Metallica: Some Kind of Monster (2004)

Metallica: Some Kind of Monster (2004)

Oder: Wütende Menschen musizieren miteinander....

In den 90-er Jahren verkaufte eine Hardrock-Band mehr CD's und LP's als Madonna, die Beatles oder Eminem. Diese Band bestand aus 4 Jungs, die Musikgeschichte schrieben und unter dem Namen "Metallica" eine der erfolgreichsten Musik-Acts weltweit sind.

Metallica: Some Kind of Monster

Let's Rock, Mään!

Nach dem letzten Album, der letzten Tour und den abgeschlossenen After-Release-Arbeiten, wollten sich Sänger James Hetfield, Gitarrist Kirk Hammett, Drummer Lars Ulrich und Bassist Jason Newsted eigentlich wieder im Studio treffen und ein neues Projekt starten. Allerdings kam es zuvor zum Knall, der die Musikwelt doch recht erschütterte. Jason Newsted konnte sich mit seiner Rolle in der Band nicht mehr abfinden und verliess Metallica. Die Reibereien waren zu gross. Die Egos der einzelnen Mitglieder (vor allem Hetfields und Ulrichs) waren zu gross geworden und eine Zusammenarbeit war nicht mehr möglich.

Die restlichen drei Bandmitglieder versuchten nun etwas ganz neues. Sie mieteten sich auf einem alten Militärgelände ein und wollten ein erstes Mal ein Album machen, an dem jeder gleichermassen beteiligt sein sollte. Vorher waren es immer Hetfield und Ulrich, die mit den fast fertigen Songs ins Studio kamen. Da hatten die anderen Mitglieder nix mehr zu sagen. Sie mussten ganz einfach nur spielen, was ihnen aufgetragen wurde. Doch dieses Mal sollte alles anders werden.

Metallica: Some Kind of Monster

"Du Lars, kannst Du das lesen?"

Metallica beanspruchten die Hilfe eines Psychologen, der helfen sollte, die Probleme, die sich innerhalb der Band aufgestaut hatten, zu lösen und die Band wieder zu einer Einheit zu formen. Diese Voraussetzungen wurden kurz nach Beginn des neuen Projektes wieder verworfen, da sich James Hetfield endlich dazu überwand, eine Therapie gegen seinen Alkoholismus zu machen und für fast ein Jahr aus der Band verschwand. Lars Ulrich versuchte in der Zwischenzeit, die Vergangenheit aufzuarbeiten und suchte Gespräche mit ehemaligen Bandmitgliedern, wie Megadeth-Frontman Dave Mustaine, dem Ex-Bassisten Jason Newsted und vor allem seinem Vater. Immer begleitet durch den Psychologen, der vor allem bei Lars eigentlich einen recht guten Eindruck hinterliess.

Die Band fand sich langsam wieder, das neue Album hätte eigentlich angefangen werden können. Doch können so grosse Egos wirklich miteinander produktiv sein? Wie kann man den angestauten Frust, die aufgebaute Aggression in Songs packen? Und wer soll den Bass zupfen?

Metallica: Some Kind of Monster

Lars @ work

Die Filmemacher Joe Berlinger und Bruce Sinofsky begleiteteten diesen Prozess und die Band für fast 3 Jahre lang auf Schritt und Tritt. Sie mussten dann aus über 1200 Stunden Film eine Dokumentation zusammenbasteln, die den Alltag einer Band zeigt, die sich total zerstritten hatte und kurz vor der Auflösung stand. Und genau diese Band hatte sich nun am Riemen zu reissen, die internen Probleme zu lösen und ein Album ("St. Anger") zu produzieren, dass sich im nachhinein als riesiger Erfolg herausstellte und in über 30 Ländern sofort die jeweiligen Albumcharts anführte.


Kinofilm-Rating

Dokumentationen scheinen in diesen Tagen, Wochen oder Monaten recht angesagt zu sein. Zuerst wurde mit Krokus die erfolgreichste Schweizer Rockband portraitiert und nun soll es also eine der mächtigsten, erfolgreichsten und härtesten Bands der Welt sein.

Voraussetzungen, um sich auf diesen Film einzulassen sind natürlich gegeben. Ein Fan der Gruppe, ein Interessierter des Themas oder ein Hobby-Psychologe sollte man schon sein, denn was einem hier erwartet, geht weit über den üblichen Konzertfilm und Backstage-Bilder hinaus. Da treffen sich 3 Leute, die anfänglich nicht im gleichen Raum arbeiten können. Die Egos prallen aufeinander, es werden den Leuten die Köpfe gewaschen und man erwartet eigentlich minütlich eine Schlägerei im Proberaum. Die Stimmung ist aggressiv, die Wortwahl selten jugendfrei und der Sound hart am erträglichen Limit. Aber je länger der Film geht, wird man auch als Zuschauer Zeuge der Veränderungen der einzelnen Personen. Die eigene Meinung wird zurückgesteckt, es wird aufeinander eingegangen, private Probleme gelöst und wann immer man meint, dass es das nun doch gewesen wäre, brechen die "Rockstars" in den Personen wieder durch. Wenn der eine sich einkriegt, "trötzled" der andere. Wenn der eine motiviert zur Sache geht, klimpert der andere gedankenverloren auf der Gitarre rum. Ein psychologischer Hochgenuss, den es hier zu entwirren gibt.

Natürlich spielt die Musik ein zentrales Thema. Man hört viele Stücke aus dem "St. Anger"-Album, aber auch Klassiker wie "Battery" oder "Enter Sandman". Hart, kompromisslos, ja fast gewalttätig werden hier die Instrumente bearbeitet, so dass aus dem Zorn und der Frustration irgendwie Songs werden, denen man deren Brutalität richtig anhören kann.

Was schlussendlich der Band gut getan hat, war die Integration des neuen Bassisten Robert Trujillo, der vorher bei Ozzy Osbourne gezupft hat. Er, der es anfangs kaum glauben kann, dass er jetzt wirklich als festes Bandmitglied bei Metallica aufgenommen wurde, überzeugt durch seine positive Ausstrahlung und sein geniales Bassspiel, dass er bei der grossen Audition eindrucksvoll unter Beweis stellt. Genial, der Junge. Ganz witzig, wie er beim Vorspielen ausgerechnet einen der schnellsten Metallica-Songs spielen will und die Bandmitglieder ihn fragen, ob er denn wirklich sicher sei, ausgerechnet diesen Song spielen zu wollen...

Fazit: Metallica - some kind of monster ist ein geglücktes Experiment einer Rockband, die sich in intimen Gesprächen und Momenten filmen liess und dem Fan damit einen Einblick in den Alltag von Superstars erlaubt. Auch wenn man mit der Zeit vom Reden ein bisschen die Nase voll hat und sehnsüchtig auf den nächsten Song wartet, so überzeugt der Film mit seiner Ehrlichkeit, seiner Offenheit und der Dramatik, die sich immer wieder dem Zuschauer in den Kopf brennt. Was wäre wenn? Wieviel hat gefehlt, dass Metallica sich getrennt hätten? Ein dickes Bravo an die Filmemacher für eine überzeugende und für Fans der Band obligatorische Dokumentation.

5.1 Sterne
5.1 Sterne (20 Bewertungen) | 8 Kommentare

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26.06.2004 / muri