Oh Happy Day (2004)
Oh Happy Day (2004)
Oder: dänischer Gospel
Irgendwo, in einem unscheinbaren Örtchen in Dänemark. Ein kleiner gemischter Chor singt in der Dorfkirche "Es ist 'was faul im Staate Dänemark". Der verdächtigende Liedtext erweist sich als prophetisch. Am Ende der Probe gibt der Dirigent bekannt, dass er eine andere Aufgabe angenommen hat und deshalb den Chor nicht weiter leiten kann. Als Nachfolgerin ernennt er Kirsten (Ditte Hansen), nicht gerade zur einhelligen Begeisterung der anderen Chormitglieder.
Dem unerfreulichen Führungswechsel zum Trotz bleiben Hannah (Lotte Andersen) und Grethe (Ditte Grabol) im Chor. Zu sehr lieben sie die Musik. Als eine professionelle Gospelgruppe in der Dorfkirche ein Konzert abhält, sind die beiden Frauen einer Ekstase nahe. Hannah ist auf dem Heimweg noch dermassen in der Erinnerung an den Gesang versunken, dass sie - ohne Licht mit dem Velo unterwegs - beinahe mit einem Reisebus zusammenstösst. Der Car kann im letzten Moment ausweichen. Bei dem heftigen Schwenker wird jedoch ein Passagier verletzt.
Es stellt sich heraus, dass der Verletzte ausgerechnet der Dirigent des Gospelschors ist. Hannah und Grethe besuchen Moses Jackson (Malik Yoba) im Spital. Obwohl er ziemlich knurrig auf den Besuch reagiert, erzählt im die vorlaute Grethe von ihrem kleinen Dorfchörlein und lädt Jackson ein, sie bei den Proben zu besuchen. Hannah, der Unfallverursacherin, ist die Situation furchtbar unangenehm.
Jackson taucht dann unerwartet tatsächlich bei den Proben in der Kirche auf. Der charismatische Prediger wird von den Chormitgliedern mit Begeisterung aufgenommen. Als Kirsten, die über den Besuch gar nicht erbaut ist, wütend einen Abgang macht, wird Jackson stillschweigend zum neuen Chorleiter erkoren. Mit seiner spirituellen Art verbessert er nicht nur den Gesang der Gruppe, sondern er scheint auch in den einzelnen Personen etwas auszlösen. Insbesondere auf Hannah, die sich in einer ehelichen und persönlichen Sackgasse befindet, hat Jackson eine starke Wirkung. Doch der scheinbar so weise Prediger hat selber ein dunkles Problem...
Kinofilm-Rating
Die Qualität steckt im Detail
Oh Happy Day hat einige wunderbare Aspekte an sich. Das sind zum Beispiel die verschiedenen Figuren der Geschichte, die total echt, manchmal herrlich skurril aber nie stereotyp wirken. Nicht nur die Hauptfiguren wie Hannah und Jackson - stark gespielt von Lotte Andersen (Okay) und Malik Yoba (Criminal) - erzählen eine Geschichte, sondern auch die kleinen Nebenrollen wirken detailliert und werden von den Schauspielern eingänglich und sorgfältig dargestellt. Der Film profitiert enorm von der Stärke seiner Figuren.
Genau so gut wie die Charaktere sind aber auch die vielen kleinen Details, die der - sonst leider eher faden - Geschichte eine Würze verleihen. Kurze Einstellungen, zum Beispiel wenn Kirsten während Jacksons Unterricht aus freudschem Versehen die Zahlenfolge 666 setzt, verleihen dem Film eine fröhlichen und humorvollen Unterton. Dazu gehört auch das stimmungsvolle Setting, welches das Flair - oder den Mief - eines ländlichen Dörfchens sehr real transportiert. Schade nur, dass die kurzen witzigen Akzente gegen Ende immer seltener werden.
Denn die Geschichte an sich ist nicht wirklich berauschend. Der eine Handlungsstrang, der Chor (-> die Proben -> der Fortschritt -> das Konzert), folgt dem Sister Act-Konzept und ist damit ziemlich vorhersehbar: Gruppe aus Anithelden wird zu stimmgewaltigem Gospelchor. Der andere Handlungsstrang, die Lebenskrise von Hannah, die Schwierigkeiten von Jackson und die Beziehung der beiden, wirkt irgendwie nicht ganz ausgereift. Für Probleme, die während einer langen Zeit heran reifen, scheint die schnelle und etwas plötzliche Lösung, die die Geschichte vorschlägt, doch gar unglaublich und deshalb eher unbefriedigend.
Last but not least muss natürlich die Musik erwähnt werden. Oh Happy Day bietet erwartungsgemäss viele mitreissende klassische Gospelstücke. Es sind aber auch hier die etwas ungewöhnlicheren Lieder, die dem Film eine eigene Note geben. Wie zum Beispiel der witzige Eröffnungskanon "Der er noget galt i Danmark" (Es ist 'was faul im Staate Dänemark). Oder die klangvollen moderneren Variationen klassischer Gospelthemen. Rick Astley (Cashback) hat einen Soundtrack produziert, der insbesondere auch als reine Musik-CD funktioniert und sehr klangvoll anzuhören ist.
Alles in allem ist Oh Happy Day ein Film, der mit erfrischenden Figuren und Details brilliert, bei der Geschichte aber etwas interessanter hätte sein dürfen. Wer (Gospel)Musik mag, sollte sich den Film auf jeden Fall anschauen und -hören.
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