Troy (2004)
Troja
Troy (2004) Troja
Oder: Un, Deux, Troy
Helena mit den schönen Wangen war mit König Melenaos vermählt. Als Paris Helena entführte, rief ihr Mann seinen Bruder Agamemnon zu Hilfe, den König über alle Könige Griechenlands. Und vom goldenen Mykene, wo Agamemnon sass im grossen Saal, ertönte der Ruf um Männer und Schiffe. Und von Kreta, Argos und Ithaka, vom Festland und den Inseln wurden die schwarzen Schiffe zu Wasser gelassen. Denn sie mussten Helena mit den schönen Wangen zurückholen und Rache nehmen an Troja, dessen Prinz sie entführt hatte.
Unter den tausend griechischen Kriegsschiffen befand sich auch jenes von Achilles, dem König der Myrmidonen, der mit seinem Cousin Patroklos sich ebenso nach Troja begab, obwohl er gegen Agamemnon grossen Groll hegte. Bald landeten die Griechen an trojanischen Gestaden, und weil Achilles göttergleich den Angriff führte, konnte nicht einmal der titanische Hektor verhindern, dass die Griechen den Strand zügig besetzten.
Als Belohnung bekam Achilles die junge Tempeldienerin Briseis, die als einzige nicht vor ihm ehrfurchtsvoll zu Boden sank. Sie wurde unter seinen persönlichen Schutz gestellt. Als Agamemnon Briseis entführte, weigerte sich Achilles wütend, sein Schwert im Namen des missgünstigen Königs zu führen. Und sobald die Griechen den Helden Achilles nicht mehr auf ihrer Seite hatten, erwiesen sich die Troer als äusserst gefährliche Gegner - es kam zu einer blutigen Konfrontation, die beiden Seiten schreckliche Verluste zufügte.
Kinofilm-Rating
Der deutsche Trailer preist den trojanischen Krieg als "die grösste Schlacht, die je für die Liebe geschlagen wurde" und lockt mit epischen Bildern. Troy darf deshalb den Vergleich mit Schlachten in anderen Sandalenfilmen nicht scheuen. Muss er auch nicht. Gleich zu Beginn stehen sich zwei riesige Heere gegenüber, die aber unverrichteter Dinge abziehen müssen, da der Krieg in einem Zweikampf zwischen den beiden Stärksten der Widersacher ausgetragen wird. Genial wie so mit den Erwartungen des Publikums gespielt wird, um es dann später um so heftiger zu entlöhnen. Troy ist ein Film, der nicht schon vor dem Vorspann allen Bombast ablädt, sondern den Zuschauer warten lässt. Erst nach einer Stunde und 15 Minuten geht es richtig los. Die Kämpfe der Troer gegen die Griechen sind hervorragend choreographiert. 250 bulgarische Athleten und 1000 mexikanische Komparsen legen sich mit den neuesten Computerprogrammen animierten Soldaten ins Zeug. Da bleibt sogar den Göttern die Ambrosia in Halse stecken.
Das andere grosse Ereignis des Films ist Brad Pitt als Achilles. Er ist der faszinierendste Charakter in Troy. Ein ruhmsüchtiger, kaltblütiger Killer, der sich auch von der sanften Seite zeigt. Wem Herr Aniston in Legends of the Fall gefallen hat, wird ihn in Troy lieben. Für Schwule und Kinogängerinnen gibt's noch eine Menge weiterer Herren in kurzen Hosen mit entblössten Oberkörpern. Nicht alle sind so tolle Mannsbilder wie Achilles. Paris aka Orli Bloom ist eine Memme, deren Aktionen manchmal ungewollt komisch erscheinen und Hektor alias Eric Bana, ist durchaus ein gütiger Familienvater, bleibt aber im übermächtigen Schatten von Pitt, der einfach der tollste Hecht ist, der sich je Sandalen umgeschnürt hat. Brian Cox kann ihm als einziger das Wasser reichen. Sein grollender Agamemnon ist eine Freude zuzuschauen und tut der Glaubwürdigkeit des Hahnenkampfs Achilles vs. Agamemnon nur gut.
Die Frauen haben noch nicht viel zu sagen. Homers Verse wurden 800 Jahre vor Christus kolportiert und da waren Heim und Herd noch das Nonplusultra. Vor allem Andromache (Saffron Burrows) leidet und weint, was das Make-Up hält. Die Hildesheimerin Diane Kruger ist eine gute Wahl als Helena, die schönste Frau der Antike. Die Schönheit wurde seltsamerweise so zurechtgemacht, dass sie aussieht, wie die kleine Schwester von Briana Banks - vor der Operation. Vor bald 10 Jahren, bevor sich Amerikaner an ihrem Nachnamen die Zunge verstauchen konnten, machte sie als Diane Heidkrueger noch Werbung für Armani Parfums. Fast gänzlich vom Trailer verschwiegen wurde Briseis, die sich zur wichtigsten Frauenfigur entwickelt im Verlaufe des Films. Von Rose Byrne wird man in Zukunft noch hören.
Schwächen zeigt Troy nur bei den Dialogen. Drehbuchautor David Benioff beweist nach The 25th Hour nochmal, dass er zur Zeit DER Mann in Hollywood ist, für Geschichten mit gespaltenen Männerfiguren jenseits der schwarz-weiss Schemata. Wie man aber Muskelmänner im Sand sprechen lässt, ohne dass es nach druckreifen Soundbites für einen Trailer klingt, weiss er auch nicht. Die Änderungen am Gang der Handlung, wie sie Homer in der "Ilias" vorgesehen hat, sind Benioff verziehen, denn die Geschichte ist trotz der Länge von 160 Minuten in sich stimmig. Den in der griechischen Mythologie wenig Bewanderten, wird vielleicht ein wenig schwindlig während der Exposition, durch Vielzahl an neu eingeführten Figuren.
Allen Altphilologinnen, die auf werktreue Adaptionen pochen, und allen Gymischülern, die denken, Troy gucken reiche, um die Prüfung zu den Alten Griechen zu bestehen, sei gesagt, Troy entlehnt der "Ilias" nur. Nie wird Achilles' Ferse zum Thema. Keine Kassandra ruft. Eris goldener Apfel sät keine Zwietracht. Diese Vor- und Nebengeschichten muss man selber dazudichten. Auf anderes wird verdankenswerter Weise verzichtet: Die Frauen weben nie, die Männer zupfen nie Lyra und die Begräbnisspiele hätten den Film nur unnötig verlängert. Gestorben wird trotzdem. Es trifft aber nicht jeden, der im Originalepos umkommt. Dafür sterben andere, die in der Hexameterfassung munter heimkehren und die Reihenfolge ist auch nicht wie sie im Buche steht. Denn auf aktives Eingreifen der Götter in die Handlung muss in Troy auf beiden Seiten verzichtet werden. Gerne hätte ich Aphrodites Nebelschwaden auf der Leinwand erlebt. Aber die fehlen genauso wie die Chryseis. Briseis wird alleine entführt und beschliesst eigenhändig das weitere Schicksal der Tantaliden, in dem sie der Klytaimnestra zuvor kommt. Schmerzlichst vermisst werden ausserdem Philoktetes' Giftpfeile.
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