NaPolA - Elite für den Führer (2004)

NaPolA - Elite für den Führer (2004)

Oder: Von Systemblindheit und Unterordnung

NaPolA - Elite für den Führer

Welche Linsenfarbe hättest du denn heute gerne?

Friedrich Weimer (Max Riemelt) ist wie geschaffen für die Hitlerjugend. Jedenfalls von seinem Aussehen her. Seine Begabung als Boxer ist es jedoch, die ihm das Tor zur nationalpolitischen Erziehungsanstalt in der Ordensburg Allenstein öffnet. Allenstein ist eine Elite-Ausbildungsstätte wo 1942 Jugendliche für die Zukunft des grossdeutschen Reiches nach Hitlers Vorstellung ausgebildet werden. Für Friedrich die Chance, um seinem Schicksal als Fabrikarbeiter, wie es sein Vater ist, zu entgehen. Entgegen dem Willen der Eltern begibt er sich zur Ordensburg um sich eine Karriere in Partei, Staat oder Militär zu sichern.

NaPolA - Elite für den Führer

Leider kann hier nur immer einer aufs Mal baden. Brrrr.

Wenig Zeit vergeht bis Friedrich erkennt, dass es in seinem neuen Zuhause sehr militärisch zu und her geht. Schwäche wird hier nicht geduldet. Das macht nicht nur ihm, sondern auch, und noch viel mehr, seinem neuen Zimmergenossen Albrecht (Tom Schilling) zu schaffen. Dieser ist im Gegensatz zum Boxer Friedrich von eher sensibler Natur. Die beiden freunden sich an.

Im Verlaufe ihrer immer härteren Ausbildung, fällt es vor allem Albrecht zunehmend schwerer, gehorsam den erteilten Befehlen Folge zu leisten und, wie es von ihm verlangt wird, diese nicht zu hinterfragen. Als ihm dies nicht mehr gelingt, wird auch Friedrich vor eine Wahl gestellt, die den Verlauf sein weiteres Leben bestimmen wird.


DVD-Rating

Der erst 32-jährige Dennis Gansel hat schon den ein oder anderen Erfolg hinter sich, insbesondere seine bissige Teeniekomödie Mädchen, Mädchen ist wohl jedermann bekannt. Mit Napola nun hat er allerdings schon ein ganz anderes Kaliber geschaffen. Diese beeindruckende Erzählung von Wunschvorstellungen, falscher Beeinflussung auf der das Nazisystem fusste und Hörigkeit darf sich ohne weiteres zu den besten Deutschen Filmen zählen. Im allgemeinen Sog des 2. Weltkriegs Rummels der vergangenen Monate wäre der Film bei uns beinahe untergegangen und nach einem so starken Film wie Der Untergang hat es ein in ähnlicher Thematik angesiedelter Stoff natürlich sowieso nicht leicht.

Napola aber muss sich keineswegs verstecken. Der Film ist ebenso packend wie erschreckend und zeigt unter welcher falschen Ideologieeinstellung (nicht nur) die Heranwachsenden im Dritten Reich gestanden haben. Dem Film wurde von einigen Seiten ein zu wenig kritischer Umgang mit der nazionalsozialistischen und menschenverachtenden Einstellung vorgeworfen, etwas was ich keineswegs nachvollziehen kann. Im Gegenteil, nicht nur, aber oft auch auf subtile Art und Weise zeigt der Film das braune Verderben, die überaus verheerende Auslese der Heerenrase mit Gesichtsvermessung, Augenfarbe etc. die zur Einteilung der Klasse führt, wird vom Protagonisten wohlwollend aufgenommen, klar, sein grösster Wunsch ist die Zugehörigkeit und sein Ziel als Boxer seinen Weg zu gehen. Der Zuschauer selbstverständlich nimmt solche Menschenverachtung mit Kopfschütteln auf. Anders kommt das auch beim Gegenpol Albrecht Stein, seinerseits Sohn des Gauleiters, rüber, der eine völlig andere Einstellung zur Sache hat, die ihm schliesslich zum unausweichlichen Verhängnis wird. Das ist saustark und mitreissend umgesetzt. Übrigens, obwohl ich mich recht intensiv für diese Zeit interessiere und geschichtlich damit beschäftige, wusste ich bisher nichts von diesen Napola-Elite-Schulen. Wieso denke ich dabei nur an ähnliche militärische Anstalten "enet" dem grossen Teich?

Napola ist ganz ganz faszinierend gespielt, die junge Darstellerriege ist fantastisch und so manchen Goodbye Lenins in dieser Hinsicht überlegen. Inbesondere Max Riemelt als geblendeter, gedankenloser Eifferer und Tom Schilling, aber auch dem restlichen Cast ist ein ganz grosses Kränzchen, ein Kranz eben, zu winden. Ein hervorragender, sehr nachdenklich stimmender, tiefgründiger und doch unterhaltsamer Film.

Extras: Präsentiert wird die DVD mit einigen Leckerlis, allen voran einem gelungenen Videotagebuch des Regisseurs, einigen Deleted Scenes und Hintergrundinfos, die allerdings nur als Texttafeln vorliegen. Das Bild liegt in gediegenem 2.35:1 Format vor, farbstark und kontrastreich mit recht guter Schärfe. In Sachen Ton ist eher Ruhe angesagt, der Film wird nicht von Toneffekten dominiert.

4.9 Sterne 4.5 Sterne
4.9 Sterne (34 Bewertungen) | 0 Kommentare

5.55.5
07.09.2005 / pf (Inhalt), pb (Rating)


DVD-Infos

DVD erschienen am 25.08.2005

  • Bildformat: 2.35:1 (16:9)
  • Sprachen: Deutsch (DD 5.1)
  • Untertitel: Deutsch
  • Extras: Audiokommentar des Regisseurs; Videotagebuch des Regisseurs; Deleted Scenes; Interviews; Storyboard-Vergleich; Darsteller-Infos; Die Hintergründe; Filmtipp.