Saw (2004)

Saw (2004)

Oder: "Congratulations, you survived."

Saw

Die Flecken gehen sicher nicht mehr raus.

Adam (Leigh Whannell) und Dr. Lawrence Gordon (Cary Elwes) kennen sich nicht. Umso seltsamer, dass die beiden sich in einem saumässig dreckigen Keller in Gesellschaft einer männlichen Leiche mit Kopfschuss und einem verstopften Klo wieder finden. Je in einer anderen Ecke an ein Heizungsrohr gekettet wundern sie sich erstmal, wie sie in dieses Loch gekommen sind.

Saw

Wenn Klingeltöne nerven

Es heisst "Wie? Weshalb? Warum? Warum ist die Leiche stumm?", bis der schlaue Dr. merkt, dass die Uhr in anbetracht der restlichen Armaturen im Raum, doch einen ziemlich fabrikneuen Eindruck macht. Da will wohl einer sicherstellen, dass die beiden die genaue Uhrzeit mitbekommen. Dieser auf die Pünktlichkeit bedachte, nicht sonderlich liebenswerte Mitmensch ist der Serienmörder Jigsaw, der sich einen Spass daraus macht, Menschen in ausweglos scheinende Situationen zu bringen, wo sie nur rauskommen, wenn sie sich gegenseitig umbringen.

Die Gemahlin und das Töchterchen des Doktors sind deshalb auch schon im Jigsaws Gewahrsam und Dr. Gorden hat sechs Stunden Zeit, seinen tempöraren Zellengenossen das Zeitliche segnen zu lassen. Erstmal muss er aber von der Kette loskommen. Die Sägen, die Adam und Dr. Gordon finden, wären sicher hilfreich. Leider durchschneiden diese kein Metall...


Kinofilm-Rating

Die Entstehungsgeschichte von Saw tischt mal wieder das Märchen vom Filmstudenten auf, der für alle überraschend einen Blockbuster landet. Eine selbstgebrannte DVD mit ein paar Horrorfilmszenen aus Australien soll in Hollywood die Runde gemacht haben und begeisterte Produzenten mailten nur noch ein Wort zurück ans andere Ende der Welt: "Wow!"

"Au", sagt der Zuschauer manchmal, weil er visuell an die Schmerzgrenze geführt wird, durch die Foltermethoden, die im Film das Sterben im schnellen Vorlauf zelebrieren. Öfter aber leidet der Zuschauer wegen den grottenschlechten Schauspielern und nicht mit ihnen. Danny Glover hätte wohl besser gesagt, er sei "too old for this shit". Das Böögenkind Monica Potter spielt wie immer das blonde Anhängsel. Das Wiedersehen mit Dina Meyer (Starship Troopers) gibt wenig Anlass zur Freude, weil die beiden Herren im versifften Badezimmerplättliverliess, im doppelten Sinne unterirdisch sind. Gut das Drehbuch gibt ihnen nur das offensichtliche zu sagen. Wenn sie aber endlich so gepeinigt sind, dass es mimisch etwas zu tun gäbe, wirkt es lächerlich. Cary Elwes agiert weinerlich statt verängstigt und der Unterschied von Leigh Whannels gefaktem Tod zu seinem sonstigen Gebären ist minim.

Saw hat auch nicht wirklich einen Plot. Seicht wie eine Pfütze Blut verbindet der Film Skizzen von Grausamkeiten, die zwei übermütige Special-Effects-Freaks als tricktechnisch machbar zusammengetragen haben. Ein schwacher Plot ist ok, wenn der Film wie The Grudge Angst machen würde. Aber Saw ist eben nicht mal "gfürchig". Vor allem nicht der Clownkopf, der aussieht wie ein weiss angemalter Apfel. Seine Stimme hätte ruhig auch ein bisschen weniger blechern klingen können. Nicht einmal ein paar ordentliche Jump Cuts bringt der Film zu Stande.

Saw ist ein billiger Se7en-Abklatsch mit dödeligem Ende, das weder plausibel ist, noch irgendetwas, das im Film passiert, richtig erklärt. Was sollte die Affäre mit der Arztgehilfin? Wie bitte heilt Folter eine Drogensucht? Saw hat eine effektive Marketingkampagne, aber keinen richtigen Film dazu. Die beiden australischen Filmstudenten haben nicht gecheckt, dass das Böse im Kino nicht cool ist, wenn es brutal vorgeht, sondern wenn es Intelligenz mit Grausamkeit vereint. Das war das Faszinierende an John Doe in Se7en und Hannibal Lector. Jigsaw, wie der Mörder hier genannt wird, ist zwar ein einfallsreicher Tüftler, aber ansonsten blöder als der durchschnittliche Konsument solcher Filme. Allzu helle Köpfe können diese nicht sein: Alle schriftlichen Hinweise in Saw müssen laut vorgelesen werden.

4.4 Sterne
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11.03.2005 / rm