Sideways (2004)
Sideways (2004)
Oder: In Vino Veritas
Für Miles (Paul Giamatti) ist Jacks bevorstehende Heirat Anlass für eine Weinreise in die kalifornische Provinz. Er will zusammen mit seinem alten College-Freund Jack (Thomas Haden Church) noch ein letztes Mal mit gutem Essen, Golf und Faulenzen das Junggesellenleben geniessen. Miles, der als unmotivierter Englischlehrer und erfolgloser Schriftsteller ein eher tristes Dasein hegt, trauert nach 2 Jahren immer noch um seine Ex-Frau. Zudem ist er psychisch labil und neigt zu übermässigem Alkoholkonsum. Im Gegensatz dazu hat sein Kumpel Jack, der zwar mit Werbejobs auch auf dem beruflichen Abstellgleis seiner Schauspielerkarriere steht, ganz andere charakterlichen Eigenschaften: Er lebt nach dem Spassprinzip und grübelt nicht an jeder Kleinigkeit herum.
Auf ihrem Trip treffen sie in einem Restaurant auf die entzückende Bedienung Maya (Virgina Madson), die sich eindeutig zum Weinkenner Miles hingezogen fühlt. Miles ist jedoch weniger begeistert und muss sich von Jack, der in jeder Frau ein Sexobjekt sieht, eine Belehrung anhören. Bereits am nächsten Tag macht Jack auf einem Weingut mit Stephanie (Sandra Oh) Bekanntschaft. Er ist hellbegeistert von ihr und unterbreitet ihr gleich eine Einladung zum Essen. Da Stephanie die Freundin von Maya ist, kommt es am folgenden Abend zum Vierer-Date. Für Jack ist dieser Abend der Beginn einer wilden Affäre, während sich Miles mit Maya, auch eine Weinkennerin, auf lange Dialoge über das Weintrinken einlässt.
Doch die vielversprechende Urlaubsromanze ergibt sich daraus für alle Beteiligten nicht. Während sich Miles mit seinen Gefühlen nicht so richtig im Klaren ist, erfährt Jack am eigenen Leib, was es heisst, wenn ein Freund nicht dichthält.
Kinofilm-Rating
Der Film enthält keine besonders spektakulären Aufnahmen oder gar Actionszenen. Die einzelnen Szenen beschränken sich auf das Wesentliche und erscheinen sehr natürlich - aus dem Leben gegriffen. Der Fokus richtet sich auf den Mensch und sein Umfeld. Miles, Jack, Maya und Stephanie heissen die Hauptfiguren und sie alle bringen der Story ihre ganz persönliche Note ein. Unterschiedlicher könnten die Charakterzüge nämlich kaum sein und dennoch verbindet sie etwas. Offensichtlich ist es der Wein, aber auch die Suche nach Glückseeligkeit, Abenteuer und Zweisamkeit.
Regisseur Alexander Payne gelingt es, Sympathien zwischen den Filmfiguren und dem Publikum aufzubauen, da man ihnen folgt und von Situation zu Situation etwas näher kommt. Besonders die schauspielerische Leistung von Paul Giametti alias Miles (bekannt aus American Splendor) ist herausstechend, wobei er als tragische Figur den Zuschauer auf eine emotionale Achterbahn entführt. Auf der einen Seite ist er zum Lachen komisch, auf der anderen Seite bekommt man fast Tränen in den Augen, weil er uns so mitleiden lässt. Er beweist seinen Tiefgang unter anderem im Gespräch mit Maya, der Wein dient als Metapher für das Leben. Gerade in dieser romantischen Szene möchte man Miles am liebsten mitteilen, dass er "seine" Maya nun endlich küssen soll. Parallel dazu fährt Jack eine kompromisslose Aufreissertour, die ihn in verzwickte Situationen bringt, aus denen er von selber natürlich nicht wieder rauskommt. Auch er spielt seine Rolle grossartig, so kann er sich auf einen Schlag vom Macho zum armen, hilflosen Opfer verwandeln.
Der Streifen kann als echter Leckerbissen bezeichnet werden, nicht nur für Independent-Freaks und Weinliebhaber.
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4.9 Sterne (78 Bewertungen) | 26 Kommentare



