Spanglish (2004)

Spanglish (2004)

Oder: Habla español?

Spanglish

Que pasa?

Flor Moreno (Paz Vega) lebt in Mexiko mit ihrer Tochter Christina (Shelbie Bruce). Vom Mann und Vater verlassen machen die beiden das beste aus ihrem Leben, bis sich die Mutter entschliesst, die geliebte Heimat zu verlassen und in Amerika Fuss zu fassen. Zum ersten Mal in einem fremden Land, müssen die beiden sofort nach der Ankunft feststellen, dass sich in den Nebenstrassen von Los Angeles die Heimat wiederfindet und man auch fern der Heimat sich durchaus Zuhause fühlen kann. Durch diese Umstände lernt Flor auch kein Englisch, denn mit Spanisch kommt man in LA mehr als gut zurecht.

Mit zwei Jobs hält sie sich und ihre Tochter über Wasser und sieht ihre Tochter heranwachsen. Als in einem Restaurant Männer auf die beiden Damen aufmerksam werden, wird Flor etwas bewusst. Sie muss einen Job finden, der es ihr erlaubt, ihre Tochter vor der Männerwelt zu beschützen und der gleichfalls viel einbringt. Sie versucht ihr Glück als Hausmädchen bei einer wohlhabenden, amerikanischen Familie.

Spanglish

Hola, que tal?

Die Claskys sind so eine Familie aus dem Bilderbuch. Äusserlich, auf alle Fälle. Vater John (Adam Sandler) ist ein hervorragender Koch, der zwar seinen Beruf liebt, aber dafür auf keinen Fall auf seine Familie verzichten will und sich von Terminplänen und starren Vorgehensweisen distanzieren will. Als ihm jedoch 4 Gourmetsterne verteilt werden, kommt er in ein Dilemma. Mutter Deborah (Tea Leoni) ist ein unsicheres Wrack von Frau. Immer bemüht, die Beste zu sein, überschreitet sie ihre eigenen Grenzen mehr als einmal und ihre dadurch entstehenden, mentalen Probleme belasten das Familienleben der Claskys ungemein. Die Familie komplett machen Tochter Bernice, Sohn Georgie und Deborahs Mutter Evelyn.

Spanglish

Gourmet?

Der Kulturclash ist unvermeidlich. Was anfänglich mit reinen Sprachschwierigkeiten noch für Gelächter in der Familie sorgt, entwickelt sich langsam aber sicher zum familiären Desaster. Und als Flor ihre Tochter auch noch in die Familie integrieren soll, da der Wohnsitz verlegt wird, spitzen sich die Situationen zu. Der Vater fühlt sich je länger je mehr zur Haushälterin hingezogen. Diese sieht ihre Tochter mit der Mutter entschwinden, die sie mit materiellen Gütern überhäuft, die die Kleine bis jetzt noch nicht kannte. Die Mutter findet in dem herzigen mexikanischen Mädchen eine Tochter, die sie verwöhnen kann, anstatt sich um die eigenen Kinder zu kümmern. Tochter Bernice würde ihre Mutter so dringend brauchen, hat aber keine Chance, an sie heranzukommen. Und als dann auch noch aussereheliche Verhältnisse ans Licht kommen, wird sich in dieser einen Nacht entscheiden, wohin die Wege dieser Menschen führen wird.


Kinofilm-Rating

Komödien mit fremden Kulturen waren ja schon immer erfolgreich. Mit Filmen à la My Big Fat Greek Wedding macht man Kasse. Die Witze ergeben sich fast von alleine und wie kann man doch auflachen, wenn auf der grossen Leinwand in die verschiedenen Fettnäpfchen getreten wird oder sich ein sprachliches Wirr-Warr ergibt. Bei Spanglish ging ich mit eben genau diesen Erwartungen in den Film und bekam natürlich auch das oben genannte. Aber dazu noch viel mehr.

Anfänglich beschränkt man sich zwar auf eben diese angesprochenen Witzchen. Damit wird das Publikum aufgeheitert und lachen ist ja bekanntlich sehr gesund. Die Probleme kommen hier auf leisen Sohlen. Sie werden angedeutet, geben sich aber erst dann richtig zu erkennen, wenn's schon fast zu spät ist. Und es ist nicht nur die eine Familie, die um ihr Überleben kämpfen muss, sondern auch die Mutter/Tochter-Beziehung leidet unter den veränderten Umständen. Auch hier muss sich zeigen, in welche Richtung das Leben dieser beiden mexikanischen Frauen geht.

Als ich den Cast las, erstaunte mich der Name von Adam Sandler. Der Hau-drauf-Komiker, der sonst bekannt für seine oberflächlichen Filme die meist zwischen Witz und Blödsinn pendeln, soll hier eine ernstere Rolle spielen? Okay, das hat er in Punch Drunk Love schon gut gemeistert, aber dennoch verflog meine Skepsis nicht vollständig. Absolut grundlos, wie sich nach der Sichtung des Filmes herausstellte. Denn Adam Sandler kann wirklich auch in einer solchen Produktion überzeugen. Zwar mag der etwas naive, grundnette und plumpe Charakter nicht gerade "the ultimate Challenge" sein, aber er wird gut dargestellt.

Tea Leoni (ihres Zeichens Ehefrau von unser aller Lieblings FBI-Agent Fox Mulder aka David Duchovny) hat da schon mehr zu leisten. Ihre Performance der unsicheren Ehefrau, die soviel wollte und schlussendlich mit sich selber so unzufrieden ist, bietet Platz für gutes Schauspiel, dass mich auch positiv überrascht hat. Ich hatte Tea Leoni zum letzten Mal im schwachen Jurassic Park 3 gesehen. Doch wenn sie weiterhin solche Leistungen hinlegt, könnte das wirklich noch was werden mit der Schauspielkarriere. Ebenfalls auf gutem Weg zu einer solchen ist natürlich Paz Vega, der mexikanische Sonnenschein des Filmes. Sie kommt sehr sympathisch rüber, sieht sehr gut aus und ihr rollendes "Florrrrrrrr" könnte erotischer kaum sein. Ihr Charakter, eigentlich die Hauptfigur des Filmes, ist glaubwürdig und natürlich. Dass es auch mit ihr gegen Ende noch zu Komplikationen kommt, ist wohl oder übel dem Drehbuch anzuhängen.

Fazit: Spanglish macht den Anschein einer Gute-Laune-Komödie, die sie aber schlussendlich nicht ist. Zwar ists zugegebenermassen lustig, wenn sprachliche Differenzen auf Grossleinwand zelebriert werden. Es macht den Film aber besser, wenn zusätzlich dazu noch ernstere Themen angegangen werden und die Schauspieler allesamt sehr gut in ihre Rollen passen und darin überzeugen. Dass es auch hier ohne Makel nicht geht, zeigt sich vor allem in den Szenen, die nicht enden wollen oder die sich wiederholen. Ebenso verursachen die eine oder andere Entwicklung doch schon Kopfschütteln. Trotzdem hat mir der Film überraschend gut gefallen und ich würde vor allem Adam Sandler mehr solcher Rollen wünschen. Denn nur hier kann er zeigen, dass er mehr kann als rumhampeln und den Blödi spielen.

3.9 Sterne
3.9 Sterne (48 Bewertungen) | 2 Kommentare

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26.02.2005 / muri