Marebito (2004)

Marebito (2004)

Oder: Heute schon Blut geleckt?

Marebito

Staubsaugen mal anders

Der Kameramann Masuoka (Shinya Tsukamoto) ist independent und bekannt für seine Bilder. Tagelang läuft er mit laufender Kamera durch Tokio, um vielleicht etwas extrem exklusives aufzunehmen. Und siehe da, er läuft an einem Selbstmörder vorbei und filmt diesen dabei, als er sich ein Messer ins Auge sticht. Eine Frage aber beschäftigt Masuoka weiterhin. Was hat der Mann so grauenvolles gesehen als er sich umbrachte? Und wieso war dessen letzter Blick genau auf die Kamera von Masuoka gerichtet?

Auf der Suche nach dem ultimativen Schreckmoment verliert der Kameramann den Boden unter den Füssen. Sein Zuhause, eh schon mit allerlei Kameras, Bildschirmen und technischem Mumpitz ausgestattet, wird für eine Reise in den Untergrund verlassen. Einsam und allein macht er sich auf, das Geheimnis des Schreckens zu erforschen.

Marebito

Der ultimative Moment

Tief unten führt er Zwiegespräche mit toten Selbstmördern, trifft komische Gestalten und schlussendlich sie. "Sie" ist ein Mädel, das nackt und angekettet da unten liegt und keinen Mucks macht. Natürlich wird sie mit hochgenommen und in die Wohnung geschafft. Ist diese Frau, die weder isst noch aufrecht gehen kann, der Schlüssel zum Schrecken? Langsam aber sicher findet Masuoka heraus, was dieses Geschöpf braucht. Menschliches Blut!

Auf der Suche nach dem Geheimnis des Schreckens fängt unser Kameramann an, Sachen zu tun, die er sich selber nie zugetraut hätte. Er begegnet komischen weissen Gestalten, tief sprechenden Männern die ihn bedrohen und scheint je länger je mehr in eine Welt abzudriften, aus der es kein Entkommen mehr gibt. Nicht wissend, dass genau diese schöne, blasse Frau es sein wird, die ihm dem ultimativen Schrecken präsentieren wird.


Kinofilm-Rating

Takashi Shimizu hat noch anderes drauf, als immer nur Variationen seines Ju-On/The Grudge-Themas abzuliefern. Bis jetzt hat der Mann in Japan und den USA insgesamt sieben Filme dieser Art gedreht, oder wird sie noch drehen. (Stand Juli 2005). Zwischen der dritten japanischen Version und dem US-Remake mit Sarah Michelle Gellar fand er gut eine Woche Drehzeit für Marebito.

In schlichten Videobildern folgt er mit seiner Kamera einer einsamen Seele in der Grossstadt. Er zeigt ein heruntergekommenes Tokio mit dreckigen, unterirdischen Röhren und der Agglomeration, die durch das Fehlen von japanischen Schriftzeichen und auf Glanz polierten Oberflächen irgendwie unjapanisch wirkt. Der penetrante Gebrauch vom Voice-over von Masuoka ist nicht sehr tiefgründig. Das könnte aber an der rudimentären englischen Untertitelung liegen, mit der die Version am Neuchâtel International Fantasy Film Festival (NIFFF) unterlegt war. Er erzählt, was er jetzt sieht. Es gibt von ihm keine Vorgeschichte. Masuoko ist wie eine Figur wie aus einem Film von Michael Haneke, besessen vom Videobild und unfähig zur sozialen Bindung. Bei der Arbeit hat er es mit oberflächlichen Charakteren zu tun. F, wie er die stumme Frau nennt, die er in der U-Bahn aufgelesen hat, wird sein ein und alles. Die Massnahmen, die er ergreift, um die Bedürfnisse seiner Mitbewohnerin zu befriedigen, werden immer extremer, sind aber nie sexueller Natur.

Schon früh im Film erfährt Masuoko von einem Obdachlosen von den Deros, welche das U-Bahn-System bewohnen. Gollumartige Kreaturen, die glücklicherweise nicht oft gezeigt werden, was eh nicht zur Stimmung des Films gepasst hätte. Ausser eben diese F, der man bestürzt zuschaut, wenn sie am Fläschchen voller Blut nuckelt. Es gibt Schockeffekte in Marebito, aber in viel kleinerem Ausmass als in Shimizus anderen Filmen. Marebito ist eher eine Parabel auf die urbane Vereinsamung und die Medienbilderwelt, die uns umgibt, und deshalb mehr als nur ein weiterer Vertreter der Gattung, die als "J-Horror" die Kinosäle rund um den Globus in Panik versetzte.

4.5 Sterne
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08.07.2005 / muri (Inhalt), rm (Rating)