Les Rivières pourpres 2 - Les anges de l'apocalypse (2004)

Die purpurnen Flüsse 2

Les Rivières pourpres 2 - Les anges de l'apocalypse (2004) Die purpurnen Flüsse 2

Oder: Ein Buch, die Welt zu knechten

Es ist was faul im Staate Frankreich: Jesus am Kreuz fängt an zu bluten, ein Mönch wird bei lebendigem Leib eingemauert und seltsam gesichtslose Männer in Kutten tauchen auf. Ein Fall für Komissar Niemans (Jean Reno), erfahrener Hüter des Gesetzes und Spezialist für mysteriös-mythische Fälle. Zusammen mit seinem jungen Kollegen Reda (Benoît Magimel) nimmt er die Spur auf und versucht, Licht in die dunkle Angelegenheit zu bringen.

Les Rivières pourpres 2 - Les anges de l'apocalypse

Während Reda bereit ist für den Sprung in die Tiefe...

Keine leichte Aufgabe, wie sich bald herausstellt. Nicht genug damit, dass die bekutteten Killer den beiden Polizisten stetig eine Nasenlänge voraus sind und ihre Opfer auf bestialische Weise abmurksen - die Mönche scheinen auch noch mit übermenschlichen Kräften ausgestattet zu sein und lassen sich weder von Kugeln noch sonst etwas stoppen. Das einzige überlebende Opfer, ein Mann, der Jésus (Augustin Legrand) heisst und auch so aussieht, befindet sich im Dauerdelirium und brabbelt unverständliche Dinge vom nahenden Ende der Welt.

Les Rivières pourpres 2 - Les anges de l'apocalypse

... ärgert sich Niemans über sein kaputtes Auto.

Niemans und Reda suchen Hilfe bei der Religionsspezialistin Marie (Camille Natta) und allmählich dringt etwas Klarheit in die verworrene Geschichte: Die mordenden Mönche - die Engel der Apokalypse - sind offenbar hinter einem bedeutungsvollen Siegel her. Ein Siegel, dass den Zugang zu einem von Gott persönlich geschriebenen Buch ermöglicht - ein heiliges Dokument von unschätzbarem Wert. Dem Trio schwant Böses.

Mit vereinten Kräften machen sie den Träger des Siegels ausfindig. Die apokalyptischen Engel sind allerdings ebenfalls zur Stelle...


Kinofilm-Rating

Auch Engel können Böses wollen...

All jenen, die sich bei obiger Inhaltsangabe irritiert den Kopf gekratzt und die Stirn gerunzelt haben, sei versichert: Die Story ist kompliziert. Gleichzeitig kann aber auch angefügt werden: Wer die Geschichte nicht schnallt, muss sich deswegen keine Sorgen machen - der Inhalt ist zweitrangig und nicht weiter wichtig.

Was zählt in Les Rivières Pourpres 2 - Les anges de l'apocalypse sind schweisstreibende Verfolgungsjagden, Prügeleien, übel zugerichtete Leichen und dann und wann ein lockerer Spruch. Das ist überhaupt nicht negativ gemeint, im Gegenteil: Der Film ist düster, sehr spannend und die schwächer benervten unter den Zuschauenden kommen punkto Schreckmomente ordentlich auf ihre Kosten. Jean Reno (Léon, Tais-toi) ist als Komissar Niemans wenn nicht gerade tiefgründig so doch sehr abgeklärt und seine schöne tiefe Stimme ist ein echtes Lauscherlebnis. Benoît Magimel (La Fleur du Mal), als Heisssporn Reda mehr für die Actionszenen zuständig, macht seine Sache ebenfalls gut und Monsieur le Bösewicht Christopher Lee (The Lord of the Rings) kann auch in einem Kurzauftritt und ohne langen weissen Kleider sehr glaubhaft einen bösen Buben darstellen.

So weit, so gut. Aber selbst die spannendste Geschichte kann ohne Inhalt nicht überleben. Und die Geschichte, die Drehbuchautor Luc Besson (The Fifth Element) dem Zuschauer auftischt, ist inhaltlich nun einfach wirklich komisch und wird im Laufe des Films immer absurder. Da ist zunächst einmal diese obskure Jesus-Sekte, bei der alle gleich aussehen und gleich heissen wie die Apostel. Die Sektenjünger sind irgendwie in eine Geschichte verwickelt, die auf König Lothar II zurückgehen soll, und deshalb werden sie von den Mördermönchen gleich reihenweise eliminiert. Die Mördermönche ihrerseits - Gestalten, die aussehen wie Ringwraiths (aus Lord of the Rings) und kämpfen wie Neo und Trinity (aus Matrix) - dienen einem aristokratischen Grössenwahnsinnigen, der... - ja eben, was will er denn eigentlich, der böse Heimmerich?

Man muss es Regisseur Olivier Dahan (Déjà Mort) lassen: Auf der Grundlage dieser abstrusen Story hat er einen insgesamt sehr spannenden und atmosphärischen Film gedreht. Die Bilder sind stimmig, die Schauspieler passen. Hätte er doch nur noch etwas mehr Energie für das Ende aufgewendet - und von Luc Besson ein etwas seriöseres Skript verlangt. So schafft Les Rivières Pourpres 2 den Schritt vom spannenden aber gewöhlichen Actionmovie zum aussergewöhlichen Filmspektakel leider nicht. Quel dommage!

3.5 Sterne
3.5 Sterne (57 Bewertungen) | 13 Kommentare

4.0 Sterne4 von 0.0-6.0
19.05.2004 / rs