The Polar Express (2004)
Der Polarexpress
The Polar Express (2004) Der Polarexpress
Oder: Weihnachten als Achterbahnfahrt
Gibt es den Santa Claus (Tom Hanks) wirklich? Ein amerikanischer Bub (Tom Hanks) ist sich da nicht mehr so sicher. Er hortet Beweismaterial, welches auf das Gegenteil schliessen lässt. Und wie seine Eltern am Heiligabend die kleine Schwester ins Bett bugsieren, kommt ihm ziemlich gspässig vor. Er stellt sich deshalb schlafend und will in der Nacht vor Weihnachten dem Santa auflauern. Als ein langer Zug mit einer herrlich altmodischen Lokomotive unter lautem Getöse genau vor seinem Haus halt macht, wird sein Plan aber erst mal nebensächlich.
Der Zug hat den Nordpol zum Ziel und den Jungen auf der Passagierliste. Das erklärt der schnauzbärtige Kondukteur(Tom Hanks), der aber nicht allzu viel Zeit hat, denn die Pünktlichkeit ist seine Tugend. Im Morgenrock, die Füsse im Schnee, entschliesst sich der Junge nach kurzem Zögern für das Abenteuer per Eisenbahn. Er merkt bald, dass er nicht das einzige Kind ist, das mit durfte. Ein nettes Mädchen nimmt ihm die erste Furcht und eine geschwätzige Brillenschlange erklärt, um welche Loki es sich handelt.
Bald heisst es auch "Alle Billete vorweisen!". Hat der Junge eins gelöst? Kommt der Zug rechtzeitig in die Arktis ohne ein Rentier anzufahren? Und was hat es mit dem Clochard auf dem Dach des Zuges (Tom Hanks) auf sich? Das alles und auch die Frage nach der Existenz des Weihnachtsmannes werden bald im Kino geklärt werden.
Kinofilm-Rating
In der Adventszeit braust jeweils ein Truck einer sehr bekannten braunen Brause zuerst durch die Glotze und dann auch durch die Schweizer Städte. Wer sich beim Bild dieses beleuchteten Brumis in der Schneelandschaft auf Weihnachten freut wie der SVP-Politiker Ulrich Giezendanner ganzjährlich über jegliche Arten von Lastwagen, der wird auch am The Polar Express seine Freude haben. Das Fortbewegungsmittel ist in diesem Film zwar schienentauglich aber der Kitschfaktor dafür genau so hoch.
The Polar Express basiert auf einem Bilderbuch von Chris Van Allsburg. Die Mischung aus magischen Geschichten mit realistischen Bildern aus seinen Büchern eignet sich hervorragend für Verfilmungen. Vor allem die grossen Tricktechniker, die alle kleine Spielbergs sein wollen, lecken sich die Finger. Eines von Van Allsburgs früheren Werke, Jumanji, wurde schon 1995 von Joe Johnston verfilmt. Damals waren die Computeranimationen noch ziemlich neu und aus heutiger Sicht schon wieder ziemlich veraltet. Knapp zehn Jahre später ist man bei den CGI-Effekten ein paar riesige Schritte weiter und The Polar Express ist ein weiteres Beispiel für diese rasante Entwicklung. Robert Zemeckis, ein Jünger von Steven Spielberg, hat sich mit diesem Film den Traum verwirklicht, von Schauspielern nur noch die Stimme benutzen zu müssen. Wie bei der Game-Adaption Final Fantasy sind alle Bilder aus The Polar Express komplett am Computer entstanden. Zemeckis bleibt sich dabei selber treu. Seine Filme (Who framed Roger Rabbit, Back to the Future oder Forrest Gump) leisteten in Sachen Tricks immer wieder Pionierarbeit.
Auch The Polar Express bietet in dieser Hinsicht Atemberaubendes. Kino wird als Achterbahnfahrt zelebriert, fast zu oft im wörtlichen Sinne. Wie immer bei Zemeckis steht die Kamera selten still und einmal folgt man einem goldenen Ticket, das durch die Luft gewirbelt wird wie die Feder in Forrest Gump, und es bleibt einem nur noch das Staunen. Bei den "Menschen" ist eine Verbesserung im Vergleich zu Final Fantasy zu sehen. Was die Konkurrenz von Pixar in The Incredibles immer noch vermeidet, das Darstellen des richtig proportionierten Menschen in seiner natürlichen Umgebung, wird in The Polar Express bei den Szenen des Jungen im Schlafzimmer nah an der Perfektion geboten. "Performance Capture" nennt sich diese neuste Form der CGI und ist teilweise wirklich sehr glaubhaft. Bei der Haut und vor allem den Augen "menschelt" es aber immer noch viel zu wenig. Die Figuren sind ein bisschen "creepy" im Sinne von seelenlos. Was auch die Frage aufwirft, wie die ganz Kleinen auf das Werk reagieren werden. Und weshalb nicht gleich mit richtigen Menschen drehen, wenn einer der Jungen wie Dewey aus Malcolm in the Middle aussieht und man auch immer Tom Hanks in die verschiedenen Figuren einfliessen lässt? Ob Haley Joel Osment wohl langsam zu alt wird?
The Polar Express bleibt trotz aller technischer Perfektion zuckersüsser amerikanischer Kitsch mit wohlwollender Moral von der Geschicht am Ende. Trotz seltsam Unpassendem wie einem Kurzauftritt von Aerosmith-Sänger Steven Tyler und dem von Heerscharen von Elfen erwarteten Erscheinen von Santa, das Leni Riefenstahl mit Stolz erfüllen würde. Es hat zudem eine völlig unnötige Szene mit altgedienten Spielsachen, die nichts zur Geschichte beiträgt und schlicht nur "gfürchig" ist und nicht so vorkommen sollte in einem Film für Kinder.
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