Mysterious Skin (2004)
Mysterious Skin (2004)
Oder: Ein Trauma - Zwei Lebensläufe
Zwei kleine Jungs vertreiben ihre Freizeit in der amerikanischen Little League, sowas wie die F-Junioren des Baseballs. Neil ist der Star des Teams und der Liebling des Trainers. Brian ist hingegen eher ungeschickt. Als es einmal wegen Regens zu einem Spielunterbruch kommt, werden alle Kinder abgeholt ausser Brian. Der wird später mit blutiger Nase aufgefunden, ohne Erinnerungsvermögen an die letzten Stunden.
Zehn Jahre später ist Brian (Brady Corbet) überzeugt davon, dass er während seines Blackouts von Ausserirdischen entführt wurde. Die Alpträume, die ihn seit der fraglichen Nacht plagen, handeln von den schrecklichen Experimenten, die man an ihm durchführte. Immer wieder erkennt er aber auch einen Jungen in seinen Visionen, über die er penibel Buch führt. Dank einer Fernsehsendung zum Thema findet er Kontakt zu einer anderen Betroffenen. Zusammen mit ihr macht er den Namen des Jungen ausfindig. Es handelt sich um Neil (Joseph Gordon-Levitt), mit dem er vor Jahren im selben Baseballteam war. Doch dieser ist mittlerweile nach New York City gezogen...
Kinofilm-Rating
In Mysterious Skin hat auch Buffy-Starlett Michelle Trachtenberg eine Rolle. Während ihr letzter Film Ice Princess, ein Disneymärchen über blutjunge Eiskunstläuferinnen, von nicht wenigen Kritikern als Film für Pädophile verunglimpft wurde, ist dieser Film, den sie davor abdrehte, ein Film über Pädophile. Damit ist auch schon alle Wissenswerte zu Trachtenbergs Rolle in diesem Film gesagt. Ihre Funktion ist einzig und allein, eine Art Schutzengel für Joseph Gordon-Levitts Brian zu sein und ihn irgendwann von Kansas nach New York zu lotsen. Was sie in der Grossstadt macht und Brian dort genau soll, ist so unverständlich wie die Freundschaft zwischen den beiden in Kansas gebliebenen Jugendlichen, die sich auf wundersame Weise entwickelt.
Hauptthema des Films ist aber sowieso die Vergewaltigung von Buben. Das mag skandalträchtig sein, verharmlosend wie an der einen oder anderen Stelle zu lesen war, ist das aber nicht. Auch wenn der Kinderficker blendend aussieht wie Robert Redford in jungen Jahren und die sexuelle Ausbeutung ihren Anfang in einem Regen aus Fruit Loops und Rice Crispies nimmt, werden die Spätfolgen im Leben der Opfer drastisch gezeigt. Beide Jungs verkrüppeln sexuell. Regisseur Gregg Araki muss sich aber den Vorwurf gefallen lassen, dass er die Schuld an den ganz unterschiedlich missratenen Söhnen bei deren Müttern impliziert. Die Schlampe mit dem Herz am rechten Fleck erzieht dich zum Stricherjungen. Die überprotektive Glucke, die mit fünfzig Jahren noch Teddybären auf dem Pulli trägt, hat es dafür mit einem sexuell gehemmten Streber zu tun.
Mysterious Skin ist ein mutiger Film, mit stellenweise wundervollen Bildern. Zu vieles innerhalb der Story bleibt aber fragmentarisch und unausgegoren. Einige Szenen bei den Freierbesuchen sind nichts für Zartbesaitete. Hauptdarsteller Joseph Gordon-Levitt beweist aber nach Brick ein weiteres Mal, das man auch in Zukunft mit ihm zu rechnen hat.
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4.7 Sterne (22 Bewertungen) | 2 Kommentare


