Shall We Dance? (2004)

Darf ich bitten?

Shall We Dance? (2004) Darf ich bitten?

John Clark (Richard Gere) hat einen Traumjob, eine charmante Ehefrau (Susan Sarandon) und eine Familie, wie aus dem goldenen "Truckli". Dennoch fühlt er, während er täglich mit der Metro pendelt, dass ihm etwas Wesentliches im Leben fehlt.

Shall We Dance?

"Ihr Mann...

Jeden Abend sieht er auf seinem Heimweg eine bezaubernde junge Frau (Jennifer Lopez), die mit verlorenem, sehnsüchtigem Blick durch das Fenster ihres (oder?!) Tanzstudios blickt. Verfolgt von diesem Bild, steigt John eines Abends plötzlich aus der Bahn und meldet sich für einen Tanzkurs an, in der Hoffnung, "ihr" - Paulina - zu begegnen. Doch seine Impulsivität scheint ihm kein Glück gebracht zu haben: Denn erstens ist seine Tanzlehrerin nicht etwa die schöne Paulina, sondern die ältere Miss Mitzi (Anita Gillette), und zweitens stellt sich John auf der Tanzfläche ziemlich unbeholfen an. Und als er Paulina endlich trifft, serviert sie ihn eiskalt ab: Er solle sich - wenn schon - aufs Tanzen, nicht auf Flirts mit ihr, konzentrieren.

Shall We Dance?

... tanzt mit Männern...

Doch als John seine Tanzstunden weiter besucht, sieht er, dass ihn das Tanzen mehr anzieht, als die schöne Paulina. John erzählt niemandem von seiner neue Passion; weder der Familie, noch seinen Mitarbeitern. Er geht sogar so weit und trainiert wie verrückt auf Chicagos grössten Tanzwettbewerb hin. Und dieser männliche Einsatz hat auch einen positiven Effekt auf Paulinas Entwicklung, deren Freude am Tanzen wieder zu blühen beginnt.

Shall We Dance?

... oder ähnlich..."

Je weniger Zeit aber John mit seiner Familie verbringt, desto misstrauischer wird seine Frau. Sie stellt einen Detektiv an, um eine mögliche Affäre ihres Mannes aufzudecken. Um seine Passion geheim zu halten und seinen Traum zu verwirklichen, muss John mehr als nur eine verrückte Schrittkombination ausknobeln.


Kinofilm-Rating

Wer kennt den preisgekrönten 1996er Film Shall we dansu? vom japanischen Filmschaffenden Masayuki Suo? Oder wer kennt Shall We Dance von anno 1937 mit Fred Astaire und Ginger Rogers - dem tanzenden Traumpaar auf Leinwand schlechthin - in den Hauptrollen? Und wer kennt Shall We Dance?, die 2004er Tanzromanze mit der einen oder anderen köstlich komödiantischen Einlage? Nun, wer über letzteres Movie mehr erfahren möchte, der lese hier und jetzt weiter... über den kann ich etwas verzapfen. Über die zwei anderen (noch) nichts.

Mit beinahe Nullprozent Erwartungen (bis auf diesen: nämlich den trainierten Tanzpo von Jennifer Lopez von links nach rechts und wieder zurück über die Leinwand stolzieren zu sehen) setzte ich meinen unmusikalischen Hintern in den gemütlich gepolsterten Ballroom-Sessel und zückte meinen Notizblock. Folgende kritische Sätze durchkreuzten meinen Kopf während Mr Richard Gere tänzelnd den von Muse Lopez wachgeküssten Hengst mimte:

Auf den ersten Blick kommt Shall We Dance? als amerikanischer Comedy-Kitsch mit Starbesetzung daher. Und oh weh! Dem Schönling und Dalai Lama Freund Richard Gere wird vor lauter Close-Ups, die ihm nicht immer zuträglich sind, zu wenig Platz zum Körpereinsatz gespendet; da wurde teilweise oben und unten etwas Gere abgeschnippselt... mind that while you watch! Was Gere in der Nahaufnahme als nur durchschnittlichen Mimiker demaskiert, lässt hingegen Susan Sarandon brillieren. Diese Dame überzeugte mich mit ihren Augen, ihrem weiblichen Charme und einem (aber nicht zu!) tiefen Dekolleté als skeptische Ehefrau erneut; sie ist und bleibt eine der besten Schauspielerinnen der USA! Zusammengefasst darf man aber nicht erwarten, mit Shall We Dance? viel schauspielerisches Können vorgeführt zu kriegen...

... vielmehr darf eher mit einer Dirty Dancing Adaption für die reiferen Generationen gerechnet werden. Es geht aber - im Vergleich zur Kultstory um Johnny und Baby - vorliegend nicht primär um Dance, Sex and Holidays, sondern um Standardtänze, Familienliebe und wiederentdeckte Lebensfreude. Derart kommt die soundtechnisch sehr ansprechende Bewegungspfuntzel daher: als im Ansatz religiös anmutende Hommage an eine von vielen Möglichkeiten, sich paarweise zu einschlägigem Geträller übers Parkett zu schleudern. Jawohl! Ein Tanzfilm für diejenigen Ehepaare, deren gemeinsamer Weg in Richtung Langeweile abdriftet.

Auf den zweiten Blick geht es - so Gott will - um mehr als nur den üblichen Ami-Quatsch, der mir allmählich die Haare auf den Zähnen zu Berge stehen lässt. Unter dem Motto "Jedes (arme) T(r)öpfchen findet früher oder später sein Deckelchen" verzauberte mich die Story beinahe. Darf ich bitten? zu einem sogenannten Wohlfühlfilm mit mehreren Schmunzel- und Lacherszenen, den niemanden vermissen würde, gäbe es ihn nicht (mehr)?

Die eine Szene, in der die Lopez mit dem Gere den nächtlich beschimmerten Tanzraum zum erotisierendsten Übungsparkett der letzten Monate werden lässt, ist es wert, gesehen zu werden. Das Licht, die Musik - der Geheimtipp des gesamten Werkes - sowie die knisternden Bewegungen des Tanzpaares 2004 liessen die beiden Akteure durchaus passend rüberkommen. Und *pluff* endet die Traumszene auch wieder fix wie ein irgendwas-Latein-Ausdruck.

Fazit: Soundtrack empfehlenswert, eine Szene mit tanztechnisch sehr spannend choreographierten Schritten sowie einem soliden Cast. Bestimmt nicht Richard Geres beste Rolle; mit einem Tipp an ihn, Close-Ups mit etwas mehr mimischen Feedback zu gestalten. Und, bevor ich's vergesse... La Lopez-Gesäss zieht den Blick auf sich ;)!

3.5 Sterne
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04.10.2004 / nd