Die Nacht singt ihre Lieder (2004)
Die Nacht singt ihre Lieder (2004)
Oder: Eine Wohnung in Berlin
Eine Wohnung, ein Mann, eine Frau und ein Baby sind die Hauptdarsteller dieser in Berlin angesiedelten Geschichte. Die Frau ist unglücklich. Ihr Mann sitzt nur herum, liest Bücher oder versucht sich erfolglos als Autor. Von den Verlagen gibt es nur Absagen. Den kleinen Jungen füttert und wickelt er zwar, doch bis vor die Wohnungstür schafft er es nie. Besuch hat das Paar auch ganz selten. Und wenn einmal die Eltern zu Besuch kommen, so höchstens eine halbe Stunde. Sie hat eines Abends genug und geht aus. Sie möchte tanzen, dass Leben geniessen. Als sie zurückkommt, ist ihr Mann immer noch wach. Ein langes Gespräch über das Vertrauen und ihre Beziehung beginnt. Mit Schlafen wird wohl nichts...
Kinofilm-Rating
Wie interessant kann es sein, zwei Menschen beim nächtlichen Streiten in der Wohnung zuzusehen? Relativ interessant. Vor allem wenn hinter der Kamera ein Talent wie Romuald Karmakar (Der Totmacher) das Sagen hat. Seine Regie macht aus dem eher unspektakulären Stoff von Bühnenautor Jon Fosse eine spannende und mitreissende, wenn auch etwas deprimierende, Geschichte.
So ein Kammerspiel funktioniert natürlich nur, wenn die Hauptdarsteller zu überzeugen mögen. Dies ist dann auch, bis auf einige Szenen, der Fall. So fiebert der Zuschauer schon nach wenigen Minuten wünscht, dass das junge Paar ihre Krise möglichst schadlos übersteht.
Die grösste Schwäche des Filmes sehe ich in den Dialogen. Zwar mögen sie sehr realistisch sein, doch werden unzählige Wiederholungen eines Satzes, wie sie gegen Schluss immer öfter vorkommen, mit der Zeit eher mühsam. Ich bin sicher, man hätte das Drehbuch noch ein wenig trimmen können, um die Geduld der Zuschauer im letzten Drittel nicht so sehr auf die Probe zu stellen.
Nebst der Regie ist das Produktions- und Kostümdesign eine weitere Stärke des Filmes. Es wird viel mit Licht und Farben gearbeitet. Die Szene, in der die junge Frau in der Disco tanzt, während er zu Hause auf sie wartet, hat mich am meisten beeindruckt durch die Gegenschnitte zwischen diesen Kontrasten, die auch optisch ganz klar in Szene gesetzt wurden. Regisseur Karmakar ist Liebhaber der Elektronischen Musik. Dementsprechend hat er die Musik zu seinem Film selbst ausgewählt und sie passt wie die Faust aufs Auge und ist mir deshalb als extrem positiver Aspekt aufgefallen.
Die Nacht singt ihre Lieder hat seine Längen und flauen Momenten, doch als Gesamteindruck bleibt ein packendes Drama, wie es sich wohl in hunderten von Wohnungen jetzt gerade abspielen könnte, während ich diese Zeilen tippe.
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