Männer wie wir (2004)

Männer wie wir (2004)

Oder: Manndecken ist tuffig!

Männer wie wir

Gay-Squad

Wenn es in Deutschland ein Gebiet gibt, wo Fussball noch mehr gearbeitet als gespielt wird und das Ganze ein Sport für "echte" Männer ist, dann ist das das Ruhrgebiet. Dort, genauer gesagt in Dortmund, spielt auch der FC Boldrup. Die spielen momentan noch in der Kreisliga, sind aber im entscheidenden Spiel mit 1:0 vorne. Da fällt der Schiedsrichter auf eine Schwalbe des Stürmers der Gegner rein, der Ausgleich fällt, die Mannschaft steigt nicht auf und Torwart Ecki (Maximilian Brückner) wird dafür verantwortlich gemacht.

Beim abendlichen Besäufnis überkommt Ecki ein schon lange gehegtes, aber immer wieder verdrängtes Gefühl und er versucht einen Mitspieler zu küssen. Natürlich steht der mannschaftsinterne Intimfeind daneben und stempelt Ecki als "Schwuchtel" ab. Ja, Ecki ist schwul. Und schwule Männer werden im Fussballclub auf keinen Fall geduldet. Ecki ist raus und wäre fast schon aus dem Leben der Spieler verschwunden, wenn da nicht diese eine Sache wäre. Denn laut dem FC Boldrup können Schwule keinen Fussball spielen. Und genau hier will Ecki das Gegenteil beweisen. In vier Wochen soll das Spiel sein. Heteros gegen Schwule.

Männer wie wir

Been there, done that!

Aber hey! Es ist Dortmund. Wer sich da (laut Film) als homosexuell outet, der ist weg vom Fenster. Vor allem in der Fussballszene. Ecki versucht, mit Hilfe seiner Schwester, eine Mannschaft auf die Beine zu stellen und bekommt Unterstützung aus den verschiedensten Ecken. Aus Dönerbuden, S/M-Clubs oder Fanecken. Und sogar der attraktive Zivi, der bei der Schwester im Spital arbeitet, fängt Feuer. Und zwar nicht nur fürs Fussballspiel.

Der "Judgement Day" nähert sich, die "Lattenknaller" werden inzwischen vom knorrigen und absolut unabdingbaren Trainer Karl (Rolf Zacher) trainiert und von der Barfrau Elke (Mariele Millowitsch) verköstigt. Ob aus den bepiercten und David Beckham-anbetenden Spielern noch was wird? Werden die Hetis geschlagen? Und wie nähert sich Ecki seiner Familie wieder, von der er sich nach seinem Outing entfernt hat?


Kinofilm-Rating

Deutschland ist schwul. Neee, ist nicht von mir, der Satz. In der grossen Tageszeitung mit den vier noch grösseren Buchstaben stand das mal auf der Titelseite. Nachdem schon im (T)Raumschiff Surprise rumgetuntelt wurde, versucht Regisseurin Sherry Hormann den Spagat zwischen einer Fussballerkomödie und einer ernsten Angelegenheit. Und man mag ihr durchaus Talent für solche Aktionen zusprechen, auch wenn genau durch diesen Spagat der Film weder Fisch noch Fleisch ist.

Was anfänglich wie ein normale und durchschnittliche Komödie aus Deutschland anfängt, wird mit der Zeit richtig spassig. Zwar sind natürlich die schwulen Mitmenschen hauptsächlich in dunklen Klubs zu finden, wo alle Lederklamotten tragen und auch sonst wird praktisch kein Klischee ausgelassen, aber der Film mag durchaus eine Zeit lang unterhalten. Nur dumm, wenn nach fünf Minuten im Film jedermann sich lang und breit ausmalen kann, wie es schlussendlich enden wird. Jaja, auch ich konnte gegen Ende nur gähnend im Kinosessel sitzen und zu mir selber sagen: "Habs ja gewusst."

Schauspielerisch sind die meisten Gesichter Neuland. Eindruck macht höchstens der Darsteller des Ecki, der wirklich mit Energie an der Sache gewesen zu sein scheint. Der Rest der tuffigen Truppe ist austauschbar und folgt so ziemlich jeder Vorstellung eines Vorzeigeschwulen. Leider. Bekannte Gesichter hats auch noch ein paar, allerdings bleiben allesamt dezent im Hintergrund. Bis vielleicht auf Rolf Zacher, der seiner Figur wenigstens ein bisschen Tiefe vermittelt und dem die letzte Szene des Filmes gehört.

Fazit: Männer wie wir ist harmlos, vorhersehbar und nur bedingt lustig. Zwar ist das Potential absolut vorhanden und teilweise sind die einzelnen Szenen recht sympathisch, aber als Ganzes mag der Film nicht überzeugen. Mich auf alle Fälle nicht. Fussball wird auch nur recht wenig gespielt und die Hintergrundgeschichte sowie die Probleme mit dem Outing einzelner Figuren, sind langweilig und unnötig. Zwar hab ich erst gegen Ende meine Anfall von "auf-die-Uhr-schauen" bekommen, aber auch vorher wird kaum ein Zuschauer von einem solch seichten Filmchen über ein eigentlich recht witziges Thema von den Sesseln springen.

3.0 Sterne
3.0 Sterne (10 Bewertungen) | 3 Kommentare

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14.10.2004 / muri