Duck Season - Temporada de Patos (2004)

Duck Season - Temporada de Patos (2004)

Oder: Mexixo, mexico! Rarara!

Duck Season - Temporada de Patos

Fertigmischung oder "self made"?

Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse. So ähnlich geht es auch in einer mexikanischen Vorstadtsiedlung zu und her. Dort verlässt eine Mutter an einem Sonntagmorgen ihre zwei Söhne in Richtung unbekanntes Ziel. Die zurückgebliebenen Moko (Diego Cataño) und Flama (Daniel Miranda) sind aber viel zu träge zum tanzen. Sie hängen lieber vor der X-Box und spielen exzessiv Ego-Shooter. Ihr Duell "Bush gegen Bin-Laden" wird nur unterbrochen, um in der Küche für Nachschub an Junk Food und Cola-Cola (das Glas immer schön voll, bitte) zu sorgen. Bis die junge Nachbarin Rita (Daniela Parea) an der Wohnungstür klingelt und mal kurz den Ofen brauchen möchte. Auch der Pizzakurier Ulises (Enrique Arreola) bleibt länger als geplant, weil der Streit um die knapp nicht oder eben doch eingehaltenen Lieferfrist bilateral bockig ausgetragen wird. Ein Stromausfall lässt das Quartett den ganzen Sonntagnachmittag miteinander verbringen: Mit Auswirkungen auf Liebesleben, Drogenerfahrung und Lebensmodell der einen oder anderen Beteiligten.


Kinofilm-Rating

Mitten in Temporada de Patos lässt der mexikanische Regisseur Fernando Eimbcke seine Schauspieler vom Balkon gucken wie die Beatles auf dem Cover des blauen beziehungsweise roten Albums. Wer es selber nicht bemerkt, wird von Rita, der einzigen Frau im Film, auf die Homage hingewiesen. Es sind lauter solche kleinen Einfälle, die den gemeinsamen Sonntagnachmittag zur freudigen Angelegenheit machen. Schwarzweisse Bilder, von einer Kamera eingefangen, die sich nicht bewegt. Unaufgeregt, aber trotzdem quirlig. Überraschend für einen Regisseur, der sich bis anhin mit Videoclips einen Namen machte. Man darf sich gar nicht vorstellen was ein Larry Clark oder ein Mathieu Kassovitz aus dem Stoff um Jugendliche, die in kargen Vorstädten auf sich alleine gestellt sind, gemacht hätten.

Eimbecke macht das Beste aus seinen limitierten Mitteln. Kein asozialer Sumpf aus Drogen und Gewalt, sondern ein kleiner Film über die Schwelle zum erwachsen werden - an die man wehmütig zurückdenkt, oder noch mutig überschreiten muss. Bis auf den Pizzakurier sind alles Novizen des Schauspielfachs. Für die Alltagsphilosophie und die verfluchte Sprache im Film, wären gute Spanischkenntnisse ein nice-to-have. Das must-see ist aber die Tatsache, dass ein tropfender Wasserhahn genauso so spannend sein kann wie virtueller Fussball auf der Spielkonsole. Und wer wissen will, was die Mutter zum Puff in der Küche zu sagen hat, das sich im Verlauf des Films zu türmen beginnt, dem ist auch das must-sit bis nach dem Abspann ans Herz gelegt.

5.0 Sterne
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4.54.5
24.10.2005 / rm