Saving Face (2004)
Saving Face (2004)
Oder: My Big Gay Chinese Wedding?
Die Karriere der jungen Chirurgin Wil (Michelle Krusiec) befindet sich auf der Überholspur. Sie arbeitet erfolgreich in Manhattan, sieht gut aus - und ist lesbisch. Nur der Traditionen verpflichteten Mutter wegen schwimmt sie sporadisch im chinesisch-amerikanischen Gen-Pool im New Yorker Vorort Flushing, wo die Mandarin-Glucken ihre Kupplungsversuche starten. Denn eigentlich ist Wil immer noch "in the closet", weil sie ihrer Familie die "Schande" noch nicht antun will.
Ganz anders die Balletttänzerin Vivian (Lynn Chen), in die sich Wil gerade verknallt hat. Ihre Eltern haben keine Probleme mit dem lesbisch sein des Nachwuchses. Eher damit, dass sie nach ihrer klassischen Ausbildung, vermehrt moderne Tänze tanzen will. Vivian hingegen stört sich daran, dass sich Wil nicht so recht für sie committen will und kann. Denn einerseits ist der Assistenzarzt-Job ziemlich stressig, andererseits ist auch Wils Mutter gerade wieder bei ihr eingezogen. Denn die wurde als langjährige Witwe erneut schwanger und bringt so die viel gelobte Familienehre gleich selber aus dem Lot.
Kinofilm-Rating
Saving Face kam zwar ins Programm vom schwul-lesbischen Filmfestival Pink Apple, die Homosexualität der süssen Hauptdarstellerin ist aber nur eines von vielen kleinen Problemchen, die an den chinesischen Traditionen kratzen. Wie so oft im Film ist Singlefrau sein mit konservativen Erzeugern im Nacken meist noch mühsamer als einfach nur Singlefrau zu sein. Wer den spassigen Indiefilm von Alice Wu, die darin ihr eigenes Coming-Out auf witzige Art verarbeitet, aber einfach als "My Big Gay Chinese Wedding" ablegt, tut ihm unrecht. Zuallererst sind die Chinesen ein ganzes Stück sympathischer als die derben Griechen aus dem RomCom-Hit und die lesbische Nebenhandlung peppt das ganze zusätzlich auch mit neckischen Bettszenen auf.
Ziemlich cool ist das Wiedersehen mit Joan Chen, der Chinesin aus Twin Peaks, die hier fast komplett in Mandarin die dauernörgelnde Mutter gibt. Wie die meisten Figuren im Film, erscheint sie am Ende in den Szenen, die stark an The Graduate erinnern, ganz anders als man es erwartet hätte. Chen und alle anderen Mimen machen Saving Face zum charmanten Feel Good-Geheimtipp, den man sich auch als heterosexueller Weisser auf DVD angucken sollte.
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