Night Watch - Nochnoy Dozor (2004)

Wächter der Nacht

Night Watch - Nochnoy Dozor (2004) Wächter der Nacht

Oder: Nachtwächter in Aufruhr

Night Watch - Nochnoy Dozor

Auf gehts buam, pock mers!

Vor mehr als Tausend Jahren kam der ewige Kampf vom Guten gegen das Böse zum Stillstand. Während einer unentschiedenen Schlacht um die Vorherrschaft über Seelen beschlossen die beiden Anführer Geser und Zavulon den Krieg zu beenden, und die Menschen von nun an ihren selbst gewählten Weg gehen zu lassen. Der Pakt wird aber bis zum heutigen Tag von den übernatürlichen Kräften von Licht und Schatten kontrolliert. Als die "Anderen" schauen Vampire, Hellseher und zwischen Mensch- und Tierform wandelnde Wesen, dass in der realen Welt alles seine Ordnung hat. Die Bösen machen "Day Watch" bei Tageslicht und die Guten übernehmen die "Nachtwache" während der Nachtschicht.

Night Watch - Nochnoy Dozor

Im Falle eines Falles klebt Uhu wirklich alles.

1992 besucht der junge Anton (Konstantin Khabensky) in Moskau eine Hellseherin, um seine Freundin zurückzugewinnen, die ihn gerade wegen eines Anderen (ein neuer Freund, kein Wesen aus der Zwischenwelt!) verlassen hat. Die Hellseherin offenbart ihm, dass die Gute schwanger sei, und wenn er sie für sich zurück haben will, müsse er erlauben, den Fötus seiner Freundin abzutreiben. Der Schwangerschaftsabbruch in Abwesenheit der werdenden Mutter geht aber schief, als drei Mitglieder der "Night Watch" die Hellseherin am fiesen Experiment hindern. Anton merkt dabei, dass er selber einer der "Anderen" ist und wird für die "Night Watch" rekrutiert.

Zwölf Jahre später ist Anton auf der Suche nach einem Jungen, der von zwei Vampiren gejagt wird. Es könnte der Junge aus einer Prophezeiung sein, der die Balance zwischen Gut und Böse zerstören soll...


Kinofilm-Rating

Night Watch oder besser Nochnoj Dozor, damit keine Verwechslungen mit dem dreckigen kleinen dänischen Filmchen namens Nattevagten aufkommen, das als amerikanisches Remake auch "Nightwatch" hiess, war 2004 der grösste Kassenschlager Russlands. Nicht einmal Spider-Man 2 hatte eine Chance gegen das einheimische Kinoschaffen, das nun mit stolz geschwellter Brust und vielen Vorschusslorbeeren die Welt erobern will. Der Trailer zum Film zeigt imposante Bilder, nah an der Reizüberflutung, und verrät quasi nichts über die Story. Man durfte deshalb am Festival du Film Fantastique in Neuchâtel (NIFFF) gespannt sein, was uns da der Werbefilmer Timur Bekmambetov auftischte.

Nur fünf Millionen hat Night Watch gekostet. Ein Anteil davon kam wohl von Nescafé, deren Product Placement fast so penetrant ist wie die Halter Bonbons in Exklusiv. Das wenige Geld sieht man dem Film nicht wirklich an. Da man heutzutage Filme auch am iMac schneiden kann, war es wohl nur eine Frage der Zeit bis die visuellen Tricksereien aus Hollywood auch für Länder aus der zweiten Welt erschwinglich werden. Einige der Bilder sind sehr beeindruckend. Der Typ, der sein Rückgrat aus dem Körper reist und als Schwert benutzt. Ein Fussballstadion, in dem mitten im Match auf einmal der Strom ausfällt. Die "Innenansicht" auf den Blutkreislauf eines U-Bahnfahrgasts. Es hat aber auch den einen oder anderen visuellen Einfall, der nicht unbedingt nötig wäre. Zum Beispiel Olga, die Eule, die sich in eine Frau verwandelt, oder eine Prophezeiung als Sequenz aus einem Videogame. Ob hier wirklich alles so atemberaubend neu ist, wie es die Werbung für den Film verklickern will, kann ich nicht beurteilen, weil ich weder Blade, noch Underworld noch irgendeine Buffy-Episode gesehen haben. (Sara Michelle Gellar hat übrigens einen Gastauftritt).

Night Watch als Trash mit besseren Special Effects abzutun, greift aber definitiv zu kurz. Die Story vermag durchaus zu packen. Zumindest die Teile, die man beim ersten Mal gucken auf Anhieb versteht. Das sind die, bei denen es um Anton und den Jungen geht. Teile des Films sind aber auch komplett verwirrend. Was sollte dieses Flugzeug die ganze Zeit? Da wird manchmal einfach viel zu wenig erklärt und Charaktere wie der "Tiger" und der "Bär" könnten durch durchaus ein bisschen mehr Tiefe vertragen.

Die wenig bekannten russischen Schauspieler machen ihre Sache gut. Sie passen in das anarchistische Moskau, wo jeder nur für sich schaut. Konstantin Khabensky als Anton ist fast schon ein Antiheld. Er sieht aus, wie man sich einen schmierigen Ostblöckler vorstellt. Der lebende Beweis, dass eine Sonnenbrille allein noch nicht zur totalen Coolness reicht, auch wenn man sie in der Nacht trägt.

Der ungewohnt pessimistischer Schluss lässt sogar auf mehr hoffen. Kein Problem bei einem Film mit einem Einspielergebnis weit oben in der Gewinnzone. Die amerikanische Fox hat den Braten gerochen und die Teile zwei und drei sind schon in Produktion. Vielleicht werden dann ein paar der offenen Fragen geklärt werden.

3.5 Sterne
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05.07.2005 / rm