The Merchant of Venice (2004)

The Merchant of Venice (2004)

Oder: Wehret den Schulden!

Wir schreiben das Jahr 1596 und sind in Venedig. Die Abneigung der dort lebenden Christen gegen das Judentum wird offen zur Schau gestellt. Die Juden dürfen weder handeln, noch gross was besitzen. Sie werden angespuckt und haben gefälligst einen roten Hut zu tragen, wenn sie ihr Viertel verlassen. Und dieses Viertel wird nachts natürlich verschlossen und bewacht. Man will ja nicht, dass einer von denen in der Stadt rumläuft. So frei und unbeaufsichtigt...

The Merchant of Venice

Wohin gucken die denn so gespannt?

Zu dieser Zeit lebte auch der junge Bassanio (Joseph Fiennes). Er, Lebe- und Ehrenmann, ist hoch verschuldet und hat sich verliebt. Und zwar in die schöne Portia (Lynn Collins). Doch um deren Gunst zu gewinnen, brauchts Kohle. Geld. Schotter. Dukaten. Deren 3000. Und die hat der junge Schönling nicht, da er alles eh immer grad auf den Putz haut. Drum fragt er seinen besten Freund, den Kaufmann Antonio Jeremy Irons) um Hilfe. Die beiden beschliessen, zum Juden Shylock (Al Pacino) zu gehen. Denn diese jüdischen Menschen könnens recht gut mit Geld und verdienen sich mit Verleihung selbigem und der Berechnung von Zinsen einen guten Lebensstil. Sofern man deren Situation als "gut" bezeichnen kann.

Man kommt ins Geschäft. Der Deal findet statt, die 3000 Dukaten wechseln den Besitzer. Für 3 Monate. Und unter der Bedingung, dass Shylock ein Pfund Fleisch aus dem Körper (nahe des Herzens) von Antonio schneiden kann, sollte das Geld nicht rechtzeitig zurückbezahlt werden. Doch Antonio macht sich da keine Sorgen. Er hat Schiffe auf allen Meeren, die auf dem Rückweg sind und ein vielfaches des geborgten Betrages versprechen.

The Merchant of Venice

Ach so, dahin....

Die Geschichte nimmt ihren Lauf. Der Schönling schnappt sich die Jungfrau und das Wetter spielt dem Kaufmann von Venedig einen schönen Streich. Denn alle seine Schiffe werden Opfer der Wellen und keines erreicht den heimischen Hafen und gibt Antonio so die Chance, seinen Kredit zurück zu zahlen. Der Tag der Rückzahlung steht an und Antonio scheint verloren.

Vor Gericht trifft man sich und während der Kaufmann um sein Leben bettelt, wetzt der Jude Shylock sein Messer. Er ist mehr als nur gewillt, seine Schuld einzutreiben und dem "Christen" zu zeigen, was Sache ist. Er beharrt auf seinen Schuldschein, will das Fleisch und die Tragödie scheint unaufhaltsam.

Da betritt ein junger Doktor die Szene, den man doch von irgendwo kennt......


DVD-Rating

Shakespeare garantiert immer einen Film für die Schauspieler, ausgefeilte Wortgefechte bei denen man nicht nur in der Originalsprache höchste Aufmerksamkeit benötigt und hinlängliches Schulenglisch etwa so viel mit Gärtnern zu tun hat wie Mutters Geranien auf den Balkon zu schleppen, es ist also mehr als verständlich wenn die Deutsche Synchroversion herhalten muss.

Um Mutli-Shakespearelieferant Kenneth Branagh ist es in letzter Zeit eher ruhig geworden, so dass Michael Radford (Il Postino) für einmal in den Kostümfundus greift um das mittelalterliche Venedig auszustatten.

Mit von der Partie in diesem Spiel um Rache, Schuld, Liebe und Genugtuung ist ein feiner Cast, angeführt vom unvergleichlichen Al Pacino als rachgelüstigem jüdischen Kreditgeber, dem nach Beleidungen und Missgunst nichts heilig ist um an sein Recht zu kommen. Diesen verzweifelten, verstockten alten Mann gibt der Mime absolut gekonnt und genüsslich zum besten. Ebenso schön ist es wiedermal einen Jeremy Irons in einer guten Rolle zu sehen, auch wenn er diese, zumindest im Film, fast mit dem Leben zu bezahlen hat. Joseph Fiennes hat seit der seichten Oscarkomödie Shakespeare in Love wenig Kredit auf meiner Filmbank, erholt sich aber seit Filmen wie Luther und auch seiner zurückhaltenden, guttemperierten Leistung hier wieder zum Positiven.

Shakespeare ist nicht für jedermann und der wortlastige The Merchant of Venice fordert die angesprochene Hingabe und Aufmerksamkeit. Ist man bereit diese einzugehen, bekommt man einen schönen, unterhaltsamen Film auf den Bildschirm geliefert.

Extras: Wieso auch immer, meine DVD zeigt ein falsches Bildformat. Das angebotene 2.35:1 jedenfalls ist es nicht, eher eine verzurrte, aufgeblasene Mischung daraus. Sehr schade. Ich hoffe dieses böse Manko wird beim Release der DVD korrigiert. Die Extras sind eher dünn gesät, mit Audiokommentaren und einem halbstündigen Abriss zur Stoffadaption.

4.6 Sterne 2.0 Sterne
4.6 Sterne (25 Bewertungen) | 0 Kommentare

4.54.5
11.09.2005 / muri (Inhalt), pb (Rating)


DVD-Infos

DVD erschienen am 17.11.2003

  • Bildformat: 2.35:1 (sollte es sein...)
  • Sprachen: Englisch, Deutsch (DD 5.1)
  • Untertitel: Deutsch
  • Extras: Audiokommentar von Regisseur und Darstelle (Lynn Collins); Making Of; Trailer