Einzug des Trojanischen Pferdes von Horner beeindruckend untermalt worden: Das dramatische Spiel, abwechslungsweise zwischen Trompeten und Brass, wird bei einer Wiederholung mehr und mehr sehr schön mit Streichern angereichert. Diese Minute erinnert von der Kompositionsart her an ältere Werke von Horner und ist sehr gelungen. Der Ausstieg der Trojanischen Krieger aus dem hölzernen Pferd wird dann mit heimtückischen, "fiesen", von oben nach unter verlaufenden Bewegungen in den Streichern untermalt.

Das letzte Stück kommt nochmals überwiegend dramatisch daher und ist eines dieser typischen, langen Schlussstücke von Horner. Erwähnenswert hier ist die Komposition zur Sterbeszene von Achilles, welcher vor den Augen seiner Geliebten, Briseis, vom Trojanischen Prinzen Paris durch einen Schuss in die Achillesferse zum Erliegen kommt. Dieser Schuss in die Ferse erfolgt als choraler Aufschrei (ca. 3:30) und die emotionale Sterbeszene untermalt Horner dann mit typischen Streicherpassagen, welche das Liebesthema nochmals leise wiederholen und es dann zur vollorchestralen Blüte treiben. Was folgt, ist das Achilles-Thema und noch eine erwähnenswerte Streicherpassage (von 8:30 bis 8:55) und anschliessend die End-Credits-Musik, mit welcher Horner das Album typisch ausklingen lässt.

Den finalen Song "Remember Me", gesungen von Josh Groban und Tanja Tzarovska, hätte man sich getrost schenken können. Hier wäre der "End Credits"-Song von Yared, welcher nur von Tzarovska vorgetragen wird, eindeutig stimmiger und ausdrucksstärker gewesen.

Fazit: James Horners und Gabriel Yareds Kompositionen zu Troy wurden in den zahlreichen Internetforen heftig debattiert und Horner hat dabei sein Fett mächtig abbekommen. Mir widerstrebt es jedoch gänzlich, Horners Komposition aus Mitleid und Unverständnis mit Yareds durchaus misslichem Ausscheiden kategorisch zu zerreissen (wie dies vielerorts getan wurde). Die Qualität von Yareds Komposition ist unumstritten. Jedoch muss man Horners Werk als das betrachten, wofür es in sehr kurzer Zeit geschrieben wurde: als Filmmusik für Petersons Troy. Was mich viel mehr stört an der vorliegenden Scheibe, ist nicht die Musik, sondern sind die aufnahmetechnischen Schwächen: Der spezielle Mix sorgt dafür, dass man bei leisen Passagen das Volumen stark hochschrauben muss und wenn dann ein Schlachten-Track durch die Boxen donnert, muss man den Putz an den Wänden neu auftragen und den Notarzt rufen. Auch wenn Horners Komposition Durchhänger hat und stellenweise unoriginell daher kommt, so bietet sie doch auch immer wieder wunderbare Momente und untermalt das filmische Geschehen gekonnt.

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08.06.2006 / bab

Sountrack-Infos

Komponisten
James Horner

Release
Label: WB Music (Warner Bros.)
EAN: 0093624879824

Tracks

01 

3200 Years Ago

02 

Troy

03 

Achilles Leads the Myrmidons

04 

The Temple of Poseidon

05 

The Night Before

06 

The Greek Army and It's Defeat

07 

Briseis and Achilles

08 

The Trojans Attack

09 

Hector's Death

10 

The Wooden Horse and the Sacking of Troy

11 

Through the Fires, Achilles ... and Immortality

12 

Remember Me - Josh Groban & Tanja Tzarovska